Ostermarsch in Unterlüß zieht bis vor Rheinmetall
Mit einem Friedensmarsch vom Bahnhof bis vor das Verwaltungsgebäude von Rheinmetall hat am Samstag in Unterlüß der diesjährige Ostermarsch in der Südheide stattgefunden. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 150 Menschen teil, die Veranstalter sprachen von etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.




















Organisiert wurde die Veranstaltung vom FriedensRatschlag Lüneburger Heide. Der Marsch begann um 11.30 Uhr am Bahnhof Unterlüß und führte durch den Ort bis zur Abschlusskundgebung vor dem Rheinmetall-Verwaltungsgebäude. Unterwegs gab es Musik, mehrere Zwischenstopps und kurze Redebeiträge. Auch bei der Kundgebung am Ziel standen Reden, Musik sowie Kaffee und Kuchen auf dem Programm.
Zu Beginn begrüßte Hans-Dietrich Springhorn die Versammelten am Bahnhof. Er wies auf den friedlichen Charakter der Demonstration hin und bat darum, Hinweise der Polizei und der Versammlungsleitung zu beachten. Mit Blick auf den Verlauf des Aufzugs machte er deutlich, dass die Veranstaltung sich gegen Krieg und Militarisierung richte. Zugleich erinnerte Springhorn an die Geschichte des Ortes. Wenige Tage vor dem 10. April rückten dabei auch die Ereignisse des Jahres 1945 in den Fokus. Er kritisierte, dass über die Befreiung von Unterlüß und die damaligen Geschehnisse aus seiner Sicht zu wenig gesprochen werde und dass es an öffentlicher Erinnerung und Aufklärung für nachfolgende Generationen fehle.
Einen der ersten Redebeiträge hielt Julia von der Gruppe „Gemeinsam Kämpfen“ aus Celle. Sie sprach aus einer feministischen Perspektive über Krieg, Aufrüstung und gesellschaftliche Folgen von Militarisierung. Dabei verband sie Kritik an internationalen Konflikten mit Forderungen nach sozialer Sicherheit, globaler Gerechtigkeit und politischen Lösungen statt weiterer militärischer Eskalation.
Am Bürgerpark sprach Matze vom Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“. Er erinnerte an frühere Aktionen in Unterlüß und ordnete die aktuelle Entwicklung in einen breiteren Zusammenhang von Aufrüstung, Rüstungsindustrie und internationalen Konflikten ein. In seiner Rede nannte er unter anderem Kriege und Krisen im Iran, in Palästina, im Sudan, in Syrien und in der Ukraine. Zugleich verwies er auf antimilitaristische Initiativen in verschiedenen Ländern und rief zur Beteiligung an weiteren Aktionen auf, darunter ein Camp in Köln vom 1. bis 6. September sowie eine Theaterveranstaltung am 5. Juni im Bunten Haus.
Für die „Internationale Jugend“ sprach Lina. Sie rückte die Rolle der Lüneburger Heide als militärisch geprägte Region in den Mittelpunkt. Zwischen Unterlüß und Walsrode, so ihre Darstellung, konzentrierten sich zahlreiche militärische Einrichtungen und Rüstungsstandorte. In ihrer Rede kritisierte sie hohe Ausgaben für Aufrüstung und stellte ihnen Einsparungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Soziales gegenüber. Ihre Schlussfolgerung: Wer sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzen wolle, müsse auch die wirtschaftlichen und politischen Strukturen hinter Kriegen in den Blick nehmen.
Ein weiterer Redebeitrag kam laut Veranstaltern aus dem Umfeld der Antifa Jugend Celle. Ein Name wurde dabei nicht genannt.
Vor Rheinmetall sprach anschließend Dr. Christoph Dembowski von der IPPNW, der Organisation „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“. Der frühere Kinderarzt aus Rotenburg schilderte seine Sicht auf Frieden aus medizinischer Perspektive. Kriege, so Dembowski, zerstörten Lebensgrundlagen und seien auch mit einem noch so gut vorbereiteten Gesundheitssystem nicht zu bewältigen. Er wandte sich gegen die Vorstellung, Gesellschaft und Gesundheitswesen müssten auf künftige Kriege eingestellt werden, und plädierte stattdessen für Dialog, Diplomatie und friedenspolitische Ansätze.
Veronika Hüning von pax christi, der internationalen katholischen Friedensbewegung, setzte sich in ihrer Rede mit kirchlichen Positionen zu Krieg und Frieden auseinander. Sie kritisierte die Lehre vom „gerechten Krieg“ und sprach sich für eine klare Absage an militärische Logiken aus. Am Beispiel des Krieges zwischen Russland und der Ukraine hinterfragte sie Rechtfertigungen für bewaffnete Gewalt und warb für eine Haltung, die sich an Feindesliebe, Gewaltverzicht und zivilem Widerstand orientiere. Unterlüß solle, so ihr Appell, ein Ort des Ungehorsams gegen die Kriegslogik werden.
Andreas Dölle, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Lüchow-Dannenberg, nahm die Rolle der Gewerkschaften in den Blick. Er verwies auf aktuelle Debatten um Sozialabbau, steigende Militärausgaben und politische Prioritäten. Dabei stellte er Forderungen aus dem gewerkschaftlichen Spektrum vor und sprach sich gegen Kürzungsdebatten zulasten von Beschäftigten, Rentnern und sozial benachteiligten Menschen aus. Dölle machte zugleich deutlich, dass es auch innerhalb von Gewerkschaften unterschiedliche Auseinandersetzungen über Aufrüstung und Rüstungsproduktion gebe.
Cicek vom Dachverband der Êzîdischen Frauenräte e. V. (SMJÊ) stellte den Zusammenhang zwischen Kriegserfahrungen, Flucht und Selbstorganisation in den Mittelpunkt. Sie erinnerte an die Erfahrungen von Menschen aus Kurdistan, Syrien, Afghanistan, der Ukraine und anderen Regionen. In ihrer Rede warb sie für politische Lösungen, für einen Friedensprozess in der Türkei und für ein Ende deutscher militärischer Unterstützung. Als Beispiele für alternative gesellschaftliche Modelle nannte sie Şengal, Maxmur und Rojava.
Werner Hensel vom Friedensbündnis Braunschweig zog historische Linien von der deutschen Aufrüstung in den 1930er Jahren bis zu heutigen Debatten über „Kriegstüchtigkeit“ und Rüstungsproduktion. Er verwies auf die Präsenz von Rheinmetall in Unterlüß und anderen Standorten in Niedersachsen sowie auf Veränderungen in Industrie und Arbeitswelt. Dabei kritisierte er, dass wirtschaftliche Unsicherheit und Strukturwandel genutzt würden, um Rüstungsproduktion als Ausweg darzustellen. Hensel sprach sich stattdessen für Investitionen in zivile Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Verkehr und Klimaschutz aus.
Zum Abschluss wurde eine Grußbotschaft der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Margot Käßmann eingespielt. Darin sprach sie sich für Abrüstung, Verhandlungen und Diplomatie aus. Mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten kritisierte sie die aus ihrer Sicht vorherrschende Antwort weiterer Waffenlieferungen. Käßmann warnte davor, militärische Lösungen zur Normalität werden zu lassen, und rief dazu auf, die Friedensbewegung sichtbar zu halten.
Der Ostermarsch in Unterlüß war Teil der bundesweiten Ostermarsch-Bewegung, die an vielen Orten von Karfreitag bis Ostermontag Veranstaltungen organisiert. In Unterlüß richtete sich der Protest insbesondere gegen Aufrüstung, Militarisierung und die Rolle des Rüstungsstandorts Rheinmetall in der Südheide.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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