Jahresempfang des BDB: “Was wir aber auch brauchen, ist ein verlässliches Handeln”

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CELLE. Der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB)  ist in der Bundesrepublik der größte Berufsverband im Bauwesen mit mehr als 20.000 persönlichen Mitgliedschaften, im Land Niedersachsen ist die Ortsgruppe Celle-Uelzen der viertgrößte BDB-Landesverband. Zur guten Tradition gehört es, anfangs eines Jahres zum Empfang einzuladen. Das Celler Schloss bot hierbei wieder einmal einen würdigen Rahmen. Der Einladung waren auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gäste gefolgt.

Der BDB ist in allen 16 Bundesländern mit 225 Bezirksgruppen vertreten und garantiert dadurch Basisnähe und eine flächendeckende Präsenz über das gesamte Bundesgebiet. Mitglieder im Verband sind freischaffende, angestellte und beamtete Architekten und Ingenieure, Unternehmer und Studenten. Diese Verbandsstruktur ist für viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft ein eindeutiges Argument, die Auseinandersetzung mit dem BDB zu suchen und seinen Rat einzuholen.

Die Bezirksgruppe Celle wurde am 30. April 1952 im Historischen Ratskeller von 13 Bauschaffenden gegründet und begann sofort mit einem aktiven Programm für alle Mitglieder. Neben berufspolitischen und fachlichen Veranstaltungen wurde auch das gesellschaftliche Zusammensein gepflegt und die Mitgliederzahl wuchs ständig im Laufe der Jahre. Zum weiteren wurde Ende der 80 Jahre ein Freundeskreis der Bezirksgruppe Celle-Uelzen gebildet, indem sich weitere Bauschaffende – die nach Satzung des BDB nicht Mitglieder des Verbandes werden können – zusammengeschlossen haben. Diesem Freundeskreis gehören aktuell  29 Personen aus der gesamten Bauwirtschaft an.

Regelmäßige Veranstaltungen werden vom Vorstand der Bezirksgruppe Celle-Uelzen vorbereitet und durchgeführt. Diese Veranstaltungen haben einen berufspolitischen, aber auch gesellschaftlichen Charakter. Die Akzeptanz der angebotenen Veranstaltungen kann als sehr gut bezeichnet werden.

Die Bezirksgruppe Celle-Uelzen versteht sich als Vermittler der Bauschaffenden zu Behörden und Institutionen und versucht in der Region für die Bauwirtschaft ein gutes Ohr zu erzielen. Die ganze Verbandsarbeit wird auf ehrenamtlicher Basis vollbracht. Von 1980 bis 2012 war Dipl. Ing. Uve Kühl Vorsitzender der Bezirksgruppe Celle-Uelzen, der nebenbei auch von 1992 bis 2011 die Geschicke des Landesverbandes geleitet hat. Seit 2012 ist sein langjähriger Mitstreiter, Dipl.-Ing. Hans-Dietrich Hagen, Erster Vorsitzender der Bezirksgruppe.

Viele überregionale Veranstaltungen wurden in Celle durchgeführt, neben einigen Bundesreferatssitzungen, zwei Landesverbandstagen 1972 und 1992 war die Durchführung des Deutschen Baumeistertages im Jahre 1999 in der Celler Congress Union der Höhepunkt für die aktive Bezirksgruppe Celle-Uelzen.

Traditionelle Veranstaltungen der Bezirksgruppe sind auf der einen Seite der Berufspolitische Aschermittwoch, auf dem regionale Themen mit verantwortlichen Personen besprochen oder im Rahmen von Podiumsdiskussionen abgehandelt werden. Zum anderen ist der Neujahrsempfang der Bezirksgruppe Celle-Uelzen mit dem Besuch des Celler Schlosstheaters ein weiteres High Light im Laufe des Verbandsjahres. Zu dieser Veranstaltung kommen seit 20 Jahren fast immer 300 Personen aus ganz Deutschland aus der Politik, Verbänden und Vereinen um die Schönheiten Celles zu erkennen und um der Bezirksgruppe Celle-Uelzen ihre Referenz zu erweisen.

Auch in diesem Jahr kamen die Gäste in den Genuss der schauspielerischen Kunst des Schlosstheaters. Die Gäste des BDB konnten sich diesmal am Musical “Cabaret” von Joe Masteroff und John Kander und den Gesangstexte von Fred Ebb erfreuen, bevor es zum anschließenden Empfang in den Rittersaal ging.

 

Begrüßungsrede des Vorsitzenden Hans-Dietrich Hagen:

Meine sehr verehrten Damen, meine sehr geehrten Herren,
sehr geschätzte Stammgäste, liebe BDB-Familie aus nah und fern.

Ich heiße Sie alle in unserem Celler Schlosstheater herzlich willkommen, zu unserem nun schon 22. Jahresempfang der Bezirksgruppe Celle und Uelzen vom Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure.

Ich wünsche ihnen und ihren Familien ein gesegnetes friedvolles neues Jahr, vor allem Gesundheit und den Aktiven viel Erfolg und Anerkennung im Beruf.

Haben Sie bitte ein Nachsehen, dass ich Sie nicht alle namentlich begrüße. Fühlen Sie sich alle mit unserer Gästeliste persönlich begrüßt.

Stellvertretend für alle Gäste begrüße ich ganz herzlich Dr. Jörg Nigge, unseren Oberbürgermeister der Stadt Celle. Und stellvertretend für unsere große BDB-Familie begrüße ich Christoph Schild, unseren neuen BDB-Vizepräsidenten und gleichzeitigem Vorsitzenden vom BDB-Landesverband Niedersachsen und seine liebe Frau. Unser Präsident Hans-Georg Wagner bedauert es außerordentlich, heute nicht dabei zu sein und lässt Sie alle herzlich grüßen.

Grüße erreichten uns vom Umwelt-Minister Olaf Lies von der niedersächsischen Landesregierung und von Helmut Zenker, dem Präsidenten vom BDB-Landesverband Baden-Württemberg.

Unser Einzugsgebiet reicht heute Abend von Schleswig-Holstein bis Bayern und Rheinland-Pfalz und von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis Nordrhein-Westfalen. Ich glaube, darauf können wir ein wenig stolz sein.

Ich wünsche unserem Berufsverband, dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure mit allen BDB-Bezirksgruppen alles Gute und den so notwendigen Nachwuchs, damit auch in Zukunft unsere harmonische BDB-Baufamilie Bestand haben kann.

Ein herzlicher Dank gilt unseren Sponsoren. Nur durch ihre freundliche Unterstützung ist unser Jahresempfang in der gewohnten Durchführung möglich. Dafür gebührt Ihnen unser herzlichster Dank.

Mein persönlicher Dank gilt Ihnen allen, denn nur durch ihre treue Teilnahme und Werbung kann unser Jahresempfang im Celler Schloss auch zukünftig bei vollem Haus Bestand haben.

Ich möchte eine liebgewordene Tradition fortführen und gemeinnützigen Gruppen unseren Dank stellvertretend für alle Ehrenamtlichen aussprechen. Heute gilt unser Dank einer Delegation vom THW, dem Technischen Hilfswerk vom Ortsverband Celle. Vorbildlich ist Ihre Jugendarbeit, indem Sie Jugendliche in spielerischer Form für die Technik begeistern und schon frühzeitig die Verantwortung für unsere Gesellschaft fördern.

Ganz besonders danken möchte ich auch den Ehrenamtlichen der Freiwilligenagentur KELLU. Mit Ihrem Netzwerk leisten Sie Großartiges in allen Bereichen, treu ihrem Motto: Freiwilliges Engagement ist der soziale Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält. Ihr Wirken verleiht der Stadt Celle Lebenswert. Schön, dass Sie heute unsere Gäste sind.

Hiermit möchte ich mit meiner Begrüßung enden und Ihnen einen schönen Abend unter Freunden und Bekannten wünschen und freue mich nun mit Ihnen auf die Neujahrsrede von unserem sehr geschätzten BDB-Landesvorsitzenden von Niedersachsen, BDB-Vizepräsident Christoph Schild.

Neujahrsrede von Christoph Schild, Landesvorsitzender BDB Niedersachsen:

Willkommen – bienvenue – welcome! Mit dieser dreisprachigen Begrüßung lockte der Conférencier die Zuschauer in den Trubel seines berüchtigten Kit Cat Clubs… Bevor dieser hier heute auf der Bühne seine Türen öffnet möchte ich ihnen sowohl vom BDB Landesverband, als auch vom BDB Bundesverband ganz herzliche Grüße überbringen, insbesondere natürlich von unserem P. H.G. Wagner!

In dieser Woche bekam ich von H.D.Hagen die Teilnehmerliste für den heutigen Abend zugesandt und war wieder einmal beeindruckt.Auf die Schnelle sah ich darauf den OB, den Baustadtrat, vier Bürgermeister, 2 Bundestagsabgeordnete, den Amtsleiter des SB-LH, die Vizepräsidentin von der IngK, den Vizepräsident BDB, einen ehemaligen Vizepräsidenten BDB, 7 amtierende BDB Landesvorsitzende und mit Dir H.D. mindestens 8 BDB Bezirksgruppenvorsitzende, aus NDS, S-A, Thüringen, bis nach München sowie viele viele interessante Menschen von nah und fern…

Lieber Hans-Dietrich, wenn wir hier heute nicht im Kit kat Club „Cabaret“ lauschen würden, sondern bei Dalli Dalli wären, hätte Hans Rosentahl oder jetzt Kai Pflaume gesagt, „sie sind der Meinung das ist … Spitze…!“

Als Gäste können wir genießen, was die BG-Celle wieder so hervorragend organisiert hat. Dafür ein großes und herzliches Dankeschön…!

Um bei „Dalli Dalli“ zu bleiben, gibt es natürlich aus der Sicht des BDB als Verband von Architekten und Ingenieuren viele Situationen und Entwicklungen, die so ganz und gar nicht Spitze sind. So hat die europäische Kommission im Rahmen des Vertragsverletzungsverfahrens gegen die HOAI, bzw. die gegen BR-Deut , im vergangenen Jahr Klage am Europäischen Gerichtshof erhoben. Die Richter in Den Haaag werden jetzt also darüber befinden, ob die Architekten und Ingenieure in Deutschland weiterhin eine Honorarordnung haben werden. Vor Gericht und auf hoher See ist man bekanntlich in Gottes Hand…

Wir können jetzt nur noch hoffen, dass die Bundesregierung unsere Interessen gut vertreten wird. Denn eines ist klar, ein Scheitern würde die freiberuflichen Planungsleistungen des Bauwesens in den Preiswettkampf treiben.

Die mittelständische Struktur der Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland würde durch große Büros verdrängt werden und die Qualität des Bauens unter dem Preiswettkampf massiv leiden. Der Verbraucher wäre letztendlich der Leittragende, der Verlierer dieser Situation

So ganz und gar nicht Spitze ist auch die Tatsache, dass Deutschland es immer noch nicht geschafft hat, seine Infrastruktur für die kommenden Herausforderungen fit zu machen.Wir leben sozusagen von der Substanz und bei einer Steigerung des BIP von über zwei Prozent könnte man ja auch meinen, alles wäre so ok.

Unsere guten Zahlen gründen sich jedoch auf die Ideen, den Planungen, den Anlagen, den Konzepten von gestern und vorgestern, die dazu oftmals nicht gepflegt und erneuert wurden.

Das gilt für Datenkabel genauso wie für Stromnetze, für Straßen, für Brücken, für Schulen, für Bahnhöfe und auch für Flughäfen ohne dabei speziell nach Berlin blicken zu wollen… Wenn wir jetzt nur an das Verdienen von heute denken, werden wir die Verlierer von Morgen sein…! Das gilt übrigens für das Bauwesen genauso wie für die Automobilindustrie.

Ab 2020 rechnen die Experten mit den ersten Einsätzen von autonomen Elektrofahrzeugen die dann durch unsere Smart Citys fahren. Toyoter hat gerade sein „E-Palette“ auf der Hightech Messe CES in Las Vegas vorgestellt. Das ist kein schicker Bulli mehr sondern ein fahrender multifunktionaler Carboncontainer mit vier Rädern, der Waren und Menschen vom Smartphone geordert und gemietet autonom von A nach B bringt. Das Auto als Status ist genauso von gestern, wie Notwendigkeit von Millionen von Arbeitskräften um diese Autos für die Welt zu bauen.

Nur ein Bruchteil unserer heutigen Wertschöpfung unseres Wohlstandes in Deutschland basiert auf den Ideen von Morgen.

Wenn wir jetzt selbstzufrieden feiern, wenn wir jetzt sagen weiter so obwohl der Wandel schon spürbar ist, verschließen wir die Augen genauso vor der Zukunft wie die Tänzerin Sally Bowles im Berliner Kit Kat Club.

In der Politik wie in der Wirtschaft brauchen wir mehr Mut und Leidenschaft für Veränderungen. Die Schuldenbremse, die Meinungsumfragen und der Hang zum Machterhalt dürfen nicht zum Stillstand in diesem Land führen. Auf Absichtserklärungen und dazu gehören auch Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen, muss ein verlässliches und zügiges Handeln erfolgen. Wenn sich dieses jedoch eher an dem Tempo der Nacktschnecke auf dem bröckelnden Asphalt orientiert, verlieren die Menschen das Vertrauen in die Dinge. Beim Tempo kommt es natürlich auch wesentlich auf die Rahmenbedingungen an. So müssen wir es z.B. endlich schaffen, von durchschnittlichen Baugenehmigungszeiten von weit über 100 Tagen wegzukommen. So etwas kann die Politik übrigens auch als Anspruch in den Landesbauordnungen festlegen.

Die Novellierung der NBauO in 2017 konzentrierte sich jedoch auf den Wegfall der Baugenehmigungspflicht für mobile Hühnerstelle. Neben der Bauordnung sind natürlich auch die Bedingungen in den öffentlichen Bauverwaltungen so zu gestalten, dass diese den Ansprüchen an ihre Arbeit auch gerecht werden können. Es bedarf genügender Stellen, die finanziell so ausgestattet sind, dass sie auch in einer Hochkonjunktur gut besetzt werden können.

Das gilt übrigens für kommunale Bauverwaltungen genauso wie für die Bauverwaltungen der Länder. Trotz guter wirtschaftlicher Zahlen und der Entwicklung am Arbeitsmarkt ist eine weitere Entwicklung im Baubereich ganz und gar nicht Spitze. Immer mehr Menschen drängen in die Städte und immer weniger Menschen finden dort bezahlbaren Wohnraum. Dies gilt übrigens nicht nur für die Geringverdiener sondern zunehmend auch für die Mittelschicht. Für Krankenschwestern, für Polizisten, für Erzieher…

Gab es in Deutschland 1987 noch 3,9 Millionen Sozialwohnungen, waren es 2015 nur noch 1,3 Millionen. Deutschland braucht in den kommenden Jahren 400.000 neue Wohnungen jährlich, von denen mindestens 80.000 Sozialwohnungen sein müssen. Wohnungsnot ist in unserem Land zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die natürlich auch zu gesellschaftlichen Konflikten führen kann. Die Politik hat dies erkannt und die aktuellen Sondierungsergebnisse in Berlin haben auch unsere Forderungen nach einem längeren Engagement des Bundes beim Wohnungsbau und steuerlichen Erleichterungen für den privaten Wohnungsbau aufgenommen. Was wir aber auch brauchen, ist ein verlässliches Handeln, ein Machen, ein Tun…

Die Architekten und Ingenieure des BDB stehen hierfür bereit; gleichzeitig verwenden jedoch viele Bundesländer die Fördermittel des Bundes zur Konsolidierung ihrer Haushalte und nicht zur Förderung des Wohnungsbaus wie vom Bund vorgesehen. Hier brauchen wir unbedingt eine Zweckbindung. Außerdem nutzten viel zu wenige Städte aktiv die Instrumente ihrer Bauleitplanung zur Förderung des bezahlbaren Mietwohnungsbaus.

Die Neuüberplanung größerer städtischer Flächen für das Wohnen, sollte immer einen festen Anteil für den Mietwohnungsbau festschreiben. Dies ist so möglich und das haben die Verwaltungsgerichte auch bestätigt. Als übrigens in den 20er Jahren im Berliner Kit Kat Club oder auch im Tingel Tangel gefeiert wurde, hatten viele Menschen im Land gar nichts zu feiern. Sie waren die leittragenden der wirtschaftlichen Entwicklungen und hohen Arbeitslosigkeit. Sie waren verführbar, weil sie das Vertrauen an die Dinge verloren hatten. Sie fühlten sich abgehängt, allein gelassen heimatlos.

Wie wir wissen, kam dann jemand, gab ihn eine Heimat und sie folgten ihm ins Verderben. Meine sehr verehrten Damen und Herren, dass Bauen ist nicht nur einer der prägendsten Bestandteile unserer Gesellschaft, es ist auch ein wesentlicher Motor und eine Klammer, die sie zusammenhält.

Lassen Sie uns deswegen alles Mögliche dafür tun, dass das Bauen ein standhaftes Fundament für den Fortschritt, den Wohlstand und den sozialen Frieden in unserem Land sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihren Familien, Büros und Unternehmen, ein friedvolles, gesundes und erfolgreiches neues Jahr…! Willkommen – bienvenue – welcome beim BDB…! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit…!

Redaktion
Celler Presse

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