Immer mehr Erwachsene in ADHS-Behandlung – Besonders hohe Steigerung in Niedersachsen

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HANNOVER/CELLE. ADHS ist keine Kinderkrankheit: Die Zahl der Erwachsenen, die wegen einer Aufmerksamkeitsstörung (umgangssprachlich Zappelphilipp-Syndrom) therapiert werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dies geht aus einer bundesweiten Analyse der BARMER zur Verordnung von Methylphenidat (Ritalin) hervor. „Wurde Ritalin bei Erwachsenen im Land in 2010 erst 315 Mal verordnet, waren es im vergangen Jahr bereits 1.135 Versicherte der BARMER in Niedersachsen – ein Anstieg um mehr als das Dreifache“, betont Landesgeschäftsführerin Heike Sander.

Auch in Bremen gab es eine Steigerung, von 25 auf 53 Verordnungen. Die Zahlen bewegen sich zwar auf niedrigem Niveau, doch auch hier ist der Trend eindeutig. Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS, handelt es sich im Wesentlichen um eine Funktionsstörung im Gehirn.

ADHS macht vor Erwachsenen nicht halt

Entgegen der landläufigen Meinung wachsen sich die Symptome nur bei einem Teil der betroffenen Kinder im Erwachsenenalter aus. „Viele zeigen weiterhin die typischen Symptome wie Unaufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe und sind dadurch sowohl im Beruf als auch in der Alltagsgestaltung sowie ihrem Privatleben benachteiligt“, so Sander. Auffällig: Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen seien etwa doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen.

Gibt es Unterschiede zwischen Jung und Alt?

Die Hyperaktivität bei Erwachsenen äußert sich eher in einer starken inneren Unruhe und Nervosität. Viele leiden zusätzlich unter ausgeprägten Stimmungsschwankungen und zeigen riskantes Verhalten im Straßenverkehr. Ihre beruflichen und sozialen Bindungen sind oft unbeständig. Außerdem neigen sie zu Ängsten, Depressionen, Jähzorn, Alkohol- und Drogenmissbrauch und kriminellen Handlungen. Das Hauptproblem, mit dem erwachsene Betroffene sowohl im beruflichen wie im privaten Bereich zu kämpfen haben, ist jedoch ihr unorganisierter und chaotischer Alltag. ADHS ist bei Erwachsenen deutlich schwerer zu erkennen als bei Kindern. Die Auffälligkeiten werden deshalb oft falsch interpretiert. Heike Sander mit Blick auf die Arzneimitteltherapie: „Regelmäßiger Sport und Stressbewältigungsübungen sind weitere Möglichkeiten mit der Erkrankung dauerhaft umzugehen.“

Mehr Informationen zu Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten unter: www.barmer.de/s000506

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