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In der Ansammlung von geliebten Dingen den Menschen erkennen

CELLE. Der Realismus, den Sarah Zagefka auf ihre eigene Art vertritt, suggeriert ein Gefühl, „dabei zu sein“. So kann auch der Ausstellungstitel „“Sie befinden sich hier“ verstanden werden. Die Künstlerin verdichtet mit ihrem visuellen Duktus das Bekannte und reduziert auf das Wesen der Dinge.

Sarah Zagefka bietet interessante Einblicke in das Leben anderer

Nah an die Betrachter erwecken ihre Werke den Eindruck, als stünde man mitten im Raum eines anderen Menschen. Und doch bleibt die Sorge vom Besitzer entdeckt zu werden. Der Betrachter blickt in den Lebensraum anderer Menschen. Dabei entdeckt er mit Verzückung kleine Details, die etwas über die nicht anwesenden Besitzer erzählen. Viele Bilder wirken wie kleine Filmsets oder Bühnen, auf denen das Leben spielt.

Das eher Unspektakuläre und doch Besondere ist ihr Schwerpunkt

Nahezu realistisch bildet sie Umgebung von Menschen ab und zeichnet Milieus mit all ihren Eigenarten nach. Sarah Zagefka taucht während des langwierigen Malprozesses in diese Welten ein. Malerei ist für sie der direkte Weg, sich auszudrücken. Sie sagt: „Meine Motive finde ich, ohne nach ihnen zu suchen. Das passiert, wenn ich etwas sehe, was ich besonders spannend, schön oder lustig finde und leicht übersehen hätte. Ich male immer Orte, die interessanter werden, wenn man sie länger betrachtet. Dinge, die auf den ersten Blick spektakulär sind, inspirieren mich meistens nicht.“ Eins mit ihrer Welt, erschafft sie Werke mit einer enormen Intensität und tiefen Wahrheit. Ihr geht es um die Wahrheitssuche und den Erkenntnisgewinn durch das vollkommene Sich Einlassen.

In Außen- und Innenwelten kleine Heroes entdecken

Wie bei einem Gang ins Innere durchlaufen Betrachter Straßen mit Kneipen, Imbissen und Geschäften. Dabei gelangen sie in Räume und stoßen auf Details wie die Heroes. Kleine, dem Bewohner am Herzen liegende, kultige Spielzeuge werden liebevoll inszeniert. Enge und einfache Räume weisen auf bestimmte Milieus hin: Ob Straßencafés, Kneipen, Ateliers oder Wohnungen befreundete Künstler. Diese Bilder entstammen direkt aus ihrem Kosmos und gewähren tiefe Einblicke in die Lebensverhältnisse der Künstlerin. Verschiedene Gegenstände in den Räumen lassen Rückschlüsse auf ihre Bewohner zu und regen geradezu an, Mutmaßungen über die Persönlichkeit anzustellen. Dank des Blicks der Künstlerin und der gewählten Darstellung kann der Betrachter auch Rückschlüsse auf die Künstlerin selbst ziehen. Mit welchen Augen schaut Sarah Zagefka heute und was sehen sie? Womit setzt sie sich auseinander, worüber reflektiert sie?

Gebraucht, belebt und doch unvergessen

Das kleine Bild ist kaum größer als eine Postkarte und zeigt doch ein Universum. Jeder Pinselstrich bringt uns die altbekannte Kneipe mit dem Namen „Morlock“ näher. Zusammengetragenes Leben auf 16 x16 cm: Gebrauchsspuren einer Szene in der Schnelllebigkeit und einer teilnahmslosen Nachbarschaft. Abgerissene Vorhänge, zerzauste Bambusrollos aus den 70ern und Plakate sowie Sticker zieren die Fenster. Zigaretten- und Kaugummiautomaten sind in jeweiliger Benutzerhöhe übereinander montiert. Alles wurde berührt und benutzt sowie mit Leben angereichert. Der Betrachter kann sich die Dramen vorstellen, die sich vor und in der Kneipe immer noch abspielen.

Sarah Zagefka öffnet Räume in gedankliche Welten

Eine „subjektiv realistische Malerei“ prägt die intime Atmosphäre der oftmals kleinen Formate. Die „besondere Schönheit“ und die Intensität des Ortes ist Zagefkas Antrieb, ein Motiv für ihre Malerei zu wählen. In ihrer Vielschichtigkeit sind ihre Werke sehr verdichtet angelegt und leuchten aus sich selbst heraus. Trotz der vielen Details behält die Malerei einen offenen Charakter. Denn bei genauerer Betrachtung scheinen die Ränder sich aufzulösen. Das kleine Bildformat erzwingt das Heran-Treten für die richtige Fokussierung. Gleichzeitig erfolgt ein Ein-Treten in diese gedankliche Welt, was zumindest ein Aus-Treten aus der realen Welt bedeutet. Ein bisschen fühlt es sich, als stünde man vor einem Schaukasten, der verschiedene Milieus aufzeigt. Als hätte es der Betrachter mit einer existierenden Parallelwelt zu tun. Für diesen magischen Schritt benötigt es nur die Räume, die Zagefka dem Raumgast öffnet.

Erweiterte Ausstellung

Michael Schuster, der zweite Künstler dieser Ausstellung und seine künstlerische Auseinandersetzung wird in einem weiteren Bericht aufgezeigt. Dabei analysiert er ebenfalls die Themen Zeit, Vergänglichkeit und Identität. Allerdings steht bei ihm die menschliche Figur im Bildzentrum.

Die Ausstellung des Kunstvereins „Sie befinden sich hier“ kann vom 11. Oktober bis 28. November 2020 im Schloss Celle, Gotische Halle, Schloßplatz 1, 29221 Celle besichtigt werden.

Öffnungszeiten: im Oktober: Di. – So. 13 – 17 Uhr | im November: Di. – So 12 – 16 Uhr

Redaktion

Celler Presse






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