„Feindesliebe“ beim Brückenbaufest

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CELLE. Menschen, die Straftaten begangen haben – sind sie „Nächste“ oder eher Feinde? Braucht es also aus christlicher Sicht Nächsten- oder vielmehr Feindesliebe? Und macht das in der Praxis überhaupt einen Unterschied? Um diese Fragen ging es am Dienstag beim „Brückenbaufest“, zu dem die Anlaufstelle für Inhaftierte und Haftentlassene „Projekt Brückenbau“ in Celle eingeladen hatte.

   

Annette von Pogrell, zuständig für Diakoniepolitik im Diakonischen Werk Niedersachsen, nahm Stellung dazu. Nein, als „Feinde“ mochte sie Straffällige auf keinen Fall betrachten. „Das wären für mich zum Beispiel Terroristen, die eine Grundsatzentscheidung getroffen haben, mir zu schaden. Wer das nicht tut, den sehe ich nicht als Feind an.“ Den meisten Menschen dürfe es allerdings schwer fallen, allen Straftätern im gleichen Maß mit Nächstenliebe zu begegnen. „Institutionen aber müssen das! Sie müssen dem helfen, der Hilfe braucht, egal was er getan hat.“ Darum sei Straffälligenhilfe auch so wichtig und „ureigenste Aufgabe“ der Diakonie.

Nichts für Feiglinge

Michael Kurmeier, Pastor in Celle-Neuenhäusen, sagte, Feindesliebe habe mit Schwäche nichts zu tun, im Gegenteil. Sie sei eine zuvorkommende Liebe und nichts für Feiglinge, sondern ein „Weg der Starken“, zitierte er Martin Luther King. Man könne eine solche Stärke entwickeln, „wenn ich mir einen Feind nicht zum Feind mache oder machen lasse.“
„Für mich sind die Männer im Knast einfach ‘meine Jungs’.“ Jessy James LaFleur, Spoken Word Künstlerin, näherte sich dem Thema von einer ganz anderen Seite. Sie hat in der JVA Celle einen viel beachteten Kurs in der Kunst des Poetry Slams gegeben und performte einen Text über ihre Erfahrungen in der JVA.

Antworten aus erster Hand

Das Besondere an den alljährlichen Brückenbaufesten: Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen kommen miteinander in Kontakt. Ob Politikerin, Inhaftierter, Pastor, Ehrenamtliche, Haftentlassener, JVA-Mitarbeiterin oder andere Gäste, am Grill und an den Bierzeltgarnituren kommen sie zwanglos ins Gespräch. Hier ist die Gelegenheit, einander Dinge zu fragen, die man immer schon mal wissen wollte: Wie lebt es sich als Gefangener hinter Gittern? Was macht eigentlich ein Ortsbürgermeister? Macht die Arbeit als JVA-Bedienste auch Freude? Und dann Antworten aus erster Hand zu bekommen.

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