Donnerstag, 14. Mai 2026

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1. Mai in Celle: Gewerkschaften fordern mehr Lohn und Solidarität

Bei sonnigem Wetter haben sich am heutigen 1. Mai zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Celle zur traditionellen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) versammelt. Der Auftakt erfolgte um 10:30 Uhr mit einer Demonstration am Arno-Schmidt-Platz, bevor ab 11 Uhr die zentrale Kundgebung auf der Stechbahn stattfand.

Dort erwartete die Besucher neben Redebeiträgen auch eine Vielzahl von Informationsständen. Gewerkschaften und Initiativen wie ver.di, IG BAU, IGBCE, GEW, IG Metall sowie politische Gruppen und Organisationen wie SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und attac waren mit Pavillons vertreten und nutzten die Gelegenheit zum Austausch.

Forderungen nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen

Gesa Bangert von ver.di, die bei der Telekom in Hannover tätig ist, stellte aktuelle Tarifforderungen in den Mittelpunkt ihrer Rede. Sie sprach von einer angestrebten Lohnerhöhung von 6,6 Prozent sowie zusätzlichen Verbesserungen für Auszubildende und dual Studierende. Für diese sei unter anderem ein monatlicher Zuschlag von 120 Euro vorgesehen. Zudem verwies sie auf weitere finanzielle Leistungen für Mitglieder.

Bundesweit hätten sich in diesem Jahr rund 10.000 Beschäftigte und Unterstützer an Warnstreiks beteiligt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Bedeutung gewerkschaftlicher Arbeit

Simone Hoffmeister, seit Februar 2026 Bezirksvorsitzende der IG BAU für Nordostniedersachsen, erinnerte in ihrer Rede an die historischen Errungenschaften der Arbeiterbewegung. Arbeitsrechte wie Tarifverträge oder der Acht-Stunden-Tag seien nicht selbstverständlich, sondern Ergebnis langjähriger Auseinandersetzungen.

Sie verwies zudem auf die Situation in verschiedenen Branchen. Beschäftigte im Baugewerbe, in der Gebäudereinigung und im Forstbereich leisteten grundlegende Arbeit für die Gesellschaft, stünden jedoch häufig unter hohem Druck und erhielten nicht immer die entsprechende Anerkennung.

Kritik an wirtschafts- und sozialpolitischen Entwicklungen

Michael Linnartz von der IGBCE nahm in seiner Ansprache aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen in den Blick. Er äußerte sich kritisch zu Debatten über Einschnitte bei Arbeitsrechten und Sozialleistungen. Vorschläge, den 1. Mai als Feiertag infrage zu stellen, bezeichnete er als Zeichen fehlender Nähe zur Lebensrealität vieler Beschäftigter.

Zudem verwies Linnartz auf strukturelle Herausforderungen wie steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheiten und den Verlust industrieller Arbeitsplätze. Gleichzeitig betonte er die hohe Arbeitsleistung der Beschäftigten, etwa durch Überstunden, und forderte eine gerechtere Verteilung von Belastungen und Chancen.

Situation im Bildungsbereich im Fokus

Nina Aßmus von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Lehrerin am Hölty-Gymnasium Hambühren und Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes Celle, richtete den Blick auf den Bildungssektor. Sie berichtete von Personalmangel und strukturellen Problemen an Schulen im Landkreis.

Die Unterrichtsversorgung an Oberschulen liege im Durchschnitt bei rund 86 Prozent, wodurch Unterrichtsausfälle und Einschränkungen im Ganztagsangebot entstünden. Gleichzeitig verwies sie auf Erfolge in Tarifverhandlungen, die zu Gehaltssteigerungen geführt hätten.

Aßmus betonte die Bedeutung von Investitionen in Bildung und Demokratieerziehung. Schulen, Kitas und kulturelle Einrichtungen seien zentrale Orte für gesellschaftlichen Austausch und müssten entsprechend gestärkt werden.

Breites Bündnis und offener Austausch

Neben den Redebeiträgen nutzten viele Besucher die Gelegenheit zum Gespräch an den Ständen. Die Stechbahn entwickelte sich im Laufe des Vormittags zu einem Treffpunkt für Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen sowie für politisch und gesellschaftlich Engagierte.

Die Veranstaltung stand unter dem bundesweiten Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Dieses zog sich als roter Faden durch die Beiträge und Gespräche vor Ort. Die Organisatoren zeigten sich zufrieden mit der Beteiligung und dem Verlauf der Kundgebung.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

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