„Love, Peace & Freedom“ – Gedenken an Peter Deutschmann

„Love, Peace & Freedom“ – Gedenken an Peter Deutschmann

11. August 2020 Aus Von Celler Presse

ESCHEDE. Gestern fand in Eschede die Gedenkveranstaltung an dem von Rechtsradikalen getöteten Peter Deutschmann statt. Vor einundzwanzig Jahren starb Deutschmann qualvoll, als er von ideologisch verblendeten Tätern in der eigenen Wohnung aufgesucht und misshandelt wurde. Nachbarn reagierten auf die Rufe Deutschmanns und konnten noch Hilfe rufen. Später verstarb der brutal zusammengeschlagene Deutschmann an seinen Verletzungen im Krankenhaus. Gemeinsam erinnerte man sich an diese verachtungswürdige Tat am Gedenkstein Deutschmanns vor der Johanniskirche in Eschede.

Kirsten Diekmann, vom Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, eröffnete die Gedenkveranstaltung am Gedenkstein Peter Deutschmanns vor der Johanniskirche in Eschede. Diekmann machte auf die zahlreichen Opfer Rechter Gewalt aufmerksam und wolle auch an diesem Tag aller Opfer gedenken. Kirsten Diekmann erinnerte sich an die Gewalttat, die Peter Deutschmann das Leben kostete, wobei das Kredo des „Hippies“ Deutschmann doch „Love, Peace & Freedom“ gewesen sei. Er habe Stellung bezogen und seinen Standpunkt deutlich gemacht, während andere geschwiegen haben. Diekmann mahnte jedoch zugleich, dass die Einstufung der Tat nicht von Beginn an so gefasst war und auch das vehemente Ringen um den Gedenkstein Kraft gekostet habe.

Sören Meyer, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Celle, betonte, dass Deutschmann seine Meinung gesagt hatte. Deutschmann stand für die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit ein, als er die beiden Täter zuvor noch am Tage in die Schranken wies. Meyer findet die Haltung Deutschmanns wichtig, denn sonst geht die Haltung der Menschen auf dem demokratischen Fundament verloren. Sören Meyer macht sich Sorgen, dass die Ideologie von 1933 nicht wieder in die Köpfe der Menschen gelangen dürfe.

Tristan Schmidt, von der linksjugend [’solid] Südheide, zeigt auf, dass diese schwerwiegende Tat von damals noch immer die Menschen bewegt, sonst würden nicht jedes Jahr so viele Menschen an den Tod Deutschmanns erinnern. Die Rechte Ideologie bietet einfach ein tödliches Potenzial, ist Schmidt überzeugt. Menschen, die in der Gesellschaft verloren gingen, seinen potenziell gefährdet. Extremismus und Hass sind noch immer weit verbreitet, so Schmidt. Er ist aber zugleich überzeugt davon, dass es auch Hoffnung gebe, dass ideologisch verirrte Menschen aus ihrer Gesinnung ausbrechen und etwas Neues anfangen. Es sei jedoch ein wichtiges Zeichen, sich gegen Rechts und den Hass aufzubäumen. Dies zeige sich auch die Unterstützung von allen Seiten, die im Hinblick auf den NPD-Hof am Ortsrand, den Bürgerinnen und Bürgern im Ort als Zeichen der Solidarität von außen zukommt. Tristan Schmidt kritisiert die rückwärtsgewandte Denkweise der Rechten und entgegnet: „Uns gehört die Zukunft und wir werden mehr“.

Klaus Maier, von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), zeigt auf, wie wichtig die antifaschistische Arbeit sei. Gerade der kurz nach dem 2. Weltkrieg gegründet VVN-BdA leiste wichtige Arbeit. In Zeiten der wieder zunehmenden Rechten Provokationen und Morddrohungen gegen Politiker, müsse die Arbeit aller Organisationen gewürdigt werden. Die Regierung habe erst kürzlich der Organisation die Gemeinnützigkeit aberkannt, dass Maier mit den Worten: „Das Haus brennt und ihr sperrt die Feuerwehr aus“ kritisiert. Maier sehe mit Sorge das Aufblühen der Ideologie von damals und ruft der Gesellschaft ins Gewissen: „Nie wieder Rassismus, nie wieder Krieg“.

Mit bewegenden Worten trat nun der damalige Freund und Wegbegleiter Wilfried Lilje vor die Anwesenden.  Er erinnerte sich an die erste Begegnung mit Peter Deutschmann in der Celler Diskothek „Strawberry“. Sicherlich sei der erste Kontakt nicht erfreulich gewesen, schmunzelte Lilje, denn Deutschmann „baggerte“ seine Freundin an. Letztendlich klärte es sich alles auf und beide wurden gute Freunde. Als die Diskothek später in „Europa 2000“ nicht nur einen neuen Namen bekam, sondern auch andere Musik spielte, freuten sich Lilje und Deutschmann, als in Altenhagen das „Freedom“ aufmachte. Deutschmann war musikbegeistert und konnte auch als DJ mit seiner Musikauswahl die Menschen bewegen. Die Musik verband die beiden und als DJ’s machten sie sich im Freedom einen Namen. Sie waren aber nicht allein, denn sie bildeten ein Trio mit Klaus Wiswe. Wilfried, Peter und Klaus rockten das Freedom und sorgten bei allen für Partystimmung und gute Laune. Wilfried Lilje berichtete, dass er beruflich stärker eingebunden wurde und nach vier Jahren nicht mehr nebenbei Musik auflegen konnte. Zwei Jahre später war auch die Zeit des Freedoms vorbei. Der Musik-Enthusiast Peter Deutschmann kam beruflich aber nicht so recht auf den grünen Zweig. Ein Kiosk in Bergen scheiterte und die Tätigkeit auf Abruf in Eschede war auch nicht erfüllend. Das Trio hatte sich derweil aus den Augen verloren. Es ist Zeit vergangen und Lilje kam sporadisch zu Deutschmann nach Eschede zu Besuch. Lilje erinnert sich an die Zeit, sie war herzlich und sehr schön.

Lilje erfuhr erst 10 Wochen nach dem brutalen Angriff auf Deutschmann von seinem Tod. Er befand sich zuvor noch im Urlaub und hatte die mediale Berichterstattung nicht wahrgenommen. Erst beiläufig hatte er zeitverzögert davon erfahren und war tief erschüttert.

Marlies Petersen, aus dem Sprecherrat des Bündnisses gegen Rechtsradikalismus aus Eschede, erinnerte sich an Deutschmann – aber auch die Täter. Alle drei waren ihr von ihrer damaligen Arbeit bekannt. Petersen erinnert sich noch mit Schrecken sehr gut daran, als beide Täter zunächst ihren Nachbarn aufsuchten. Der Nachbar hatte meist langes Haar getragen und die Täter verwechselten ihn mit Deutschmann. Als er ihnen mit kurzer Frisur die Tür öffnete, erkannten die Täter die Verwechslung und gingen davon. Erst später wurde klar, dass sie danach die richtige Wohnung von Deutschmann ausmachten und ihn dort brutal misshandelten, bis er schließlich im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Petersen mahnte, dass die Täter ohne ihren Rassismus im Kopf, auch nicht zu dieser Tat hingerissen worden wären. „Wir sind doch alle Menschen und verschieden. Diese Vielfalt muss akzeptiert werden, daher wollen wir keinen Faschismus“, so Petersen. Mit dem Bündnis im Ort spreche man auf breiter Ebene mit allen aus dem Ort und möchte die gesamte Gesellschaft bewegen, sich für Demokratie und Freiheit einzusetzen.

Während der Gedenkveranstaltung wurde des Musikliebhabers Peter Deutschmann auch musikalisch gedacht. Lieder aus seiner Zeit, die er liebte und auflegte. So klangen über den Lautsprecher des Plattenspielers unter anderem die Rolling Stones und andere jeder Zeit.

Redaktion
Celler Presse





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