Europawoche am Ernestinum: Ehemaliger Celler Oberbürgermeister Martin Biermann hält flammendes Plädoyer für Europa

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CELLE. Einen besonderen Gast mit einer besonderen Botschaft hatten die Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase zum Abschluss der offiziellen Europa-Woche. Martin Biermann, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Celle, erläuterte hier, warum er es so wichtig findet, für ein vereintes Europa zu kämpfen.

Möglich wurde dieses Treffen, nachdem Schulleiter Johannes Habekost zu Gast bei der Bewegung Pulse of Europe war und dort die besonderen Angebote und Konzepte des Ernestinums als zertifizierte Europaschule in Niedersachsen vorstellte. Gemeinsam wurde angeregt, durch Begegnungen mit sogenannten Zeitzeugen des europäischen Einigungsprozesses den Jugendlichen Europa lebendig und erfahrbar zu machen.

„73 Jahre Frieden, das hat es zuvor in Europa nie gegeben. Das allein ist schon ein Grund, für eine starke EU zu sein!“, so Biermann gegenüber den Ernestinern. Dass dieses Bekenntnis zu Europa heutzutage nicht selbstverständlich ist, sei spürbar. In einigen Mitgliedsländern seien Parteien an der Macht, die – ähnlich der „America First“-Mentalität – nationale Interessen immer mehr in den Vordergrund stellen. Auch in Deutschland werde zuweilen vergessen, wie sehr wir von unserer EU-Mitgliedschaft profitieren und wie wenig wir letztendlich dafür investieren. Der Euro als gemeinsame Währung etwa sei nicht nur die inner-europäische Freihandelsgarantie und sichere damit den deutschen Exporterfolg. Er sei durch die Vergemeinschaftung der Geldpolitik sogar auch eine Friedensgarantie.

Damit die EU weiter zusammenhält, muss das gemeinsame Wertegerüst von allen getragen werden. Dies bedeute allerdings nicht, dass alle Staaten gleich oder gleich stark sein müssten. Biermann führte die Regeln einer Familiengemeinschaft an: Toleranz und unbedingt Solidarität seien notwendig, gerade in Krisenzeiten. „Das ist doch nicht anders als in unserem eigenen Land: Wer käme denn darauf, Berlin aus unserer Solidargemeinschaft Bundesrepublik Deutschland „rauszuwerfen“ nur weil es so verschuldet ist?“ Auch innerhalb der EU müsse es selbstverständlich sein und bleiben, Partnern in schwierigen Zeiten beizustehen.

Eine friedliche und erfolgreiche europäische Zukunft sei kein Selbstläufer, betonte Biermann. „Engagieren Sie sich! Es ist Ihre Zukunft!“ So lautete sein eindringlicher Appell an die Schülerinnen und Schüler. Pulse of Europe sei z.B. eine Möglichkeit, sich zusammen mit Gleichgesinnten für ein starkes Europa, für Grund- und Freiheitsrechte und gegen Ausgrenzung einzusetzen. Die Jugend sollte hier eigene Ideen einbringen.

Und, so Biermann, warum eigentlich nicht mal eine europäische Mannschaft bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft? Vereinigte Staaten von Europa? Warum eigentlich nicht?

PR
Foto: Maren Kranz