Beliebte Live Wetten vor dem aus?

NIEDERSACHSEN. Die meisten dürften es noch gar nicht realisiert haben. Mit der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrages ab 2021 ändert sich für Wettfreunde einiges. So soll die Werbung für Glücksspiele, wozu im weiteren Sinne auch Sportwetten gehören zukünftig nicht mehr aggressiv beworben werden dürfen. So manch ein Sportverein und Bundesligaklub muss sich daher nach neuen Sponsoren umschauen. Die einschneidendste Änderung ist jedoch das Verbot von Live Wetten ab dem kommenden Jahr.

Live Wetten sind praktisch das Salz in der Suppe beim Wettangebot

Die Fußball Bundesliga hatte erst vor einigen Wochen ihren Re-Start erlebt. Viele begeisterte Sportfans, die die Spiele wöchentlich live bei Sky mitverfolgen, konnten nun auch wieder Wetten auf ihr Team abgeben. Die mit Abstand beliebtesten Wettarten sind schon seit einigen Jahren Live Wetten. Diese können nachdem ein Spiel begonnen hat, praktisch die ganze Spielzeit bis zum Abpfiff abgegeben werden. Im Betsafe Testbericht kann man sich einen Überblick über das Angebot an Live Wetten verschaffen.

Es kann unter anderem auch darauf gewettet werden, wie viel Tore in der verbleibenden Spielzeit noch fallen oder wer noch ein Tor schießt. Im Tennis kann darauf gewettet werden, welcher Spieler den nächsten Satz gewinnt und bei der Formel Eins können sogenannte Head-to-Head Wetten auf bestimmte Fahrer abgeschlossen werden. Manche Wettanbieter offerieren auch ungewöhnlich Live Wetten auf die Anzahl der Ecken oder gelben Karten sowie wie viel Zeit nachgespielt wird. Die Auswahl ist riesig.

Einige Online Buchmacher strahlen die Bundesligaspiele oder Spiele in anderen europäischen Ligen im Stream ebenfalls live aus oder unterlegen den Spielverlauf mit Live-Animationen des Spiels. Der Marktanteil der Live Wetten beträgt mittlerweile deutlich über 90 % bei den insgesamt abgegebenen Wetten. Damit ist nun jedoch ab dem nächsten Jahr Schluss. Die Regelung im neuen Glücksspielstaatsvertrag lautet lapidar: „Wetten während des laufenden Sportereignisses sind unzulässig“.

Was ist der Grund für das Verbot?

Das Verbot der Live Wetten beruht auf Erkenntnissen von Glücksspielforschern. Einer von ihnen, Tobias  Hayer sagte in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, dass er in Wetten, die während eines Spiels abgegeben werden, ein hohes Suchtpotential sieht. Spieler erfahren bereits innerhalb kürzester Zeit, ob ihre Wette gewonnen hat oder nicht und würden dazu verleitet, tendenziell noch weitere Wetten auf das Spiel abzugeben. Die Wettintensität wird also durch Live Wetten erhöht.  Das gehe mit einer hohen Suchtgefahr einher. Dem könne nur durch ein Verbot der Live Wetten begegnet werden. Der Gesetzgeber ist dieser Ansicht gefolgt und hat das Verbot in den neuen Glücksspielstaatsvertrag aufgenommen.

Wettfreunde und Wettanbieter dürften wenig begeistert von der neuen Einschränkung sein. Nicht wenige derjenigen, die am Wochenende während einer laufenden Partie, die eine oder andere Wette platzieren werden, das als Gängelung empfinden. Die Online Buchmacher wiederum machten in 2018 nach Angaben des Statistikportals „statista“ allein in Deutschland einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro.

Der größte Teil des Umsatzes wird mit Live Wetten erzielt. Spieler verloren im selben Zeitraum insgesamt über 1 Milliarde Euro. Es handelt sich also um ein sehr lukratives Geschäft. Das sich die Begeisterung über das Verbot bei den Buchmachern in Grenzen hält, dürfte mithin ziemlich klar sein.

Verstoß gegen EU-Recht?

Die ersten Wettanbieter wie bwin, der eine Werbepartnerschaft mit dem DFB eingegangen ist und beispielsweise auch erhebliche Summen in Zweitvermarktungsrechte investiert, hat bereits angekündigt, gegen das Verbot zu klagen. Das Innenministerium im Hamburg hatte gegen bwin bereits jetzt eine Verfügung verhängt, die Live Wetten aus dem Programm zu nehmen.

Bwin beruft sich dabei auf EU-Recht und sieht sich wie nach dem Verbot von Sportwetten durch nicht lizenzierte Anbieter in 2012 in seiner Dienstleistungsfreiheit beschränkt. Einer Klage verschiedener Wett- und Casinoanbieter wurde seinerzeit vor dem Europäischen Gerichtshof stattgegeben. Deutschland wurde daraufhin aufgefordert, eine neue Regelung zu schaffen. Der Anbieter besitzt eine Lizenz in Malta, wo Live Wetten im Einklang mit europäischen Richtlinien nach wie vor legal sind. Die Lizenz gelte somit für ganz Europa. Daher müssten auch Live Wetten weiterhin in Deutschland angeboten werden dürfen. Ähnlich äußert sich auch tipico. Der Wettanbieter betreibt sein Geschäft ebenfalls mit einer Lizenz aus Malta. Aus dem Unternehmen hieß es zuletzt, dass die von den Bundesländern im neuen Glücksspielstaatsvertrag beschlossenen Regelungen gegenüber tipico unanwendbar seien, weil es eine für die gesamte Europäische Union gültige Lizenz besitzt. Wie der Streit letztlich ausgeht, dürfte also spannend werden. Vermutlich werden die Klagen wiederum beim Europäischen Gerichtshof landen.

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