Samstag, 10. Oktober 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Blue Diamonds verteidigen Titel bei German Music Championships in Celle

Musik aus vier Nationen, rund 600 Aktive, ein erstmals ausgetragenes Drumline Battle und am Ende ein Heimsieg für die Gastgeber: Die zweiten German Music Championships im Günther-Volker-Stadion haben Celle am Samstag über Stunden in eine Bühne für moderne Show- und Marschmusik verwandelt. Den sportlichen Höhepunkt aus regionaler Sicht setzten die Blue Diamonds Drum & Bugle Corps aus Nienhagen. Mit 80,40 Punkten entschieden sie die Premier Class für sich und verteidigten damit ihren im Vorjahr in Celle gewonnenen Titel. Dabei sicherten sie sich zugleich sämtliche sechs Einzelwertungen.

Schon am Nachmittag war deutlich geworden, dass die zweite Auflage größer ausfallen würde als die Premiere. 16 Formationen waren für die unterschiedlichen Wettbewerbs- und Präsentationsklassen gemeldet, rund 600 Musikerinnen, Musiker und weitere Aktive wurden erwartet. Erstmals war das Teilnehmerfeld international besetzt: Neben deutschen Formationen reisten Gruppen aus den Niederlanden, Belgien und den USA nach Celle. Damit erfüllte sich ein Ziel, das die Blue Diamonds mit der Weiterentwicklung der Meisterschaften verbunden hatten.

Von Nienhagen nach Celle – und gekommen, um zu bleiben

Dass die German Music Championships überhaupt in Celle stattfinden, hängt eng mit der Entwicklung der gesamten Szene zusammen. Im Gespräch am Rande der Veranstaltung schilderte Heiko Hildebrandt, 1. Vorsitzender der Blue Diamonds, wie schwer die Corona-Jahre viele Vereine getroffen hätten. Große Formationen hätten Mitglieder verloren, manche Vereine existierten inzwischen gar nicht mehr. Besonders beim Nachwuchs fehle eine ganze Generation.

Die Blue Diamonds seien vergleichsweise gut durch diese Zeit gekommen. Hildebrandt vermutet einen Grund darin, dass der Verein auch während der Pandemie online engen Kontakt zu seinen Mitgliedern gehalten habe. Dennoch seien die Auswirkungen auch in Nienhagen beim Nachwuchs zu spüren.

Als der vorherige Ausrichter der Meisterschaften wegfiel, habe für ihn deshalb festgestanden, dass gehandelt werden müsse. „Wenn wir jetzt nichts machen, dann kann man das alles beerdigen, dann ist vorbei in dieser Musikszene“, beschrieb Hildebrandt seine damaligen Gedanken.

2025 kamen die Championships erstmals nach Celle – und die Premiere wurde zum Erfolg. In diesem Jahr folgte die zweite Ausgabe, nun mit deutlich größerem und internationalem Feld. Die Blue Diamonds haben bereits angekündigt, die Veranstaltung weiter etablieren zu wollen. In der Ausschreibung für 2026 war das Günther-Volker-Stadion erneut ausdrücklich als Austragungsort gesetzt.

Warum Celle und nicht unmittelbar Nienhagen? Auch darauf gab Hildebrandt eine praktische Antwort. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung braucht es Tribünen, ausreichend Platz, Flutlicht und eine entsprechende Infrastruktur. Rund um das Günther-Volker-Stadion konnten zudem weitere Flächen genutzt werden. Die Nienburger Straße beziehungsweise angrenzende Bereiche wurden für die zahlreichen Busse und Lkw der Formationen benötigt, das Walter-Bismarck-Stadion diente als Warm-up-Bereich.

So war die Veranstaltung längst nicht auf das eigentliche Wettkampffeld beschränkt. Über weite Teile des Areals wurde geprobt, Instrumente wurden vorbereitet und Gruppen machten sich für ihre Auftritte bereit. Hinzu kamen Gastronomie- und Getränkestände sowie Merchandise-Angebote. Auch die niederländische Color-Guard-Szene war mit einem Informationsstand vertreten.

Unterstützung aus Politik und Verwaltung

Bei der offiziellen Eröffnung dankte Hildebrandt zunächst den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die eine Veranstaltung dieser Größenordnung überhaupt erst möglich machten. Bereits am Vortag sei intensiv aufgebaut worden. Er erinnerte zugleich an einen Schreckmoment im Mai, als das Stadiondach durch einen Schaden in Mitleidenschaft gezogen worden war. Rechtzeitig zu den Meisterschaften konnte die Situation soweit behoben werden, dass die Veranstaltung stattfinden konnte.

Unter den Gästen befanden sich auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung. Landrat Axel Flader zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlichen Einsatz der Blue Diamonds.

„Ich finde das großartig, was die Blue Diamonds hier auf die Beine stellen“, sagte Flader. Wenn eine solche Veranstaltung vollständig aus einem Verein heraus organisiert und getragen werde, sei das eine bemerkenswerte Leistung. Die Wirkung reiche nach seiner Einschätzung weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Gerade die internationale Beteiligung passe zu Celle. Flader verwies dabei auch auf die traditionell internationalen Verbindungen der Stadt und des Landkreises. Dass Menschen aus mehreren Ländern für die Meisterschaften anreisten, sei zudem ein touristischer Gewinn. Er hoffe deshalb, dass die Veranstaltung auch in den kommenden Jahren in Celle stattfinde und sich weiter etabliere.

Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Sommer richtete den Blick insbesondere auf die Heimat der Blue Diamonds. Der Verein ist in Nienhagen und damit in der Samtgemeinde Wathlingen verwurzelt. Sie würdigte das Engagement der Organisatoren und der vielen Menschen im Hintergrund und hob zugleich die Nachwuchsarbeit hervor. Die Blue Diamonds brächten Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen und ermöglichten jungen Talenten, ihr Können vor großem Publikum zu zeigen.

16 Formationen und mehrere Wettbewerbskonzepte

Moderator Carsten Helms führte durch einen langen Wettbewerbstag, der musikalisch ausgesprochen unterschiedliche Formate zusammenbrachte.

In der Junior Class standen die Nachwuchsformationen im Mittelpunkt. Die Concert Class richtete sich dagegen an Ensembles ohne Showprogramm. Hinzu kam die SoundSport Class. SoundSport ist ein vom amerikanischen Drum Corps International entwickeltes Format, das Ensembles unterschiedlicher Instrumentierung und Altersstruktur eine niedrigschwellige Möglichkeit für bewertete Auftritte bietet.

Eine besondere Premiere in Celle war das Drumline Battle. Hier stehen sich zwei Percussion-Ensembles unmittelbar gegenüber. Es geht nicht allein um musikalische und rhythmische Präzision. Die Gruppen versuchen auch mit Show, technischen Tricks, Körpersprache und bewusstem „Posen“, das Gegenüber und das Publikum zu beeindrucken. Die Veranstalter beschreiben das Format als energiegeladenen direkten Wettbewerb zweier Percussion-Ensembles.

Helms brachte das Prinzip vor dem Wettbewerb auf eine einfache Formel: Es dürfe durchaus provoziert und „dicke Hose“ gemacht werden – allerdings auf freundschaftlicher Ebene. Zwei Runden wurden gespielt, anschließend entschied die Jury unmittelbar.

Phoenix gewinnt die Drumline-Battle-Premiere

Bei der Premiere standen sich die Stuttgart Legacy Drumline und das Phoenix Performance Ensemble gegenüber. Am Ende fiel die Entscheidung eindeutig aus: Alle drei Jurymitglieder votierten für Phoenix Performance Ensemble, das damit als erster Drumline-Battle-Sieger der German Music Championships in Celle feststeht.

Phoenix war nicht ohne Wettbewerbserfahrung nach Celle gekommen. Das Ensemble tritt mit verschiedenen Formationen in Deutschland und den Niederlanden an; erst im März hatte Phoenix Winds bei einem Indoor-Wettbewerb in Eindhoven einen Klassensieg gefeiert. Das Drumline Battle in Celle war im eigenen Veranstaltungskalender des Ensembles für den 5. September aufgeführt.

Niederländischer Nachwuchs dominiert Junior Class

Sportlich begann die Siegerehrung mit der Junior Class. Dort setzte sich Jong Jubal Drum & Bugle Corps aus Dordrecht mit 74,30 Punkten deutlich durch. Die Showband Rastede Youngstars belegte mit 59,65 Punkten den zweiten Platz.

Jong Jubal überzeugte die Jury dabei auf ganzer Linie. Sämtliche sechs sogenannten Caption Awards – die Einzelwertungen High Visual, High Auxiliary, High Percussion, High Brass, High Music und High Effect – gingen an die Niederländer.

Damit zeigte sich bereits in der Nachwuchsklasse, welchen sportlichen Mehrwert das internationale Teilnehmerfeld für die zweite Auflage in Celle brachte.

Nur 2,8 Punkte zwischen Platz eins und drei

Wesentlich enger verlief die Entscheidung in der Concert Class. Gerade einmal 2,8 Punkte trennten den Sieger vom Drittplatzierten.

Den Titel holte die Showband Spirit of 52 mit 75,20 Punkten. Auf Rang zwei folgte das Blue Bandits Drum & Music Corps mit 73,40 Punkten, während die Flying Drums mit 72,40 Punkten den dritten Platz belegten.

Spirit of 52 sicherte sich zudem die Einzelwertungen High Percussion, High Brass, High Music und High Effect. Der Award für High Auxiliary ging an die Flying Drums.

Belgischer Sieg in der SoundSport Class

Fünf Formationen gingen in der SoundSport Class an den Start. Anders als in klassischen Platzierungswettbewerben spielte hier auch die Einstufung in Gold und Silber eine Rolle. Die Teilnehmer hatten sich jedoch darauf verständigt, dass zusätzlich die erzielten Punktzahlen veröffentlicht werden sollten – wodurch sich auch eine klare Rangfolge ergab.

Den fünften Platz belegte der Fanfarenzug Allertal mit 71,15 Punkten und Silber. Die Stuttgart Legacy Drumline kam mit 77,25 Punkten ebenfalls auf Silber und Rang vier. Beatrix‘ erreichte mit 81,50 Punkten den dritten Platz und ebenfalls Silber.

An der Spitze wurde es eng. Das Fanfarecorps Laatzen erreichte 87,00 Punkte und Gold. Nur 1,63 Punkte mehr erzielte DrumSpirit Entertainment aus Belgien. Mit 88,63 Punkten ging der Sieg damit nach Belgien.

Die SoundSport Class unterstrich damit besonders deutlich den internationalen Charakter des Tages: Deutsche und ausländische Formationen standen im unmittelbaren Wettbewerb miteinander.

„Mirror, Mirror“ gegen „Pandora“

Dann richtete sich der Blick auf die höchste Wettbewerbsklasse des Abends. In der Premier Class standen sich nur zwei Formationen gegenüber – dafür ging es um den wichtigsten Titel des Tages.

Als erster Starter betrat das Brass & Drum Corps Kriftel das Feld. Die Hessen präsentierten ihre Show „Pandora – Tales of the Na’vi“. Inhaltlich führte das Programm in eine Welt, in der Naturverbundenheit und Gemeinschaft auf menschliches Macht- und Gewinnstreben treffen. Aus Begegnung entsteht Konflikt, aus der Bedrohung schließlich Widerstand und die Erkenntnis, dass Zusammenhalt stärker sein kann als Gewalt.

Das Corps aus Kriftel verfügt über langjährige Wettbewerbserfahrung. Nach Angaben des Vereins nimmt die Formation seit 2014 regelmäßig an Meisterschaften teil und wurde 2019 mit der Show „Tarzan“ erstmals Deutscher Meister. Der Verein orientiert sich in Musik, Marsch und visueller Gestaltung an Marching Bands und Drum & Bugle Corps.

Danach gehörte das Feld den Gastgebern.

Schon die Anmoderation machte deutlich, dass dieser Auftritt für viele Zuschauer einen besonderen Stellenwert hatte. Die Blue Diamonds Drum & Bugle Corps aus Nienhagen hatten nicht nur über Monate ihre eigene Show vorbereitet – ihr Verein stemmte gleichzeitig die Organisation des gesamten Meisterschaftstages.

Ihr diesjähriges Programm trägt den Titel „Mirror, Mirror“. Die Show erzählt eine deutlich persönlichere Geschichte als das Programm der Konkurrenz. Im Mittelpunkt steht die Reise durch das eigene Spiegelbild: Eine Person wird mit schmerzhaften Erinnerungen und einer Vergangenheit konfrontiert, der sie eigentlich entkommen möchte. Aus Angst und innerem Kampf entwickelt sich allmählich Akzeptanz. Die Vergangenheit wird nicht länger als etwas verstanden, vor dem man fliehen muss, sondern als Teil der eigenen Entwicklung. Am Ende steht eine gefestigte Persönlichkeit, die ihrem Spiegelbild ohne Angst begegnen kann.

Für die Blue Diamonds war es zugleich ein weiterer großer Auftritt in einer erfolgreichen Saison: Im Juli hatte die Formation beim World Music Contest im niederländischen Kerkrade den vierten Platz erreicht.

80,40 Punkte und alle Einzelwertungen

Bei der Siegerehrung wurde schließlich klar, dass die Blue Diamonds ihre Doppelrolle als Veranstalter und Wettbewerber erfolgreich bewältigt hatten.

Das Brass & Drum Corps Kriftel erreichte 72,45 Punkte und belegte damit Platz zwei.

Mit 80,40 Punkten gingen der Sieg und der Titel in der Premier Class erneut an die Blue Diamonds.

Doch nicht allein der Abstand von 7,95 Punkten machte den Erfolg deutlich. Wie Jong Jubal in der Junior Class gewannen die Nienhagener sämtliche sechs Caption Awards: High Visual, High Auxiliary, High Percussion, High Brass, High Music und High Effect.

Damit verteidigten die Blue Diamonds ihren Titel aus dem Vorjahr. Schon bei der Premiere der German Music Championships 2025 in Celle hatten sie die Premier Class gewonnen. Damals folgten Spirit of 52 und Kriftel auf den weiteren Plätzen.

Eine Meisterschaft mit Perspektive

Für Mitorganisator Patrick Groß, zweiter Vorsitzender der Blue Diamonds, war bereits am Nachmittag klar, dass sich die Veranstaltung gegenüber dem ersten Jahr weiterentwickelt hatte. Neben dem größeren Teilnehmerfeld hob er vor allem die internationale Beteiligung hervor. Mit Formationen aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und den USA sei aus der zunächst national ausgerichteten Veranstaltung bereits im zweiten Jahr ein internationaler Treffpunkt geworden.

Auch die Rahmenbedingungen seien gewachsen. Erstmals war ein professionelles Videoteam aus den Niederlanden vor Ort, das die Shows aufzeichnete. Bereits im Vorfeld hatten die Veranstalter angekündigt, dass VideoVault die Veranstaltung professionell dokumentieren werde.

Hildebrandt rechnete mit einem Publikumszuspruch in ähnlicher Größenordnung wie im vergangenen Jahr. Rund 700 Karten seien im Vorverkauf abgesetzt worden, etwa 300 weitere Besucher wurden an der Tages- beziehungsweise Abendkasse erwartet. Hinzu kamen Angehörige und Begleiter der Formationen. Gerade das Fachpublikum bleibe häufig über viele Stunden im Stadion, berichtete Patrick Groß.

Die Unterstützung aus Celle spielt für die weitere Entwicklung eine zentrale Rolle. Stadt, Stadionbetreiber, Politik, Sponsoren, Förderer und Ehrenamtliche ermöglichen eine Veranstaltung, deren organisatorischer Aufwand weit über den eigentlichen Wettbewerb hinausgeht.

Und die Veranstalter denken bereits über das einzelne Wochenende hinaus. Schon im offiziellen Grußwort wurde formuliert, dass die German Music Championships künftig alljährlich am ersten Septemberwochenende in Celle etabliert werden sollen.

Nach zwei Auflagen beginnt damit tatsächlich das, was Hildebrandt und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr zunächst nur erhoffen konnten: Aus einer kurzfristig übernommenen Meisterschaft entwickelt sich eine feste Veranstaltung für Celle.

Der sportliche Schlusspunkt hätte für die Gastgeber kaum passender ausfallen können. Nachdem sie tagsüber dafür gesorgt hatten, dass 16 Formationen eine Bühne bekamen, standen die Blue Diamonds am späten Abend selbst ganz oben: Premier-Class-Sieger, 80,40 Punkte und sechs von sechs Caption Awards.

Aus dem Versuch, eine angeschlagene Musikszene am Leben zu halten, ist damit binnen zwei Jahren eine Veranstaltung geworden, zu der Musikerinnen und Musiker aus mehreren Ländern nach Celle reisen. Und wenn es nach Organisatoren und Unterstützern geht, soll das erst der Anfang einer neuen Celler Septembertradition sein.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler Presse

Hinweis zu der Meldung
Diese Seite zeigt gesponsorten Marketing-Inhalt, Quell- und Informationslinks sowie extern eingespielte Banner und Flash-Anzeigen.

Anzeige


Anzeige