Gedenken an Peter Deutschmann

ESCHEDE. Am 09.08.1999 wurde Peter Deutschmann brutal überfallen und getötet. Deutschmann hatte sich zuvor gegen Marco S. (18) und Johannes K. (17) zur Wehr verbal zur Wehr setzen müssen – die Wut der beiden Neonazis ließ nicht lange auf sich warten. Brutal wurde Deutschmann von den beiden Tätern misshandelt, sodass er später an den Folgen verstarb. 20 Jahre liegt dieser Vorfall zurück und Eschede hat am Samstag zum 20. Todestag an dieses schreckliche Ereignis erinnert.

Vor der Evangelischen Johanniskirche versammelten sich am Samstag Trauergäste zu einer Gedenkveranstaltung für Peter Deutschmann. Hier steht auch der Gedenkstein Peter Deutschmanns, der an seinen gewaltsamen Tod erinnern soll.

Peter Deutschmann
9.7.1955 bis 10.8.1999

Mit Kerzen, Blumen und einem Gesteck gedachten die Anwesenden des damals 44-jährigen Peter Deutschmann. Das unfassbare Geschehnis, dass Deutschmann von den damaligen Neonazis Marco S. und Johannes K. aufgrund einer Lappalie misshandelt und gefoltert wurde, erschüttert noch heute die Gemüter. Er wurde geschlagen, mit Scherben gefoltert und, damit Deutschmann nicht doch noch Hilfe rufen konnte, hatten die Täter das Telefon zerstört. Nach ihrer Flucht wurden Nachbarn auf Deutschmann aufmerksam, doch jede Rettung kam zu spät. Im Krankenhaus verstarb er an seinen schweren Verletzungen. Im Jahr 2000 verurteilte das Landgericht Lüneburg die Täter wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu je einer fünfjährigen Jugendstrafe.

Die örtliche Pastorin Franziska Baden begrüßte am Samstag alle zu dieser Gedenkveranstaltung gekommenen Besucherinnen und Besucher. „Gedenken, damit wir nicht vergessen. Damit erinnern wir an alle Opfer von Gewalt“, eröffnete Baden die Veranstaltung. Kerzen zierten den Gedenkstein Peter Deutschmanns und ein Blumengesteck wurde niedergelegt. Bürgermeisterin Stephanie Bölke erinnerte auf eine etwas andere Weise an das Geschehnis. Bölke hatte im Bürgerbüro der Stadt Celle selbst mit der Tochter Deutschmanns zusammengearbeitet. Die Tochter habe sich zu Beginn auch noch beim Arbeitskreis in Eschede engagiert, zog sich dann aber wieder zurück, weil sie durch die Arbeit stets mit dem grausamen Tod ihres Vaters konfrontiert wurde. Die Bürgermeisterin bezeichnet die Tat als heimtückisch und sinnlos, mahnt zugleich, dass die Menschen nicht zum Hassen geboren wurden. Bölke würde sich freuen, wenn wir alle Respekt voreinander hätten. Zugleich blickt sie auf die aktuellen Geschehnisse auf dem Hof Nahtz und die Treffen der ewig Gestrigen. Nach einer Schweigeminute trat der ehemalige Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß vor die Anwesenden und zeigte in seiner Rede beängstigende Parallelen zur Entwicklung der Gesellschaft in der heutigen Zeit. Es ist Manneke wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sich an dieses schreckliche Ereignis erinnern – erinnern müssen. Dies ist eine Warnung, dass sich solch eine Tat nicht wiederhole. Manneke erinnerte sich an die Zeit des Überfalls auf Deutschmann, denn Mannecke selbst war vor Ort in Eschede die Urlaubsvertretung. Manneke erinnerte daran, dass die aufgewühlten Escheder sich zu einer Gedenkfeier trafen und zeitgleich vor dem Gebäude Nazis demonstrierten.

Johannes K. hatte sich im Gefängnis gewandelt, kehrte der rechten Szene den Rücken zu und wandte sich der Theologie zu. In einem Buch „Vom Saulus zum Paulus: Skinhead, Gewalttäter, Pastor – meine drei Leben“ verarbeitete er nicht nur die Geschehnisse, sondern berichtete auch von seiner Läuterung, berichtet Manneke.
Marco S. hingegen rutschte während und nach seiner Haftstrafe noch tiefer in die niedersächsische Neonaziszene. In der „Kerkerkameradschaft Hameln“ hielt er sich an den Straftäter Marcus W.. Nach seiner Haftstrafe liefen in nur wenigen Jahren 57 neue Ermittlungsverfahren gegen S.. Manneke teilte aber auch mit, dass S. nun auch aus der rechten Szene ausgestiegen ist und an einem Aussteigerprogramm teilnimmt.

Ende gut, alles gut?
Nein.
Wilfried Manneke mahnte, dass es seit der Wiedervereinigung insgesamt 196 bekannte Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland gab. Er kritisierte, dass die Gerichte die rechte Gesinnung und zugleich die Motive der Taten gar nicht, oder nur wiederwillig anerkennen. Zu zaghaft spreche man von „Rechts-Terrorismus“ und verschweige lieber die Thematik.

„Die Hetze ist in unserer heutigen Zeit entfesselt“, betont Manneke, doch er unterstrich auch, dass es Mut und Widerspruch geben müsse.

Um den Menschen wieder Mut zu machen, müsse genau dieser Widerstand und die Courage honoriert werden. In Erinnerung an Deutschmanns Tod sollte man ein Mut machendes großes Denkmal in prominenter Lage aufstellen und Menschen würdigen, die sich gegen rechte Hetze und Taten stellen. Manneke sprach sich im Namen des Netzwerks Südheide für einen Preis für Zivilcourage aus. Man könne ihn auch als Peter-Deutschmann-Preis benennen.

Im Anschluss trug Marlies Petersen ein eindringliches Gedicht Paul Reichs vor. Reich konnte leider am Samstag nicht persönlich anwesend sein. Mit dem Vortrag verlieh ihm Petersen jedoch eine Stimme der Erinnerung und der Trauer.

Redaktion
Celler Presse

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