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Alle Infos zur Kurzarbeit auf einen Blick

DEUTSCHLAND. Mit Beginn der Corona-Pandemie 2020 wurde ein exponentieller Anstieg an Kurzarbeit verzeichnet. Unternehmen, die in der Zwangspause verharren müssen, versuchen so, einen massiven Stellenabbau zu verhindern. Doch was bedeutet Kurzarbeit eigentlich? Können Betroffene während Kurzarbeit einer anderen Beschäftigung nachgehen? Alles, was im Zusammenhang mit Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld wichtig ist, haben wir hier zusammengefasst.

Was ist Kurzarbeit und wer hat Anspruch darauf?

Tritt ein unvorhergesehenes Ereignis wie etwa die Corona-Pandemie ein oder es kommt zu einer schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung, kann Kurzarbeit notwendig sein. Durch diese Maßnahme soll verhindert werden, dass Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit rutschen. Somit stellt Kurzarbeit ein Überbrückungsinstrument für wirtschaftlich unsichere Zeiten dar. Konkret bedeutet Kurzarbeit, dass die reguläre Arbeitszeit im Betrieb verkürzt wird. Weil Kurzarbeiter weniger Stunden arbeiten, sinkt das Einkommen von Kurzarbeitern. Damit die finanziellen Einbußen für Kurzarbeiter nicht ganz so groß sind, springt das Arbeitsamt ein. Mittels Kurzarbeitergeld wird ein teilweiser Ersatz für den durch den vorübergehenden Arbeitsausfall gesunkenen Lohn gezahlt.

Kurzarbeit ist nicht gleich Kurzarbeit. Je nach Auftragslage und Vereinbarungen im Unternehmen kann der Arbeitsausfall einige Stunden, mehrere Tage oder sogar Wochen bestehen. Beträgt der Arbeitsausfall 100 % – die Arbeit wird für eine vorübergehende Zeit also vollkommen eingestellt – spricht man von „Kurzarbeit null“. Betriebe haben die Möglichkeit, während Kurzarbeit Mitarbeiter weiterbilden zu lassen. Das schafft die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und seine Mitarbeiter auf neue berufliche Herausforderungen vorzubereiten. Auch eine Auffrischung von bestehendem Wissen ist möglich. Ebenso sinnvoll kann es sein, Arbeitnehmer in Kurzarbeit auf die zunehmende Digitalisierung am Arbeitsplatz vorzubereiten. Mit der Qualifizierungsoffensive „WEITER-BILDUNG“ kann sogar eine Übernahme der Lehrgangskosten beantragt werden. Außerdem kann die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge von 50 % auf 100 % erhöht werden. Als Ansprechpartner gilt der Arbeitgeber-Service, den man unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/4555520 erreichen kann. Bei einer persönlichen Beratung erhalten Arbeitgeber alle weiterführenden Informationen zur Weiterbildungsförderung während Kurzarbeit. Auch weiterbildungsinteressierte Arbeitnehmer werden gefördert. Sie können vom Land Berlin eine Weiterbildungsprämie in Höhe von 250 Euro bekommen. Die Prämie erhalten jedoch nur Beschäftigte, die während ihrer Kurzarbeit eine von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten Weiterbildungsmaßnahme besuchen.

Bevor ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen kann, muss es nachweisen, dass die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Laut §§ 95 ff. Sozialgesetzbuch (SGB) III muss ein erheblicher Arbeitsausfall mit einem Entgeltausfall von mindestens 10 % vorliegen. Dies muss mindestens ein Drittel der Beschäftigten im Betrieb betreffen. Im Zuge der Corona-Pandemie wurde diese Regelung angepasst. Ein Betrieb kann Kurzarbeit aktuell bereits dann anmelden, wenn mindestens 10 % der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall betroffen sind. Ebenfalls neu: Normalerweise müssen Angestellte Überstunden sowie positive Zeitguthaben abgebaut haben. Für diese Regelung gab es bisher auch einige Ausnahmen. Aktuell wird jedoch vollständig auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden verzichtet.

So viel Kurzarbeitergeld gibt es

Wie hoch das Kurzarbeitergeld ausfällt, richtet sich nach dem finanziellen Ausfall, den ein Arbeitnehmer durch die Arbeitszeitkürzung hat. Zur Berechnung kann man sich an folgender Regelung orientieren:

  • Arbeitnehmer ohne Kind erhalten 60 % ihres entfallenen Nettolohns
  • Arbeitnehmer mit Kind erhalten 67 % ihres entfallenen Nettolohns

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden auch hier Neuregelungen getroffen und das Kurzarbeitergeld wurde aufgestockt. Für Beschäftigte, die erstmals spätestens für März 2021 Kurzarbeitergeld erhalten haben, gilt nun bis zum 31. Dezember 2021:

  • ab dem 4. Monat des Arbeitsausfalls erhalten Arbeitnehmer ohne Kind 70 %
  • ab dem 7. Monat des Arbeitsausfalls erhalten Arbeitnehmer ohne Kind 80 %
  • ab dem 4. Monat des Arbeitsausfalls erhalten Arbeitnehmer mit Kind 77 %
  • ab dem 7. Monat des Arbeitsausfalls erhalten Arbeitnehmer mit Kind 87 %

In einigen Betrieben gibt es tarifvertraglich vereinbarte Aufstockungen. Besteht eine entsprechende Vereinbarung, kann das Kurzarbeitergeld auf fast 100 % des Nettolohns aufgestockt werden. Gab es solche Vereinbarungen bislang vorwiegend in den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie, haben mittlerweile auch andere Branchen Sonderregelungen getroffen. Chemische Industrie, Systemgastronomie, Gastgewerbe, textile Dienstleister, Glasindustrie, Papierindustrie und Kunststoffindustrie – sie alle gehen mit gutem Beispiel voran. Auch bei der Deutschen Bahn und bei den deutschen Seehäfen sind nun Aufstockungen möglich.

Nicht jeder Beschäftigte kann während Kurzarbeit auch Kurzarbeitergeld erhalten. Zum nicht bezugsberechtigten Personenkreis gehören

  • Arbeitslose in Weiterbildung
  • Minijobber
  • Bezieher von Krankengeld
  • Auszubildende
  • Rentner

Auszubildende, deren Arbeitsausfall mindestens 30 Werktage beträgt, bilden die Ausnahme. Sie können dennoch Kurzarbeitergeld erhalten. Ausnahmen gelten auch für diejenigen, die während der Zahlung von Kurzarbeitergeld erkranken. Für sie besteht ein Anspruch auf Fortzahlung des Kurzarbeitergeldes. Zu den coronabedingten Erleichterungen bei den Regelungen für das Kurzarbeitergeld gehört, dass nun auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer Kurzarbeitergeld beziehen können.

Wo und wie wird Kurzarbeit beantragt?

Werden die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, kann der Arbeitgeber bei der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld beantragen. Hierfür muss der Arbeitsausfall vom Arbeitgeber schriftlich bei seiner zuständigen Agentur angezeigt werden. Das Kurzarbeitergeld muss der Arbeitgeber zunächst aus eigener Tasche an seine Angestellten bezahlen. Die Arbeitsagentur erstattet die Leistung dann rückwirkend an den Arbeitgeber.

Während die Leistung gezahlt wird, ist der Unternehmer dazu verpflichtet, zu dokumentieren, welcher Arbeitnehmer an welchem Tag in welchem Umfang gearbeitet hat. Dabei müssen auch Krankheitstage und Urlaube der Beschäftigten angegeben werden. Grund dafür ist, dass das Geld zunächst unter Vorbehalt von der Agentur für Arbeit gezahlt wird. Die endgültige Abrechnung erfolgt erst dann, wenn die Kurzarbeit beendet ist.

Achtung! Kurzarbeitergeld kann normalerweise für einen Zeitraum von maximal 12 Monaten gezahlt werden. Sofern der Anspruch auf Kurzarbeitergeld vor dem 31.12.2020 entstanden ist, kann die Bezugsdauer auf bis zu 24 Monate verlängert werden – längstens jedoch bis zum 31.12.2021.

Das muss in Bezug auf Hinzuverdienst während Kurzarbeit beachtet werden

Durch Kurzarbeit zur Verfügung stehende Zeit kann für einen Nebenjob genutzt werden. Sofern die Nebenbeschäftigung bereits vor dem Bezug von Kurzarbeitergeld aufgenommen wurde, wirkt sie sich nicht auf das Kurzarbeitergeld aus. Während der Kurzarbeit aufgenommene Nebenbeschäftigungen werden bis 31.12.2020 nicht vollständig angerechnet. Auch 450-Euro-Jobs werden nicht über die Höhe des Sollentgelts hinaus angerechnet.

Steuerliche Besonderheiten beachten! Kurzarbeitergeld ist grundsätzlich steuerfrei, muss jedoch in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Wer bislang keine Steuererklärung gemacht hat, muss dies tun, sofern er im vergangenen Jahr mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten hat. Wegen des so genannten Progressionsvorbehalts kann Kurzarbeitergeld zu einer Steuernachzahlung führen. Der DGB fordert eine Gesetzesänderung. Wer durch das Kurzarbeitergeld erhebliche Einkommensbußen habe, solle nicht auch noch mit Steuernachzahlungen belastet werden, ist DGB Regionsgeschäftsführer für die Region Nord-Ost-Niedersachsen Matthias Richter-Steinke überzeugt.





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