Y-Trasse: Statt Klarstellung Verunsicherung?

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CELLE. In dem Gerangel um die Klarstellung, welche Folgen die geplante Y-Trasse für Celle hat, gehen die Meinungen auseinander. Von der Landesregierung wird die Ansicht vertreten, dass Celle nicht vom Personenschnellverkehr abgekoppelt wird und sogar noch eine Entlastung durch Güterverkehr erfolgt. Dieser Position haben sich die Celler CDU-Landtagsabgeordneten Adasch und Langspecht angeschlossen. Eine direkte Stellungnahme von Bahnchef Rüdiger Grube klingt allerdings etwas anders. 

Nach anfänglicher Befürchtung, Celle werde vom schnellen Personenverkehr abgekoppelt, weil dann die Züge über die neue Y-Trasse geleitet werden, kam vor Kurzem Entwarnung. Die Celler Landtagsabgeordneten Adasch und Langspecht verbreiteten „gesicherte“ Informationen, dass Teile des Güterverkehrs auf die Y-Trasse verlegt werden und Celle weiterhin von ICE- und IC-Zügen „angefahren“ wird. Auch Landrat Klaus Wiswe, in dem Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende zunächst einen Befürworter für eine Resolution sah, um eine Abkoppelung Celles zu verhindern, sah nun keinen Anlass mehr, sich in der Sache zu engagieren. Der Oberbürgermeister schraubte ebenfalls einen Gang zurück, da sich die Wogen zu glätten schienen. 

Dennoch wollte es Oberbürgermeister Mende vom Bahnchef Rüdiger Grube selbst wissen, wie es um die Sache steht. Aus der nun vorliegenden Antwort liest Mende jedoch Einschränkungen für Celles Anbindung heraus, zumindest decken sich die Ausführungen des Bahnchefs nicht mit den zuvor gehandelten Beschwichtigungen der Landtagsabgeordneten, die sich auch auf den Bahnchef beriefen. Oberbürgermeister Mende wandte sich nun abermals an die Bundes- und Landtagsabgeordneten des Wahlkreises sowie an Landrat Klaus Wiswe, um sie von seinen Bedenken zu überzeugen. 

Mende moniert die wenig verbindlichen Aussagen des Bahnchefs, der von „ähnlichen Verkehrsanbindung wie im gegenwärtigen Regelangebot“ spricht oder von einer „mindestens zweistündigen IC-Anbindung“ und dass nur noch „die Hoffnung“ bestehe, weiterhin „ergänzende ICE-Einzelzüge in Tagesrandlagen“ anbieten zu können. Außerdem schränkt Grube ein, dass „Änderungen in der Marktsituation auch zu Änderungen im Angebot führen.“ Mende ruft alle Repräsentanten der Region auf, sich entsprechend der Bedeutung der Stadt als Oberzentrum nachhaltig dafür einzusetzen, dass eine nachfrageunabhängige stündliche IC-Anbindung dauerhaft und unabhängig von der Verwirklichung der Y-Trasse erhalten bleibt. Der Oberbürgermeister hat die Adressaten für den 27. Januar 2011 zu sich eingeladen, um die Angelegenheit zu erörtern. 

Der SPD-Landtagsabgeordnete Rolf Meyer erweist sich in seinem Bemühen als Verbündeter des Oberbürgermeisters. Er ist bei seinen jüngsten Recherchen zu einem anderen Ergebnis gekommen als seine CDU-Kollegen Adasch und Langspecht. Auf Meyers Anfrage hat die Landesregierung darauf verwiesen, dass nach dem Bau der Y-Trasse die ICE-Verbindungen über diese neue Schienenstrecke geführt werden. Nur noch die IC-Verbindungen bleiben im 2-Std-Takt auf der alten Strecke Hannover-Celle-Lüneburg-Hamburg. Rolf Meyer: „Es hat sich bestätigt, was ich bereits vor 2 Jahren gesagt habe. Die Taktung der ICE-Züge ist wegen der hohen Geschwindigkeit nicht mit den Güterzügen vereinbar.“ 

Gleichzeitig erklärte die Landesregierung, dass 2015 etwa 25 % der Güterzüge (60 von insgesamt 211) über die Y-Trasse rollen werden. Dazu Rolf Meyer: “Niemand glaubt, dass die Y-Trasse bis 2015 fertig gestellt ist. Klar ist aber auch, dass ohne Y-Trasse die Belastung für Celle noch größer wird.“ 

In der Antwort, die Meyer auf seine Anfrage bei der Landesregierung erhielt, heißt es aber auch: „Die niedersächsische Landesregierung sieht in der Umsetzung der Y-Trasse die einmalige Chance, das Verkehrsaufkommen zu bewältigen und gleichzeitig die Interessen der Bevölkerung in Niedersachsen sowohl als Reisende wie auch als Anwohner der Strecken zu wahren.[……]Die Y-Trasse ist von Anfang an für den Güterverkehr und den Personenverkehr konzipiert worden.[……]Die Landesregierung geht davon aus, dass die Y-Strecke so geplant wird, dass schnelle Züge des Personenverkehrs nicht durch langsamere Güterzüge behindert werden.“ 

Die unterschiedlichen Stellungnahmen von Landesregierung und Deutscher Bahn erfordern eine Klarstellung. Da sich aber auch die Landesregierung auf Bahnchef Grube beruft, muss von dort die eindeutige Signalstellung kommen. 

Redaktion
Celler Presse

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