„Neue Mitte“-Planungen auf dem Prüfstand

WIETZE. Die Arbeiten an der Detailplanung zur Gestaltung der sog. „Neuen Mitte“ in Wietze durchlaufen derzeit ein wichtiges Stadium. Der geplante Neubau eines Rathauses und der Umbau des leer stehenden ehemaligen Realschultraktes zu einem als Multifunktionsgebäude umgestalteten Bürgerhaus gestalten sich immer mehr zu einem Spiel mit offenem Ausgang. „Die Detailplanungen entfernen sich immer weiter von dem in allen Fraktionen gemeinsam getragenen Ursprungskonzept mit der Schaffung eines Ortszentrums rund um ein neu zu planendes Rathaus“, so Grünen-Fraktionsvorsitzender Claus-F. Schrader.

Baugelände für „Neue Mitte Wietze“ mit Darre an der Steinförder Straße

Deutlich wird diese Entwicklung vor dem Hintergrund verschiedener Abläufe im Bau-Genehmigungsverfahren: Der ursprünglich vorgesehene, bereits über 50 Jahre bestehende Bebauungsplan „Darre-Rathe-Erweiterung“, kann für die Baumaßnahmen zur „Neuen Mitte“ nicht angepasst werden. Stattdessen wurde ein neuer B-Plan erforderlich. Mit seiner Genehmigung verliert der bestehende B-Plan seine Gültigkeit. Ob im Verfahren zeitliche Verzögerungen auftreten können, ist zumindest unklar, so die Meinung in der Grünen-Gemeinderatsfraktion.

Im Zuge der Aufstellungsberatungen des Rates zum neuen B-Plan kam es zu Diskussionen über die Erhaltungswürdigkeit verschiedener markanter Bäume auf dem Grundstück. Der Landschaftsplaner und die Verwaltung möchten sich auf den Erhalt von zwei oder drei Eichen beschränken. Die Grünen-Fraktion schlägt außerdem den Erhalt einer ortsbildprägenden Douglasie an der Steinförder Straße vor. Im Augenblick kann allerdings nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, ob die Douglasie eventuell dem geplanten Rathausneubau behindern würde. Der Gemeinderat hat aus diesem Grund eine nochmalige Überprüfung des Baumstandortes und eine Suche nach möglichen alternativen Lösungen ins Auge gefasst.

Dass in der zum Abriss vorgesehenen alten Darre ein Sommerquartier von nach Naturschutzgesetz streng geschützten Fledermäusen entdeckt wurde, ist der Aufmerksamkeit des planenden Landschaftsarchitekten zu verdanken. In Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden konnte von der Verwaltung ein, vom Gemeinderat mitgetragenes, Konzept entwickelt werden, das davon ausgeht, dass die Fledermäuse bei ihrer Rückkehr im Frühjahr aus ihrem Winterquartier Ersatzquartiere in unmittelbarer Nachbarschaft vorfinden werden. Einem Abriss der Darre während des Winters stünde dann nichts mehr im Wege.

Dass die Anzahl fehlender Parkplätze am Rathaus in Vorgesprächen von der Baugenehmigungsbehörde beim Landkreis bemängelt wurde, löste im Gemeinderat und seinen Ausschüssen Diskussionen und Unverständnis aus. Dennoch musste die Verwaltung sich dazu entschließen, ein an der Westseite des Plangrundstückes für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung vorgesehenes Teilstück zu „opfern“, um den Bau von ca. zwanzig zusätzlichen Parkplätzen zu ermöglichen. Eine ursprünglich vorgesehene Wohnbebauung wird es an dieser Stelle nicht geben. Die verbleibende Restfläche reicht gerade für die vorgesehene Gewerbeansiedlung noch aus. Die Zustimmung zu dieser Planänderung ist allen Fraktionen sichtlich schwer gefallen. Lothar Müller aus der Grünen-Fraktion nennt es: „Entweder – oder!“ Entweder ihr folgt den Wünschen der Baugenehmigungsbehörde oder ihr scheitert mit euren Planungen. „Also hat unsere Fraktion sich entschlossen, im Interesse des von ihr befürworteten Gesamtkonzeptes, der Änderung im neuen B-Plan zuzustimmen.“

Dass die Planungen zur „Neuen Mitte“ auch Fragen nach der Zukunft des alten Rathauses auslösen ist nicht so neu. Antworten auf Fragen von Ratsmitgliedern in dieser Richtung ist Bürgermeister Klußmann bisher immer beharrlich ausgewichen. Diese Woche allerdings konnten die Ratsmitglieder aus einer Zeitungsmeldung erfahren, welche zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten er sich für das alte Verwaltungsgebäude eventuell vorstellen kann. Für die Grünen-Fraktionsmitglieder ist diese exklusive Meinungsäußerung gegenüber einem Presseorgan, ohne vorherige Information der Ratsgremien, ein nicht hinnehmbarer Vorgang. „Wer interne Informationen aus seinem Arbeitsbereich der Presse und damit der Öffentlichkeit bekannt macht, ohne sie vorher dem Gemeinderat oder seinen Ausschüssen vorzutragen, trägt nicht zur Vertrauensbildung zwischen Gemeinderatsmitgliedern und Verwaltung bei“.

PR
Foto: Claus-F. Schrader

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