Ostermarsch in Unterlüß: Protestzug führt bis vor die Tore von Rheinmetall
Trotz kühlem Regenwetters versammelten sich am Samstag laut Veranstalter rund 150 Menschen in Unterlüß, um am mittlerweile sechsten Ostermarsch in der Südheide teilzunehmen. Unter dem Motto „Tomaten statt Granaten“ führte der Demonstrationszug vom Bahnhof durch das Dorf bis direkt vor das Werkstor des Rüstungskonzerns Rheinmetall.


























Den Auftakt bildete eine kurze Ansprache von Pastor Hartmut Günther (Friedenskirche Unterlüß) vor dem Bahnhof, der den Marsch mit einem Appell an gemeinsames gesellschaftliches Engagement für den Frieden eröffnete: „Frieden ist das höchste Gut – nur im Frieden kann sich eine Gesellschaft entwickeln.“
Der Demozug machte zunächst Halt an der Stolperschwelle und den historischen Infotafeln zu den Lagern aus der NS-Zeit in Unterlüß. Dort erinnerte Klaus Meier vom VVN-BdA an die Opfer des Faschismus und las den „Schwur von Buchenwald“ vor – ein Appell aus dem Jahr 1945, formuliert von Überlebenden des Konzentrationslagers.
Anschließend zogen die Teilnehmenden weiter zum Werksgelände von Rheinmetall, wo eine eindrückliche symbolische Aktion stattfand: Mitglieder der Friedensinitiative Altona (FriedA) ließen sich vor dem Haupttor zu Boden fallen und wurden mit weißen Tüchern bedeckt – begleitet von musikalischer Untermalung. Die Aktion sollte verdeutlichen, dass Waffenproduktion und Krieg Leid und Tod zur Folge haben.
Hans-Dietrich Springhorn, Mitorganisator des Marsches, zeigte sich mit Blick auf die Teilnehmerzahl verhalten: „Natürlich hätten wir uns 250 Menschen gewünscht. Doch die zunehmende Marginalisierung der Friedensbewegung und das Wetter haben ihren Anteil daran. Unsere Aufrufe gehen oft unter, die Kritik an solchen Veranstaltungen nimmt zu.“
Charly Braun, Gewerkschafter aus dem Heidekreis, kritisierte in seiner Rede die wachsende Nähe zwischen Gewerkschaften und der Rüstungsindustrie und sprach sich für eine „Gewerkschaftliche Initiative für Frieden und Konversion“ aus. Braun: „Ich bin dafür, dass die in der Rüstungsproduktion Beschäftigten einen deutlich höheren Lohn erhalten – damit Kriegsproduktion wirtschaftlich unattraktiv wird.“
Er wies auf die lange militärische Geschichte der Region hin – von der Panzertruppenschule Munster bis zum Truppenübungsplatz Bergen – und forderte eine Konversion hin zu zivilen Arbeitsplätzen, etwa im Gesundheitswesen oder im Bereich erneuerbarer Energien: „Es gibt Alternativen zur Rüstungswirtschaft – wir müssen sie nur politisch gewollt umsetzen.“
Neben weiteren Rednerinnen und Rednern aus verschiedenen Initiativen, darunter Julia von Gemeinsam kämpfen und Lukas vom Bündnis Rheinmetall entwaffnen, meldete sich auch Dr. Christoph Dembowski von der Organisation IPPNW (Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges) zu Wort. Er mahnte vor den Gefahren zunehmender Militarisierung und warnte vor der Illusion beherrschbarer moderner Kriege: „Krieg ist keine Großschadenslage, sondern eine Katastrophe, die wir vermeiden müssen.“
Auch Holger Griebner von der Hamburger Friedensbewegung sprach über die wirtschaftlichen Profite, die mit Krieg erzielt werden, und warnte vor einer Normalisierung von Hochrüstung. „Wenn die Aktien steigen, fallen die Proletarier“, so Griebner mit Blick auf die aktuellen Kursgewinne von Rheinmetall.
Ein Grußwort von Dr. Margot Käßmann, Theologin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, wurde per Audio eingespielt.
Hier finden Sie das Video:

Die Veranstalterinnen und Veranstalter riefen alle friedliebenden Menschen der Region zur Beteiligung auf – gegen Waffenexporte, gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und gegen eine Umstellung auf Kriegswirtschaft. Stattdessen forderten sie Investitionen in Klima-, Sozial- und Gesundheitsinfrastruktur sowie eine Stärkung zivilgesellschaftlicher Friedensarbeit.
Trotz des widrigen Wetters und einer Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen zeigte der Ostermarsch von Unterlüß erneut, dass das Thema Frieden in der Region nach wie vor öffentlich verhandelt wird – mit klaren Stimmen, vielfältigen Perspektiven und dem Anspruch, Alternativen zum militärischen Denken aufzuzeigen.
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de
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