Tag der Befreiung: Mahnwache in Eschede setzt Zeichen gegen Rechtsextremismus
Mit einer Mahnwache auf dem Bahnhofsvorplatz in Eschede erinnerten am Freitag rund 35 Teilnehmende an das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede unter dem Motto „Gemeinsam erinnern, Demokratie stärken, Zeichen setzen“.





Die Versammlung verlief ruhig. Inhaltlich standen die historische Bedeutung des 8. Mai sowie aktuelle Entwicklungen im Umgang mit Rechtsextremismus im Mittelpunkt.
Sascha Alius, Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus, bezeichnete den 8. Mai in seiner Rede als „Tag der Befreiung von Unrecht, Terror und einer Ideologie, die Menschen nach Herkunft, Glauben und Leben bewertet hat“. Zugleich zog er den Bogen zur Gegenwart und ging auf die Situation in Eschede ein.
Dabei verwies er auf den sogenannten „Heimathof“, der über Jahre hinweg bundesweit als Treffpunkt der rechtsextremen Szene bekannt geworden war. Alius sprach von Schulungen, Feiern und Treffen rechtsextremer Gruppen, die dort stattgefunden hätten. Dass die Nutzung des Geländes inzwischen durch den Landkreis Celle untersagt wurde, wertete er als Erfolg zivilgesellschaftlichen Engagements. Zugleich warnte er davor, rechtsextreme Strukturen zu unterschätzen. Diese verschwänden nicht automatisch mit dem Wegfall eines Veranstaltungsortes.
Alius erinnerte außerdem daran, dass rechtsextreme Gruppierungen zuletzt auch bei öffentlichen Veranstaltungen in Eschede Präsenz gezeigt hätten. Er sprach von einer Strategie, öffentliche und gesellschaftliche Räume gezielt zu besetzen und Normalität zu suggerieren. Der 8. Mai sei deshalb nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch ein Tag der Verantwortung für die Gegenwart.
Mehrfach griff der Redner Zitate bekannter Autoren und Zeitzeugen auf, darunter Erich Kästner, Primo Levi und Bertolt Brecht. Dabei warnte er vor Gleichgültigkeit und Geschichtsvergessenheit. Demokratie müsse aktiv verteidigt werden, sagte Alius. Sie beginne „in unseren Städten, in unseren Dörfern, auf unseren Plätzen – auch in Eschede“.
Auch Pastor i.R. Wilfried Manneke sprach bei der Mahnwache. In seiner Ansprache setzte er sich ausführlich mit dem Umgang rechtsextremer Gruppen mit dem 8. Mai auseinander. Unter dem Leitgedanken „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ kritisierte er Versuche, die nationalsozialistische Vergangenheit umzudeuten oder die deutsche Kriegsschuld zu relativieren.
Manneke verwies unter anderem auf rechtsextreme Aufmärsche in Städten wie Demmin, Wunsiedel oder Bad Nenndorf. Dort hätten Neonazis in der Vergangenheit versucht, historische Ereignisse für eigene politische Narrative zu nutzen. Der ehemalige Pastor erinnerte daran, dass Rechtsextreme den 8. Mai vielfach nicht als Tag der Befreiung, sondern als „Tag der Schande“ bezeichneten.
In diesem Zusammenhang griff Manneke auch Äußerungen der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel auf, die den 8. Mai in einem Fernsehinterview als „Niederlage des eigenen Landes“ bezeichnet hatte. Dem stellte er die bekannte Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 gegenüber, in der dieser den 8. Mai ausdrücklich als „Tag der Befreiung“ bezeichnet hatte.
Der Redner warnte davor, Geschichtsumdeutungen unwidersprochen stehen zu lassen. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sowie an die Folgen des Zweiten Weltkriegs dürfe nicht relativiert werden. Manneke sprach sich zudem deutlich gegen rechtsextreme Aktivitäten in Eschede und darüber hinaus aus.
Weitere Redebeiträge gingen auf aktuelle Ermittlungen gegen mutmaßlich rechtsextreme Gruppierungen ein. Hintergrund sind jüngste Durchsuchungen und Ermittlungsmaßnahmen in mehreren norddeutschen Bundesländern, darunter auch in Celle-Klein Hehlen. Sicherheitsbehörden waren zuletzt gegen ein Netzwerk vorgegangen, dem rechtsextreme und staatsfeindliche Aktivitäten vorgeworfen werden.
Zum Abschluss der Mahnwache wurde erneut betont, dass Erinnerungsarbeit und demokratisches Engagement auch 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiterhin notwendig seien.
Am Ende der Mahnwache wurde zudem auf eine weitere Veranstaltung zum Tag der Befreiung hingewiesen. Unter dem Titel „Wo Hoffnung singt – Stimmen des Friedens“ findet am Freitag, 9. Mai, von 17 bis 18 Uhr ein Konzert mit gemeinsamem Singen in der Johanniskirche Eschede statt. Organisiert wird die Veranstaltung von engagierten Initiativen und Vereinen aus der Südheide. Neben musikalischen Beiträgen soll insbesondere das gemeinsame Erinnern sowie ein sichtbares Zeichen für Frieden, Freiheit und demokratische Werte im Mittelpunkt stehen. Veranstalterin Anastasia Novos betont die Bedeutung von Begegnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt gerade in angespannten Zeiten. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, mitzusingen und sich an der Veranstaltung zu beteiligen.
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Sascha Alius
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