Leserbrief: 70.000 Euro für die Optik in die Tonne?

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CELLE. Der hier veröffentlichte Leserbrief stellt ausschließlich die Meinung des Absenders dar:

„Am Dienstag den 05. Dezember 2017 war Submission in der städtischen Bausache: Lärmschutzwand zwischen “Bremer Weg und Petersburg Straße”. (Wanderweg entlang der Bahnstrecke).

Meine massiven fachlichen Bedenken vor Submission gegen die unsinnige Ausführung hatten wir der örtlichen Zeitung bereits mitgeteilt. Das Bauvorhaben wird nun an den günstigsten Bewerber, einem Celler Holzbauunternehmen vergeben.

Meine vorgetragenen Hinweise wurden weder berücksichtigt noch anerkannt. Die Planer dieser Maßnahme stellten Bedingungen, die weder statisch, schalltechnisch noch konstruktiv realisierbar sind. Eine Korrektur oder Modifizierung wurde weder vom Ingenieurbüro noch vom Bearbeiter Straßen- und Ingenieurbau vorgenommen. In deutschen Amtsstuben werden Rückzieher von Ausschreibungen nicht geduldet, auch wenn es nach Veröffentlichung begründete Bedenken gegen fachlichen Unsinn gibt. Werten Sie selbst:

Herr Oberbürgermeister lobte aus: Wörtliches Zitat: Bauschäden: „Fehlendes Schutzgewebe auf den Schallschutzmatten (Absorptionsmatten) führte dazu, dass durch Insektenfraß und Vogelverbiss vielfach Löcher in den Mineralfasermatten vorhanden sind.“

Die Aufgabe „Instandsetzungsarbeiten (Schallschutzkonstruktion) Die Schalleintrittsseite (Vorderseite) soll durch neu aufgesetzte Lärmschutzverkleidungen so verschlossen werden, dass Vogelverbiss ausgeschlossen ist.“

Dabei wurde nicht berücksichtigt, daß die Schalleintrittsseite (Absorberfläche) von der Schallquelle aus gesehen, hinter der Schallschutzrückwand angeordnet wurde und von daher funktions- und wirkungslos ist. Eine Reduzierung der Schallimmision zur Straße „An der Leegde“ kann daher mit Absorberteilen nicht erreicht werden. Nach Kritik und Angebotsöffnung erklärte der zuständige Bearbeiter der Stadt Celle dazu in einer mail (wörtliches Zitat): „…Verbesserungen für den Lärmschutz sind nicht erforderlich. Die umzusetzende Maßnahme stellt unter technischen und wirtschaftlichen Aspekten eine angemessene Lösung dar.“ Die Lösung Vogelverbiss durch Aufdoppelung einer „Vorsatzschale“ kosten dem Celler Steuerzahler EUR 70.000,–.

… und das bei der prekären finanziellen Lage der Stadt Celle. Zitat des Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge im Internet: „Hier in Celle gibt es seit Jahren keinen ausgeglichenen Haushalt mehr. Es wurde der höchste Schuldenstand aufgebaut, den es je gab. Und – auch das muss man leider sagen – das Geld wurde dennoch mit vollen Händen ausgegeben ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein“.

Seit Merkels „weiter so“ hat das offensichtlich auch bei stark verschuldeten Kommunen System: es werden über siebzigtausend Euro ausgegeben, um eine “optische Verschönerung“ der am Bahndamm befindlichen Lärmschutzwand an einem Wanderweg zu erreichen. Der Bürger fragt sich, gibt es in Celle nicht dringlichere Aufgaben als diese Steuergeldverschwendung.

Die Verantwortlichen hätten Ihr Vorhaben auf Sinnhaftigkeit prüfen müssen und nicht einer irren Konstruktion eines Ingenieurbüros aus Hildesheim folgen. Machen Sie sich selbst ein Bild:…..

… das zeichnerische Dokument kann hier leider nicht übertragen werden…

Wanderweg zwischen Straße „An der Leegde“ und Bahndamm – Absorptionsfläche wirkungslos, da nicht erforderlich

Die weiteren Bedingungen des Auftrages sind abstrus: die Standsicherheit ist nicht nachgewiesen, die geforderte Absorptionsfähigkeit 11dB (Gruppe A4) ist bei dieser Konstruktion utopisch, Lärche Kernholz kann man nicht nach RAL imprägnieren, Nadelholz darf nicht vorgebohrt werden….

Es ist zu hoffen, daß bei der finanziellen Lage der Stadt Celle, die Verantwortlichen bald wieder zu sinnvollen und fachgerechten Planungen zurückkehren.

Hermann Hilderink
Nordhorn“

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