#UNsichtbar – Belange der Menschen mit Beeinträchtigung werden nicht ausreichend bedacht

CELLE. Im Moment erleben alle, wie es ist, wenn das gesellschaftliche Leben eingeschränkt ist. Mal eben ins Kino? Nicht möglich. Kaffee und Kuchen im neuen Café um die Ecke genießen? Leider kein geeigneter Sitzbereich vorhanden. Für Menschen mit Beeinträchtigung ist das oft Alltag; in vielen Lebensbereichen werden sie durch Barrieren behindert und in ihrer Freiheit eingeschränkt.

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung, der jährlich am 5. Mai begangen wird, möchte die Lebenshilfe Celle auf die Situation von Menschen mit Beeinträchtigung während der Corona-Pandemie aufmerksam machen. Denn gerade in der aktuellen Krise wird deutlich, dass Inklusion noch lange nicht erreicht ist und Barrierefreiheit selten mitgedacht wird. So sind wichtige Informationen über die Pandemie zum Beispiel oft nicht barrierefrei.

Im öffentlichen Diskurs werden Menschen mit Beeinträchtigung zudem oft nicht als vollwertige (und produktive!) Mitglieder der Gesellschaft gesehen, sondern als schutzbedürftig oder sogar „krank“. Das steht im direkten Gegensatz zu der selbstbestimmten Teilhabe und Inklusion, wie sie in der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird.

Große finanzielle Unsicherheit:

Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung (WfbM) können zurzeit aufgrund von Betretungs- und Beschäftigungsverboten ihre Produktion gar nicht oder nur kaum aufrechterhalten. Um die Entgelte für die dort beschäftigten Menschen mit Beeinträchtigung, die seit Wochen zu Hause bleiben müssen, weiter zahlen zu können, müssen die WfbM auf ihre Rücklagen zurückgreifen. Dabei ist es ihnen als gemeinnützige Unternehmen gar nicht gestattet, große Rücklagen zu bilden.

Die Möglichkeiten für eine Entschädigung nach § 56 IfSG werden weiterhin von den zuständigen Behörden abgelehnt. Während der Gesetzgeber für alle Unternehmen und Angestellten nach Lösungen sucht, um deren Einkommen bzw. deren Existenz sicherzustellen, werden Menschen mit Beeinträchtigung durch mehrere Länderbehörden sogar explizit von Möglichkeiten der Absicherung ausgeschlossen. Ein Ausfall der Entgelte würde für die betroffenen Menschen jedoch schon in kürzester Zeit zu großen finanziellen Problemen führen.

Eltern und Angehörige werden allein gelassen:

Durch die Schließung von Kindertagesstäten, Tagesbildungsstätten und WfbM hat sich die Betreuungssituation von Menschen mit Beeinträchtigung schlagartig verändert. Von einem Tag auf den anderen waren sie auf einmal ganztägig (teils allein) zu Hause oder in den Wohnangeboten und dort häufig auf ganztägige Begleitung angewiesen. Für die Angehörigen bedeutete das, dass die bisherige Unterstützung und Assistenz plötzlich komplett wegbrach – was die jeweiligen Belastungsgrenzen schon heute völlig übersteigt.

Klare Forderungen an die Politik:

  • Für die Beschäftigten in WfbM müssen Regeln ähnlich denen des Kurzarbeitergeldes geschaffen werden. Um die Menschen finanziell abzusichern, sind ein schnelles Gesetzgebungsverfahren und eine unbürokratische Antragstellung nötig.
  • Ein baldiges Ende des Homeschoolings für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf ist dringend erforderlich. Zusätzlich müssen schnelle und unbürokratische Hilfen für Familien und pflegende Angehörige ermöglicht werden.
  • In der Pflege wird aktuell eine einmalige finanzielle Anerkennung diskutiert. Auch die soziale Arbeit muss in diesen Gesprächen mitgedacht werden – insbesondere die Mitarbeitenden in den Wohnangeboten und der unmittelbaren Betreuung.

Unter dem Hashtag #UNsichtbar machen deutschlandweit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf die aktuellen Probleme aufmerksam. Der Protesttag findet in diesem Jahr erstmalig nur online statt. Auf der Seite www.maiprotest.de sind viele dieser Aktionen gebündelt.

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