„Er ist wieder da!“ – Albrecht Thaer erstrahlt in neuem Glanz
Er hat einfach gefehlt, die Celler freuen sich, dass „ihr“ Albrecht Thaer (1752-1828) zurück ist – zum Leidwesen der beiden Albrecht-Thaer-Vereine zwar nicht am richtigen Platz, aber dennoch ruft der Geschäftsführer der Albrecht-Thaer-Gesellschaft e.V. Hannover, Dr. Franz-Peter Engling, aus: „Ist ja wirklich schön, gefällt mir sehr gut“, als die Statue nach rund anderthalbstündiger Montagearbeit wieder auf seinem Sockel steht, und zwar in komplett restaurierter Form. Etliche Passanten bleiben stehen, schauen. „Er ist wieder da!“, ist zu hören.






Im August 2025 war der in Marmor gemeißelte Begründer der modernen Landwirtschaft ohne Ankündigung von Seiten der Stadt vom Steinmetz- und Restaurationsbetrieb Tim Pahl aus Wedel demontiert und abtransportiert worden. Den Auftrag hatte die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer e.V. Möglin erteilt, dessen Mitglied Jürgen Lindhorst von der Lindhorst-Gruppe die Kosten einer Rundumaufbereitung übernahm. „Er war sehr verschmutzt von Rußpartikeln, Algen, Moosen und Blütenstaub, außerdem wies der Marmor feine Haarrisse in der Schulter auf, was eine Angriffsfläche für das Eindringen von Wasser darstellt“, berichtet Tim Pahl, der gemeinsam mit seinem Team das von Ferdinand Hartzer (1838 geb. in Celle) geschaffene Kunstwerk nach Celle zurückbrachte.
Mit auf 130 Grad erhitztem Wasserdampf, angereichert mit Wasserstoffperoxid, wurde die Oberfläche gereinigt und anschließend mit einer Bürste von Hand „nachgeschrubbt“. „So ein Objekt darf man nicht mit einem Hochdruckreiniger bearbeiten, das lässt die Oberfläche porös werden“, erläutert der Fachmann. Die Risse hat er mit einer Art von Marmormehl mittels einer Spritze verschlossen. Eine spezielle Schutzschicht wurde nicht aufgetragen. „Wenn etwas passiert, bekommen wir Farbe jedoch herunter“, fügt Pahl vor dem Hintergrund, dass die Skulptur schon einmal Ziel eines Farbanschlags geworden ist, hinzu. Ein Finger war abgebrochen, diesen hat der Chef eines Sechs-Mann-Betriebes mit Restaurationsmörtel nachgebildet.
Die beiden Repräsentanten der Albrecht-Thaer-Gesellschaft Hannover sowie der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer Möglin, Dr. Franz-Peter Engling und Burkhard Diercks, begleiteten die Wiederaufstellung. Beide zeigten sich enttäuscht über die Rückkehr an den alten Standort. „Für uns war der Antrag von Dr. Jörg Rodenwald (Zukunft Celle), zu prüfen, ob es einen geeigneteren Standort für das Kunstwerk gebe als diese vielbefahrene Kreuzung, ein Impuls“, berichtet Burkhard Diercks und fügt hinzu: „Wir haben die Kommunalpolitiker einzeln angeschrieben und über unseren Wunsch nach einem auch touristisch attraktiveren Platz informiert.“ Den Arno-Schmidt-Platz vor der Stadtbibliothek hält er für geeignet, auch weil sich in dem Gebäude einst das Thaer-Seminar befand und wo Gästeführer Halt machen würden. Der Schlosspark, in dem Thaer von 1960 bis 1998 schon einmal stand, gehört für Diercks nicht zur engeren Wahl, die Stadtverwaltung hatte von Vandalismus berichtet, außerdem sei der Park ein Gartendenkmal. Dr. Franz-Peter Engling favorisiert den Park hingegen im Namen der Albrecht-Thaer-Gesellschaft Hannover nach wie vor, wichtig ist ihm allerdings auch ein Blick in die Zukunft.
„Wir haben zwei bedeutende Thaer-Jahre vor uns“, betont Engling vor dem Hintergrund, dass Albrecht Thaer am 14. Mai 2027 seinen 275igsten Geburtstag feiert. „Es wird hier in der Union eine Festveranstaltung geben. Die Planungen für das Jubiläum laufen jetzt an.“ Im Jahr darauf wird der 200. Todestag begangen. „Hierfür sind wir in Möglin zuständig“, berichtet Burkhard Diercks.
Im Zusammenhang mit der Diskussion um einen Alternativstandort war in der Kommunalpolitik die Frage gestellt worden, wer eigentlich der Eigentümer des Thaer-Denkmals sei. Die Stadtverwaltung gab an, es sei die Albrecht-Thaer-Gesellschaft Hannover. Am Rande der Wiederaufstellung ließ Dr. Franz-Peter Engling verlauten, dass es eine abschließende Antwort wohl niemals geben wird: „Wir haben unsere Archive durchsucht, dafür, dass wir die Eigentümer sind, aber keine Belege gefunden.“
Ginge es nach dem Neuen Rathaus, würde das Thaer-Denkmal langfristig nach einer Umgestaltung des Thaerplatzes zurückkehren an seinen historischen Standort in den Triftanlagen, hier war es 1873 anlässlich des 45. Todestages errichtet worden. Die Politik erklärte sich mit dieser Vorfestlegung nicht einverstanden. Ob überhaupt und ggfs. wohin der in Marmor gemeißelte Albrecht Thaer irgendwann einmal verbracht wird, ist ungewiss. Steinmetz Tim Pahl hat die Diskussion verfolgt und merkt an: „Rufen Sie an, wenn er wieder umgesetzt werden soll, wir übernehmen das.“
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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