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Sparkassen haben hohen Passivüberhang – auch die Sparkasse Celle-Wolfsburg-Gifhorn ist betroffen!

CELLE. Die Sparkassen in Deutschland gehören dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband an, kurz DSGV. Dieser veröffentlicht jedes Jahr eine Übersicht über die wichtigsten Kennzahlen der Sparkassen. Dabei werden auch die Aktiv- und Passivgeschäfte unter die Lupe genommen. Ein Großteil der Sparkassen hat einen hohen Passivübergang. Dies trifft auf mehr als 75% der Sparkassen in Deutschland zu. Zum Teil liegt dieser Überhang bei mehr als 55% der gesamten Bilanzsumme, doch was bedeutet dies überhaupt?

Welche Rolle spielen Aktiv- und Passivgeschäfte bei Banken?

In den Banken wird zwischen so genannten Aktivgeschäften und den Passivgeschäften differenziert. Mit den Aktivgeschäften werden zum Beispiel Kredite bezeichnet, die eine Bank aktiv an die Kunden vergibt. Die Kreditnehmer zahlen die Kredite in Form von Raten nebst den Zinsen zurück. Dies sorgt dann dafür, dass die Bank von den Erträgen ihre laufenden Kosten tragen kann und gleichzeitig ihren Gewinn erzielen kann.

  • Aktivgeschäft: Die Bank vergibt einen Kredit an einen Kreditnehmer
  • Passivgeschäft: Kunden legen Gelder als Festgeld und Tagesgeld bei der Bank an und erhalten dafür Zinsen

Mit dem Passivgeschäft werden z.B. Girokonten oder Tagesgeldkonten der Kunden bezeichnet. Diese sorgen dafür, dass der Bank Gelder zur Verfügung gestellt werden. Dafür erhalten die Kunden im Gegenzug eine Zinszahlung. Während Tagesgelder sich durch ein hohes Maß an Flexibilität auszeichnen und die Gelder schnell wieder ausgezahlt werden können, ist das Geld bei einem Festgeld länger an die Bank gebunden, so dass diese damit genauer arbeiten und planen kann.

Eine Übersicht zum Thema Aktiv- und Passivüberhänge haben die Finanzexperten von Konto.org für die Sparkassen inklusive Infografik erstellt. Hier werden nicht nur die Begriffe erläutert, sondern auch die Statistiken der einzelnen Sparkassen in Deutschland aufgeschlüsselt. Insgesamt können die Kennzahlen von 379 Sparkassen in Deutschland über die Tabelle im Artikel aufgerufen werden. Die Anzahl der Sparkassen mit Passivüberhang ist deutlich größer, als es bei der Anzahl der Sparkassen mit einem Aktivüberhang der Fall ist. Rund 23% der Sparkassen weisen einen Aktivüberhang aus, der im Schnitt bei rund 6,4% liegt. Das Maximum an Aktivüberhang liegt bei knapp unter 35% und ist damit sehr hoch. Was den passiven Überhang angeht wird zum Teil ein Überhang von fast 60% erreicht. Das zeigt, dass bei dieser Sparkasse viele Menschen ihr Geld parken, jedoch vergleichsweise wenige Kredite abgerufen werden.

Wie werden Aktiv- und Passivüberhänge definiert?

Bei einem Aktivüberhang kommt es dazu, dass das Volumen der Kredite, die an Kunden vergeben werden deutlich höher ist, als es bei den Kundeneinlagen auf der Passivseite der Fall ist. Das bedeutet, dass die Einlagen auf der Passivseite nicht ausreichen, um das Aktivgeschäft komplett zu finanzieren. Es entsteht damit ein so genannter Aktivübergang.

Wenn es zu einem Passivüberhang kommt bedeutet dies, dass die Liquidität der Bank sehr hoch ist. Es wird deutlich mehr Geld auf der Kundenseite bei der Bank geparkt, als durch Kredite abgerufen wird. Das führt dazu, dass die Bank meist die Zinsen reduziert, so dass in der Vergangenheit sogar schon Negativzinsen durch die Kunden gezahlt werden mussten, wenn zu viel Geld in Form eines Aktivüberhanges angesammelt worden ist.

Beispiel: Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg 2019 mit Passivüberhang!

Gegen Ende 2019 zeichnete sich ab, dass die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg einen deutlichen Passivüberhang ausprägte. Das bedeutet, dass die Kundeneinlagen so hoch sind, dass damit das Kreditgeschäft ohne Probleme gedeckt werden kann. Wer sich die Details der Bilanzsumme anschaut wird feststellen, dass der Passivüberhang bei etwa 18% lag. Die Bilanzsumme der Bank lag für das Jahr 2019 bei einem Wert von 6,8 Millionen Euro. Die Höhe der Kundeneinlagen ei 5,6 Millionen Euro und die Kundenkredite bei einem Volumen von 4,4 Millionen Euro. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass kein Aktivüberhang, sondern wie erwähnt ein Passivüberhang für das Jahr 2019 entstanden ist.

Wie ist die Verteilung zwischen Aktiv- und Passivüberhängen in Deutschland?

Wer sich die Verteilung zwischen den Aktiv- und Passivüberhängen in Deutschland anschaut, wird feststellen, dass es regionale Unterschiede gibt. So wird deutlich, dass die größten Passivüberhänge in Sparkassen gebildet worden sind, die ihren Sitz in den neuen Bundesländern haben. Das bedeutet, dass hier deutlich weniger Kredite im Vergleich zu den Spareinlagen vergeben werden. In den alten Bundesländern befinden sich die zehn Sparkassen, die den größten Aktivüberhang haben. Hier wird also deutlich mehr Kapital für Kredite benötigt, als durch Einlagen der Kunden zur Verfügung gestellt wird. Langfristig gesehen ist bei einer positiven Stimmung in der Wirtschaft damit zu rechnen, dass der Passivüberhang deutlich sinkt, da die Nachfrage nach Krediten steigt. Es gibt einzelne Branchen, wie zum Beispiel die Baubranche, in denen seit vielen Jahren eine Goldgräberstimmung herrscht. Das bedeutet, dass hier viele Kredite angefragt werden.






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