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Ernährung im Wandel: So hat sich das Essen verändert

DEUTSCHLAND. Andere Zeiten, andere Sitten. Beziehen lässt sich dies auf den gesamten Alltag: auch auf die Ernährung. So wie heute hat die Bevölkerung nicht immer gegessen. Wie isst Deutschland 2021 und inwiefern hat sich der Ernährungsstil mit den Zeitumständen verändert? Eine Spurensuche.

Wie Deutsche essen

Laut dem BMEL-Ernährungsreport 2021 kocht mehr als die Hälfte aller Deutschen seit der Coronakrise fast täglich. Vor allem in der jüngeren Generation ist das Interesse an selbst zubereiteten Speisen gestiegen. Sogar Teenager wollen sich mittlerweile durch leckere Rezepte zum Kochen inspirieren lassen oder Kochkurse besuchen. Gesundes Essen liegt im Jahr 2021 mehr als 90 Prozent am Herzen. Auch die Umwelt, das Klima und das Tierwohl spielen für viele eine Rolle. Trotzdem ernähren sich noch immer lediglich zwölf Prozent vegetarisch oder vegan, einige davon aus reiner Neugier. Das damit ausgedrückte Interesse an Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in anderen Bereichen des BMEL-Reports wieder. Saisonalität und Regionalität sind neben dem Geschmack die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl von Nahrungsmitteln. Das war nicht immer so. Als ein Grundpfeiler des Überlebens verändert sich Ernährung mit den Lebensumständen: zuletzt etwa durch die Pandemie.

Essen wie in der Steinzeit

Es ist rund zwei Millionen Jahre her, dass Jagen und Sammeln zur Nahrungsaufnahme unerlässlich war. Neben saisonalen Pflanzen und Früchten standen damals vor allem Nüsse, Pilze, Wurzeln und Honig auf dem Speiseplan. Fleisch und Fisch gab es, wann immer die Jagd erfolgreich war. Niemals aber täglich. Man lebte damals von der Hand in den Mund. Erst die sesshafte Lebensweise veränderte diese Ernährungsweise. Neben Viehhaltung wurde Getreideanbau betrieben. Dadurch fanden bald Brot und Milchprodukte auf den Speiseplan. Töpfe und Tongefäße dienten der Nahrungszubereitung. Trotz dieser Neuerungen limitierten die äußeren Umstände das Nahrungsangebot stark. Ernährung blieb saisonal, intuitiv und regional geprägt. Erst in der Antike vergrößerte sich durch Handel die Nahrungsvielfalt. Ab dem Mittelalter und den damaligen Eroberungszügen sogar drastisch.

Wachsendes Lebensmittelangebot seit der Antike

Im 15. Jahrhundert wuchs das überregionale Nahrungsangebot vor allem durch Handelsbeziehungen zu den Römern. Obst und Gemüse wie Kohlrabi, Gurken, Spargel oder Spinat erreichten die Germanen. Dasselbe galt für bisher unbekannte Früchte wie Pfirsiche, Aprikosen und Pflaumen. Bei der Entdeckung anderer Kontinente und Kulturen entdeckten die Europäer auch Tomaten, Mais und Kartoffeln. Trotzdem waren Lebensmittelknappheit und Hungersnöte bis dahin in jeder Generation an der Tagesordnung. Um langfristig genügend Nahrung zu haben, fehlten Konservierungsmethoden und Massenproduktion. Der Kampf gegen den Hunger hörte in Deutschland erst vor 200 Jahren auf. Die Industrialisierung verbesserte die Landwirtschaft, das Transportwesen und die Konservierung sämtlicher Nahrung. Das heutige Überangebot ist hiervon eine Folge. Industriell stark verarbeitete Lebensmittel begannen die Regale zu füllen.

Verbraucher-Tipp: Aus Klimaschutz-Gründen ist das Interesse an der Lebensmittelkonservierung heutzutage wieder groß. Statt zu viel gekaufte Nahrung wegzuwerfen, sollte man der Umwelt zuliebe lieber

  • trocknen.
  • räuchern.
  • salzen.
  • säuern.
  • zucken.
  • einkochen.
  • kühlen und gefrieren.

Steigende Vielfalt und gestiegene Ansprüche

Bei steigendem Nahrungsangebot sind auch die Ansprüche der Konsumenten stetig gestiegen. Essen diente nicht mehr nur der Befriedigung eines Grundbedürfnisses, sondern wurde als identitätsstiftendes Element begriffen. Die Auswahl von Nahrungsmitteln nach persönlichem Geschmack zeugt davon. Früher musste man wegen Nahrungsmittelknappheit auf bestimmte Speisen verzichten. Im Unterschied dazu tut man es heute im Rahmen der Ernährungsmode aus freien Stücken oder gesundheitlichen Gründen. So beispielsweise beim Vegetarismus, bei Diäten oder laktosefreier Ernährung. Wie man sich ernährt, ist mittlerweile ein Ausdruck der sozialen Identität. Gleichzeitig nehmen ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme wie Übergewicht, Magersucht, Diabetes und Vitaminmangel in der Gesellschaft zu. Obwohl es den Deutschen für eine gesunde und ausgewogenen Ernährung eigentlich an nichts mangeln sollte.

Expertenfrage: Ist die Industrialisierung an ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen schuld? Nicht allein, einen dahingehenden Zusammenhang erkennen Experten trotzdem. Hochgradig verarbeitete Speisen wie Fertiggerichte enthalten in den meisten Fällen weniger Nährstoffe, dafür aber mehr Zucker und Fett. Dadurch begünstigen sie Vitaminmangel, Übergewicht und Adipositas sowie Folgeerkrankungen.

Neues Ernährungsbewusstsein

In der Wohlstandsgesellschaft der vergangenen Jahrzehnte ist der Fleischkonsum wesentlich gestiegen. Die Folgen davon waren nicht nur zunehmende Herzkreislauferkrankungen, auch die Umwelt musste darunter leiden. Die Produktion eines einzigen Kilogramms Fleisch schlägt mit bis zu zwölf Kilogramm CO2 zu Buche. Vor Hintergründen wie diesen wächst mittlerweile eine Generation mit Qualitäts-, Gesundheits- und Umweltbewusstsein heran. Nicht nur im Vegetarismus erkennen Experten heute Zukunftspotenzial, sondern auch in der Nutzung alternativer Nahrungsquellen. Darunter beispielsweise Algen oder Insekten. Davon abgesehen hat die unüberschaubare und oft intransparente Lebensmittelvielfalt der vergangenen Jahre in vielen Verbrauchern die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit geweckt. Ausgelebt wird das neue Interesse am Ursprung, indem man wieder Gemüse anbaut oder Hühner im eigenen Garten hält.






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