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Gemeinsam stark: Eschede setzt Zeichen gegen Rechtsextremismus

Über 300 Teilnehmende versammelten sich am Samstag am Bahnhof in Eschede, um zunächst dem musikalischen Vorprogramm zu lauschen und dann die Reden von Bürgermeister Heinrich Lange und Dr. Margot Käßmann, der früheren Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden, zu hören. Anschließend wandelte sich die Musikveranstaltung mit anschließender Kundgebung in einen Demonstrationszug in Richtung des „Heimathofes“, dem ehemaligen NPD-Hof. Auch die Bundestagsabgeordnete Angela Hohmann und der DGB-Geschäftsführer der Region Nord-Ost-Niedersachsen, Dr. Matthias Richter-Steinke, sprachen hier zu den Teilnehmenden.

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus aus Eschede und das Netzwerk Südheide setzten erneut Zeichen für Vielfalt und Demokratie. Sascha Alius vom Bündnis gegen Rechtsextremismus verwies auf das kulturelle musikalische Vorprogramm am Bahnhof in Eschede unter dem Motto „Klänge der Vielfalt“. Er betonte, dass die Veranstaltungen auf dem NPD-Hof, wie das internationale Treffen von Neonazis zum Europawahlkampf und die Sommersonnenwendfeier, nationales wie internationales Aufsehen erregt hätten. Besonders besorgniserregend sei, dass bei diesen Feiern zahlreiche Kinder anwesend waren, die politisch indoktriniert würden. Nach einem musikalischen Vorprogramm von Pianistin und Sängerin Anastasia Novoselova und Gitarrist und Sänger Tom Kirk folgten beeindruckende Reden, die den Nachmittag prägten.

Rede von Bürgermeister Heinrich Lange

Bürgermeister Heinrich Lange begrüßte die Anwesenden herzlich und hob die Bedeutung des gemeinsamen Engagements gegen Rechtsextremismus hervor. Er berichtete von den Entwicklungen auf dem NPD-Hof und den Aktivitäten der rechtsextremen Szene, die sich international vernetzt habe. Lange kritisierte die mangelhaften rechtlichen Möglichkeiten, um das Treiben auf dem Hof zu unterbinden, und betonte die Notwendigkeit eines neuen Verbotsverfahrens.

Lange erläuterte, dass die Treffen auf dem Hof eine neue Qualität erreicht hätten, insbesondere durch die Teilnahme von Rechtsextremen aus verschiedenen europäischen Ländern. Er betonte die klare Haltung der Gemeinde Eschede gegen Rechtsextremismus und lobte die intensive Zusammenarbeit mit Polizei, Verfassungsschutz und dem Landkreis. Lange forderte die Bevölkerung auf, weiterhin aktiv gegen Rechtsextremismus einzutreten und bedankte sich bei den engagierten Akteuren.

Rede von Dr. Margot Käßmann

Dr. Margot Käßmann betonte in ihrer Rede die Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und Rechtsextremismus. Käßmann stellte klar, dass christlicher Glaube und Rechtsextremismus absolut unvereinbar sind. Sie kritisierte AfD-Politiker, die sich als Christen darstellen, um rechtsextreme Ideologien zu rechtfertigen. Sie betonte, dass Gott den Menschen nicht als weißen Europäer geschaffen hat, sondern als vielfältiges Wesen. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass 99% der DNA aller Menschen gleich sind, unterstreicht die Gleichwertigkeit aller Menschen. Christliche Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit und der Einsatz für andere seien essenziell und nicht vereinbar mit Hass und Ausgrenzung.

Käßmann erinnerte daran, dass Jesus Jude war und jede Form von Judenhass entschieden ablehnt. Sie hob hervor, dass Jesus jeden Menschen respektierte, unabhängig von seiner Herkunft oder Religion. Diese Haltung fordert von Christen, sich gegen jede Form von Diskriminierung zu stellen und Respekt gegenüber anderen Religionen zu zeigen. Sie erklärte, dass es nicht nur um Toleranz gehe, sondern um aktiven Respekt und Interesse an anderen Glaubensrichtungen und Lebensentwürfen.

Dr. Käßmann sprach auch über die Vielfalt von Familienbildern in der Bibel, wie die Großfamilie von Jakob mit seinen 13 Kindern von vier Frauen, oder die uneheliche Schwangerschaft von Maria. Diese Beispiele zeigen, dass unterschiedliche Lebensentwürfe in der christlichen Tradition schon immer existierten und akzeptiert wurden. Sie plädierte für eine postmigrantische Definition von Deutschland, bei der es nicht um Herkunft geht, sondern darum, wie wir gemeinsam die Zukunft gestalten wollen. Deutschland sei die gemeinsame Heimat aller hier lebenden Menschen, und Ausgrenzung habe keinen Platz in unserer Gesellschaft.

Abschließend betonte Käßmann, dass es unsere Verantwortung sei, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Sie erinnerte daran, dass die Nationalsozialisten durch mangelnde Wachsamkeit und Entschlossenheit erstarken konnten, was zu unermesslichem Leid führte. Heute, im Jahr 2024, stünden wir vor der Aufgabe, aktiv gegen Rechtsextremismus vorzugehen und für eine vielfältige, friedliche Gesellschaft einzutreten. Sie appellierte an die Anwesenden, eine starke Gemeinschaft zu bilden, die für Menschenrechte und gegen jede Form von Hass und Ausgrenzung kämpft.

Käßmann schloss ihre Rede mit der Hoffnung, dass Kinder in einer Welt aufwachsen können, die von Freude und Lebenslust geprägt ist, und nicht von Angst und Abgrenzung. Sie forderte dazu auf, dass alle Kinder in diesem Land die gleichen Chancen bekommen, unabhängig von ihrem Hintergrund. Es sei an der Zeit, die Lehren der Geschichte zu beherzigen und eine Gesellschaft zu schaffen, die durch Vielfalt und gegenseitigen Respekt geprägt ist.

Rede von Angela Hohmann

Die Bundestagsabgeordnete Angela Hohmann warnte vor der zunehmenden Verbreitung rassistischer Ideologien und hob die Bedrohung durch die sogenannte „Neue Rechte“ hervor. Sie kritisierte die Europawahlkampagne der Partei „Die Heimat“, die für ein Europa der offenen Grenzen kämpfe, um es abzuschaffen.

Hohmann betonte, dass die größte Gefahr in unserem Land von rechts komme und verwies auf den aktuellen Verfassungsschutzbericht. Sie forderte, dass rechtsextreme Aktivitäten konsequent verfolgt und bestraft werden. Besonders besorgniserregend sei die Teilnahme von Kindern an rechtsextremen Veranstaltungen, was die Frage nach dem Kindeswohl aufwerfe.

Rede von Dr. Matthias Richter-Steinke

Dr. Matthias Richter-Steinke erinnerte daran, dass es keine ruhigen Rückzugsorte für Neonazis in der Lüneburger Heide geben dürfe. Er verurteilte die Treffen rechtsextremer Gruppen auf dem Heimathof und betonte, dass diese Veranstaltungen keine internationale Solidarität, sondern nur Hass und Hetze förderten.

Richter-Steinke wies auf die Forderungen der Partei „Die Heimat“ hin, die den Austritt Deutschlands aus der EU und die Wiedereinführung der D-Mark anstreben. Er betonte, dass die Forderungen der extremen Rechten in Deutschland und Europa salonfähig geworden seien und forderte die Anwesenden auf, weiterhin gegen diese Ideologien zu kämpfen.

Fazit

Die Demonstration in Eschede zeigte eindrucksvoll, dass ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Rechtsextremismus aktiv ist. Gewerkschaften, Kirchen, politische Parteien und zahlreiche Initiativen setzten gemeinsam ein starkes Zeichen für Demokratie und Vielfalt. Die Rednerinnen und Redner betonten die Notwendigkeit, weiterhin wachsam zu bleiben und gegen die Verbreitung rechtsextremer Ideologien vorzugehen.

Am Rande der Veranstaltung begleiteten „Recherche Nord“ auch die Aktivitäten der Partei „Die Heimat“, die für Aufsehen sorgten. Ein kürzlich veröffentlichtes YouTube-Video sprach von „Hitler-Jugend Reloaded“ und zeigte verstörende Bilder von Fackeln, Uniformen und zahlreichen Kindern auf dem Hof. Diese Bilder werfen die Frage auf, ob die Nachfolgepartei der NPD weiterhin mit solchen Aktionen unbedeutend bleiben kann oder ob ein Eingreifen notwendig ist. Die Stimmen, die ein Unterbinden dieses Treibens auf dem Heimathof fordern, werden immer lauter.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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