Distelfalter auf „Deutschlandtour“ – Ungewöhnliches Naturschauspiel in der gesamten Region zu beobachten / NABU bittet um Meldungen

CELLE/UELZEN/LÜCHOW/LÜNEBURG. Ganz gegen den Trend zeigt sich eine Schmetterlingsart dieses Jahr besonders häufig: Der farbenprächtige Distelfalter wurde beim „Insektensommer“ des NABU dreimal so oft gesehen wie 2018. Grund ist ein Masseneinflug aus dem Süden. Denn, obwohl er als einer der wenigen Schmetterlingsarten fast auf dem ganzen Erdball verbreitet ist, verträgt er keinen Frost. Jedes Frühjahr wandern die Distelfalter deshalb mehrere Tausend Kilometer neu aus dem Süden ein, mal sind es mehr, mal weniger. So können innerhalb von einer Stunde manchmal einige Dutzend, oder aber auch hunderte Tiere beobachtet werden.

Der diesjährige Einflug nach Europa konzentrierte sich auf eine östliche Route über Israel, Zypern und den Balkan. Folglich traten die Distelfalter auch bei uns zunächst im Osten auf. Viele zogen nach Norden und Westen weiter, ab ungefähr 10. Juni wurden auch die Küste und Niedersachsen stark beflogen. Ihre lange Reise sieht man den Tieren an, die zarten Flügel sind dann stark zerzaust und wirken blass.

Auch in der Region Heide-Wendland können die Falter momentan vermehrt beobachtet werden. Der NABU-Schmetterlingsexperte und Biologe Carsten Heinecke führt das darauf zurück, dass die Bedingungen für die Raupenentwicklung in Nordafrika in diesem Jahr sehr gut waren. „Die Distelfalter lassen sich besonders an Stellen mit reichem, duftendem Blütenangebot beobachten“, führt Heinecke aus. „Es sind im Moment vor allem blühende Ligusterhecken.“

Bald legen die Distelfalter ihre Eier ab, die nächste Generation schlüpft in den kommenden Wochen. Im Spätsommer ziehen diese Falter dann wieder nach Süden. Naturfreunde haben also noch einige Wochen Gelegenheit, Distelfalter zu beobachten. Der NABU und sein Partner naturgucker.de wollen dies nutzen, um mehr Informationen über die Falter zu gewinnen. Unter www.NABU.de/Distelfalter können Sichtungen von Distelfaltern aktuell gemeldet werden, dort gibt es auch weitere Informationen zur Aktion. So wird man nicht nur Zeuge eines faszinierenden Naturschauspiels, sondern hilft auch mit, es zu dokumentieren.

Hintergrund

Nicht alle Details der Distelfalter-Wanderflüge sind bereits erforscht. Fest steht, dass der Zyklus über mehrere Generationen besteht. Viele Distelfalter überwintern in der afrikanischen Sahelzone südlich der Sahara sowie auf der Arabischen Halbinsel. Von dort aus fliegen sie ans Mittelmeer, wo sich die nächste Generation bildet. Diese zweite Generation bricht weiter nach Norden auf und erreicht Mitteleuropa, aber auch Skandinavien und das Baltikum. Manchmal fliegen die Falter nonstop in einer Generation von Afrika und dem Nahen Osten bis zu uns.

Wer an der bundesweiten NABU-Zählaktion „Insektensommer“ teilnehmen möchte, sollte sich den Zeitraum vom 02. bis zum 11. August 2019 merken, dann geht der Insektensommer in die zweite Runde – Näheres unter insektensommer.de

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Foto: Britta Raabe

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