Ernst-Schulze-Säule an den Landkreis übergeben

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CELLE. Das 200. Todesjahr des Celler Dichters Ernst Schulze geht zu Ende. Bei einer Abschlussveranstaltung im bestens gefüllten Alten Kreistagssaal zählte der Vorsitzende der Ernst-Schulze-Gesellschaft, Lothar Haas, eine Vielzahl von Veranstaltungen auf, die aus diesem Anlass stattgefunden haben, von Lesungen über Musik zu Texten von Ernst Schulze bis zu literarischen Vorträgen. Besonders nannte er das Wandelkonzert im Park des Landkreises und die Veranstaltung „Mit Rittern und Feen in Habighorst“, bei der es ein kleines Marionettenspiel zu Ernst Schulze als Schüler gab und bei der drei Männerchöre nach Gedichten von Schulze (von Farnz Schubert bzw. Georg V. von Hannover) aufgeführt wurden. Mitveranstalter waren hier der Heimat- und Kulturverein Habighorst und BÜFE Bürger für Eschede.

Veranstaltungen anderer Träger hätten zum Jubiläum Wesentliches beigetragen, teils im Zusammenwirken mit der Ernst-Schulze-Gesellschaft. Ein Liederabend der Bibliotheksgesellschaft mit dem Bariton Dietmar Sander habe Lieder von Schubert nach Gedichten von Schulze gebracht. Oskar Ansull und Joachim Kersten hätten ihr Buch „Der junge Wohlklang“ mit Briefen und Tagebuchtexten in einer Lesung vorgestellt, und gemeinsam mit dem Künstlerverein sei ein Vortrag organisiert worden unter dem Titel: „Ernst Schulze – Was er las und was er schrieb“. Ein Singspiel nach Schulzes Versepos „Die Bezauberte Rose“ hätten das Vororchester des Gymnasiums Ernestinum und der Chor der Grundschule Eicklingen gemeinsam mit dem Vogler-Quartett bei den Celler Kindermusiktagen aufgeführt. Als im Herbst 2016 die Schulzestraße im Heesegebiet in Celle, die zunächst nur nach Ernst Schulzes Vater, dem Bürgermeister Dr. Friedrich Schulze, benannt war, auch nach dem Sohn benannt wurde, hätten Schülerinnen und Schüler des Hölty-Gymnasiums Gedichte von Ernst Schulze und eigene Gedichte unter dem Straßenschild vorgetragen. Schließlich habe das Stadtarchiv eine sehr informative und vielfältige Ernst-Schulze-Ausstellung zusammengetragen, die noch bis Ende Januar läuft.
Haas erwähnte auch die Gedenktafeln für Schulze, die jetzt restauriert worden sind, und zwei Kunstausstellungen, deren Werke sich mit Schulze auseinandersetzen. Unter dem Namen „Der Künstler im Baum“ habe sich auf Initiative von Friederike Witt-Schiedung eine Künstlergruppe neu zusammengefunden, die sich mit Ernst Schulze befasst und auch gemeinsam künstlerisch gearbeitet habe. Die beteiligten Künstler waren fast vollzählig zur Abschlussveranstaltung erschienen, und Friederike Witt-Schiedung schilderte jetzt das Zusammenwirken in freundlich-launigen Worten. Diese Ausstellung läuft noch bis Weihnachten im Kulturcafé „nebenan“ in Winsen.

Im Mittelpunkt aller Bemühungen der Ernst-Schulze-Gesellschaft hat die Ernst-Schulze-Säule am Rande des Landkreis-Parks gestanden, die viele knappe Informationen zu Schulze, seinem Werk und seiner Zeit anbietet, eine „Literaturausstellung an der Straße“, wie Haas betonte. Er beschrieb, dass in regelmäßigen Abständen neue Poster angebracht worden seien, die Schüler im Unterricht zu Schulze und zu seinen Texten gestaltet haben. Im Hinblick auf die Schulen erwähnte Haas auch, ihnen seien kostenlose Lesungen von Schulze-Texten mit einer Einführung in das Werk und mit der Wiedergabe eines Schubert-Liedes nach einem Schulze-Gedicht angeboten worden. Solche Veranstaltungen hätten nur in geringerer Zahl als erwartet stattgefunden, aber es sei noch nicht zu spät. Schülerinnen und Schüler könnten für das Werk Ernst Schulzes interessiert werden, sie müssten nur herangeführt werden.

„Wir danken allen“, so Haas, „die an den Aktivitäten diese Jahres mitgewirkt oder sie ermöglicht haben. Jetzt werden wieder mehr Menschen Texte von Ernst Schulze lesen und sich auf seine hochentwickelte Sprache einlassen.“ Die Darstellung der bisherigen Veranstaltungen schloss Lothar Haas mit einem Zitat aus der Ansprache Dietrich Klatts am 200. Todestag: „Die Stadt Celle sollte stolz sein, einen solchen Bürger hinter ihren Mauern gehabt zu haben.“ Anschließend stellte er ein Buch vor, das die Ernst-Schulze-Gesellschaft gerade herausgebracht hat und das Interessenten geschenkt bekommen können. Das Buch, so Haas, werde nicht verkauft.
Ein Geschenk bekam auch der Landkreis. Elke Haas übergab Landrat Klaus Wiswe für das Kreisarchiv ein Buch aus der Lebenszeit Ernst Schulzes, die „Hannoverschen Anzeigen des Königlich-Westphälischen Departements der Aller“ aus dem Jahr 1812. Die „Hannoverschen Anzeigen“ enthielten die amtlichen Veröffentlichungen, aber auch private Anzeigen verschiedenster Art. Sie erlauben einen hochinteressanten Einblick in die Geschichte unserer Region während der „Franzosenzeit“.

Weil das Jubiläumsjahr demnächst vorüber ist, übergab Lothar Haas – zu Saxophonklängen von Peter Missler – die Ernst-Schulze-Säule jetzt an Landrat Klaus Wiswe zur weiteren Nutzung. Wiswe dankte der Ernst-Schulze-Gesellschaft für die Säule und lobte auch die Aktivitäten im Jubiläumsjahr. Das Engagement habe viel bewegt. Der Landrat will die Säule an eine andere Stelle auf dem Grundstück des Landkreises umsetzen, möchte sie aber weiterhin als Informationsfläche für kulturelle Inhalte nutzen. Er möchte die schöne Optik der Säule mit Bezug zum Dichter Ernst Schulze dabei durchaus erhalten wissen.

Auch nach dem Ende des Jubiläumsjahres 2017 will die Ernst-Schulze-Gesellschaft aktiv bleiben. Für 2018 plant sie, in Celle Architekturentwürfe mit engem Bezug zur Literatur öffentlich auszustellen. Gerade jetzt erarbeiten 32 Architekturstudenten der Universität Hannover für ihre Bachelorprüfung Entwürfe für ein „Ernst-Schulze-Forum in Celle“. Gefordert wird ein Literatur- und Kulturhaus für Vorträge, Lesungen, Ausstellungen mit Bibliothek und Seminarräumen. Nicht nur Pläne sollen erstellt werden, auch Modelle. Es ist nicht ein reales Bauvorhaben, sondern eine Planungsaufgabe als Prüfungsleistung. „Aber“, so Haas „auch die Ergebnisse einer solchen fiktiven Aufgabe können hier Denkprozesse in Gang setzen.“

Schließlich will sich die Gesellschaft nicht mehr nur um das Werk Ernst Schulzes kümmern, sondern auch um andere Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit näherem Bezug zur Region Celle. Sie denkt z.B. an den Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Karl Goedeke, der am Bullenberg geboren wurde.

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