Schlosskapelle wird wieder zugänglich – Dauerausstellung im Südturm des Schlosses in Planung
Als „Gesamtkunstwerk von europäischem Rang“ und „einen unfassbar authentischen Ort“ bezeichnet die Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr.-Ing. Christina Krafczyk, die Celler Schlosskapelle während der gestrigen Veranstaltung „MehrWert als du denkst – am Beispiel der Celler Schlosskapelle“, die vom Landesamt im Rittersaal des Schlosses ausgerichtet wurde.



Zu Beginn des Jahres war der Kirchenraum vier Monate lang geschlossen, um eine konservatorisch-restauratorische Reinigung vorzunehmen. Anhand zahlreicher Fotos berichteten die Restauratoren Christina Achhammer und Dietrich Wellmer über diese sehr aufwendige und schwierig durchzuführende Maßnahme. Anschließend kam die Leiterin des Residenzmuseums Juliane Schmieglitz-Otten zu Wort, und sie hatte Neuigkeiten im Gepäck, die sie ans Ende ihres Vortrags „Die Schlosskapelle im Kontext des Celler Schlosses“ stellte. Seit 1995 war die im Jahr 1485 erstmals als Kirchenraum genutzte Kapelle nicht mehr öffentlich zugänglich, eine Glaswand musste eingezogen werden, als zu groß hatten sich die Schäden erwiesen, die durch Besucher-Führungen entstanden waren. „Es konnte so nicht weitergehen“, blickt Schmieglitz-Otten zurück. Der Einbau der Glaswand war nicht unumstritten, er wurde als Reduktion der Erlebbarkeit eines Denkmals empfunden, die Maßnahme war jedoch unerlässlich.
Rund 30 Jahre später kann die Leiterin des Residenzmuseums als Zukunftsszenario verkünden, dass der Kirchenraum unter Einhaltung strenger Auflagen wieder zugänglich werden kann. Ergänzt wird das unmittelbare Erleben der Schlosskapelle durch eine Dauerausstellung direkt über dem Kirchenraum im Südflügel des Schlosses. Diese wird die Informationen liefern, die während des Besuchs nicht vermittelt werden können. „So ertüchtigt wie sie jetzt ist, wäre zweimal täglich für maximal 20 Minuten die Führung von Gruppen bis zu fünf Personen möglich“, kündigt Juliane Schmieglitz-Otten an. Die Gäste dürften allerdings nicht umherlaufen, sie müssen feste Plätze einnehmen und erhalten Gelegenheit, das Gesamtkunstwerk auf sich wirken zu lassen.
NEUES GESAMTNUTZUNGSKONZEPT
Nach dem Auszug der Deutschen Management-Akademie stehen einige Räume im Schloss leer. Dieses eröffnet neue Möglichkeiten für ein neues Gesamtnutzungskonzept. „Wir werden die Kapelle einbinden in einen größeren Kontext“, kündigt die Leiterin des Residenzmuseums an. Das Schloss befindet sich im Eigentum des Landes Niedersachsen, für die Bauunterhaltung ist das Staatliche Baumanagement zuständig, die Baudenkmalpflege liegt in Händen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dieses möchte eine Nebenstelle im Celler Schloss einrichten. „Es ist kein Stadtschloss, sondern ein Landesschloss“, betont Schmieglitz-Otten. „Es wird in jedem Fall eine Landesnutzung geben“, sagt Architekt Marten Meyer-Bothling vom Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide. Auch der Einzug der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten steht noch im Raum. „Zunächst sind wir dabei, die leerstehenden Räume zu renovieren“, berichtet der Architekt und ergänzt, dass viele Formen der Nutzung, die früher üblich waren, gar nicht mehr in Frage kämen.
Nachdem die Kapelle nur noch durch die Glaswand besichtigt werden konnte, blieben die Verantwortlichen nicht untätig. Ziel war es, eine Lösung zu finden innerhalb des Spannungsfeldes „Wunsch nach Öffnung“ und der „Aufgabe der Bewahrung“. Zunächst wurde unterhalb des protestantischen Kirchenraumes eine Be- und Entlüftungsanlage eingebaut, dieses dauerte Jahre, sorgt mittlerweile jedoch für ein stabiles Klima in der „Perle des Schlosses“. Anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation in Celle“ im Jahr 2015 bemühte sich das Team des Residenzmuseums, die Kapelle für die Ausstellung „Zwischen Macht und Frömmigkeit“ mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Unter anderem erstellte man 3D-Animationsfilme. Im Jahr 2017 begannen die Experten mittels eines Modellprojektes nach einem denkmalverträglichen „Nutzungs“-Konzept zu suchen.
Die aktuellen Mitteilungen von Juliane Schmieglitz-Otten, eine Dauerausstellung einzurichten und die Kapelle zukünftig wieder unmittelbar erleben zu können, lassen sich als Ergebnis interpretieren. An die zahlreich erschienenen Gäste im Rittersaal gewandt sagt sie: „Wir werden Sie auf dem Weg dahin mitnehmen, wir informieren Sie regelmäßig.“
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht, privat
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