Großes Interesse für den Projekttag „Atypische Berufe“

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CELLE. „Hauptschüler, die eine gute Fähigkeit haben, haben eine Chance,“ ist sich Uwe-Peter Becker von der IHK Celle sicher. Es sei wichtig, ihnen Perspektiven aufzuweisen. Der Ansturm auf den Projekttag „Atypische Berufe“ in der Alten Exerzierhalle war groß. Hauptschüler wollten die Chance nutzen, sich über die unterschiedlichsten Berufe zu informieren. Dazu hatte ein Team um Celles Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Fischer aufgerufen. Gemeinsam mit Sabine Mix von der Agentur für Arbeit und dort Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Andreas Mätzold, zuständig für die Nachwuchsförderung bei der Stiftung Niedersachsen Metall, Christine Schröpfer, von der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, und Uwe-Peter Becker konnten Firmen, Institutionen und Schulen gewonnen werden, als Ansprechpartner für die Hauptschüler zur Verfügung zu stehen. 

Stadtrat Stephan Kassel hatte bereits in seiner Begrüßungsrede festgestellt, dass für die Berufsfindung Lehrer wichtiger sind als die Eltern. Dieser Aufwand mit der Präsentation in der Exerzierhalle biete „Berufe zum Anfassen“. 17 Firmen und Insitutionen hatten ihre Stände aufgebaut, an denen es fachkundige Informationen zu den Berufen, die dort ausgeübt werden können, vermittelt wurden. Bei der Auswahl der Betriebe wurde ausdrücklich darauf geachtet, dass Berufe für Hauptschülerinnen/Hauptschüler angeboten werden. Nicht nur Chefs standen bereit, auch Auszubildende, die sozusagen „auf Augenhöhe“ ihre Erfahrungen weitergeben konnten. 

Außerdem hatten Azubis und/oder BerufsvertreterInnen die Aufgabe, in so genannten „Erzählcafés“ über ihre Berufs- und Lebenswege zu berichten und Fragen zu beantworten. Die Schülerinnen und Schüler hatten damit die Möglichkeit, Auszubildende direkt zu hören, sie anzusprechen und sich so ein Bild von Beruf und Arbeitswelt zu machen. 

Eingeladen waren Unternehmen unterschiedlicher Branchen aus der Region Celle, die Ausbildungsplätze für Hauptschüler anbieten – unter ihnen: Agentur für Arbeit, Baker Hughes, Barilla Wasa, BBS II, DeHoGa Hotel-Restaurant Stadt Bremen (Winsen), Deutsche Angestellten Akademie, IHK Lüneburg-Wolfsburg, ITAG, Jorczyk Energie, Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft, Malerbetrieb Nowatschin, Möbel Wallach, Sophien-Stift oder StiftungNiedersachsen Metall. 

Es wurden aber nicht nur Informationsgespräche geführt und Informationsmaterial verteilt; es konnte auch das handwerkliche Geschick in der Praxis getestet werden. Die Technischen Ausbildunsstätten (TAS) hatten drei Stationen zur Verfügung gestellt, an denen geschraubt und gebohrt werden konnte. 

Hintergrung für die recht eindringlichen Maßnahme ist die Tatsache, dass immer weniger Hauptschüler nach dem Schulabschluss eine Lehrstelle haben, immer mehr gehen von vornherein davon aus, keine Chance gegen Mitbewerber aus Realschulen zu besitzen. Vielfach wird ein fortlaufender Schulbesuch als die sicherere Umgebung und Zukunftsperspektive angesehen. 

Auf Initiative der Stadt Celle, genauer der Gleichstellungsbeauftragten Brigitte Fischer, haben sich die Agentur für Arbeit, die IHK Celle und die Stiftung NiedersachsenMetall zusammen gefunden, um exklusiv für die Hauptschulen der Region Celle einen Informationstag über berufliche Möglichkeiten zu veranstalten. 

Die Pilotveranstaltung hat am 14.11.2007 für die Hauptschulen der Stadt Celle stattgefunden. Das einhellig positive Echo seitens der Schulen brachte die Erkenntnis, dass damit eine wichtige berufsorientierende, aber auch gesellschaftspolitische, Lücke im System der Berufsvorbereitung abgedeckt wird. Daher soll diese Informationsgelegenheit den Hauptschülern im 2-Jahres-Rhythmus angeboten werden. Die diesjährige Veranstaltung war die dritte dieser Art. 

Die Teilnahme wird in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Schulleitungen organisiert. Wenn sich aus den Gesprächen konkrete Bewerbungen ergeben, wäre das zweifellos der optimale Erfolg. Den Schulen wird anheim gestellt, die Schüler auf entsprechende Möglichkeiten vorzubereiten. 

Sabine Mix hob hervor, dass junge Menschen möglichst viele Berufe kennenlernen sollten, vor allem müsste das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten überwunden werden. Mehr als die Hälfte der Mädchen entschieden sich nur für zehn von 350 Ausbildungsberufen, darunter sei kein einziger naturwissenschaftlich-technischer Beruf, bei den Jungs kein Beruf im Bereich Hoga oder Erziehung und Pflege. Christine Schröpfer bestätigte, dass es Bestrebungen gebe, mehr Mädchen in Fachberufe zu bringen, daraus ergebe sich ein ganz anderes Miteinander im Betrieb. Andreas Mätzold betonte, dass dieser Aktionstag für Hauptschüler wichtig sei; denn sonst fehle es ihnen an Selbstbewusstsein, sie fühlten sich als „Looser im Beruf“. 

Uwe-Peter Becker hegt die Hoffnung, dass die Stadt Celle noch lange diese Aktion weiterführt. Für Becker ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler einen guten Schulabschluss machen, egal ob Haupstschule oder Realschule. Sonst seien sie animiert, immer noch weiter zur Schule zu gehen. Sabine Mix betonte: „Wir suchen Talente, um die Fachkräfte von morgen zu haben.“ Ein wichtiger Schritt dabei sei das „Speed Dating“, bei dem Zeugnisse zunächst keine Rolle spielen, entscheidend sei das Gespräch. 

Redaktion
Celler Presse





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