Kloster Wienhausen im Mittelalter: Auf den Spuren klösterlicher Textarbeit

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WIENHAUSEN. Das Archiv des Klosters Wienhausen beinhaltet zahlreiche bedeutende mittelalterliche Handschriften. Neben vielen anderen hochrangigen Kunstwerken haben sie die Veränderungen der Reformation im 16. Jahrhundert überdauert. Damals wurde aus dem um 1225 gegründeten katholischen Nonnenkloster ein evangelisches Frauenkloster – das bis heute fortbesteht.

In den letzten Jahren wurde der 128 Archivnummern und über 10000 Seiten umfassende Bestand vollständig neu verzeichnet und digitalisiert. Die Digitalisate in höchster Abbildungsqualität machen es nun erstmals möglich, die Gesamtheit der zwischen 500 und 600 Jahren alten, empfindlichen und teilweise fragilen Originaltexte nach modernen wissenschaftlichen Kriterien zu erforschen. Einige der Handschriften sind als Reste der in der Reformation verloren gegangenen Klosterbibliothek zu verstehen; sehr viele jedoch stammen aus dem berühmten „Fund im Nonnenchor“ von 1953, waren individuelle Schriftzeugnisse der Nonnen, gingen ihnen vermutlich dort verloren oder wurden von ihnen auch dort versteckt.

Privatdozentin Dr. Simone Schultz-Balluff von der Ruhruniversität Bochum besuchte im Rahmen ihrer jüngst erfolgreich abgeschlossenen Habilitation das Klosterarchiv und wurde auf die Handschriften aufmerksam. Sie initiierte das Treffen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, zu denen auch zwei Forscher von der Faculty of Medieval and Modern Languages der University of Oxford gehören und hat die inhaltliche Leitung übernommen. Schon in der Vorbereitungsphase zeichneten sich aus dem Gesamt -Textkorpus unterschiedliche Themenbereiche heraus: „Andacht, Gebet und Gesang“, „Unterricht und (Aus-)Bildung“, „Verwaltung und Kommunikation“ sowie „Diagnostizieren und Heilen“.Zu der Thematik findet ein wissenschaftliches Arbeitsgespräch im Kloster Wienhausen am 5. und 6. September 2016 statt.

Äbtissin Renate von Randow und der Archivar der Lüneburger Klöster und Mitorganisator des Arbeitsgespräches, Wolfgang Brandis, erhoffen sich dadurch weitere interessante Aufschlüsse über das Leben und die Arbeit der Nonnen des Klosters Wienhausen im Mittelalter. Geplant ist auch eine Veröffentlichung in Form eines alle Beiträge umfassenden Tagungsbandes sowie eines eher populärwissenschaftlichen Themenheftes.

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