Lernen aus der Vergangenheit heißt, die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft besser zu gestalten
Am Freitag, den 4. September, machten sich 15 Menschen aus Celle und Eschede gemeinsam auf den Weg zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Der Caritasverband Celle und die InitiativeZusammen hatten die Fahrt, die Begleitung sowie die Führung durch die Gedenkstätte organisiert.
Die Gruppe war vielfältig: Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte kamen miteinander ins Gespräch. Deutsche aus Eschede trafen auf Menschen, deren Herkunft in Somalia, Ruanda, Syrien oder Pakistan liegt. Was sie verband, war das gemeinsame Interesse an der Geschichte des Ortes und die Frage, was wir aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft lernen können.
Bereits am Freitag zuvor hatten sich einige Teilnehmende bei einem Informationsvormittag im Migrationsprojekt in Vorwerk auf den Besuch vorbereitet. Dabei ging es nicht nur um die Geschichte des Nationalsozialismus und des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Im Mittelpunkt stand auch die Frage: Was geschieht in einer Gesellschaft, wenn Menschen ausgegrenzt, entmenschlicht, gequält und getötet werden? Welche gesellschaftlichen Dynamiken können dazu führen, dass Ausgrenzung und Gewalt möglich werden?
Dabei wurde deutlich, dass viele der angesprochenen Themen auch aus den Herkunftsländern der Teilnehmenden bekannt sind. Es wurde über Kriege und Genozide in Somalia, Ruanda, Syrien und anderen Ländern gesprochen und darüber, wie dort mit der eigenen Vergangenheit umgegangen wird. So entstanden Verbindungen zwischen der Geschichte Deutschlands und den Erfahrungen anderer Gesellschaften.
Der Besuch in Bergen-Belsen vermittelte viele neue Informationen und Perspektiven. Auch für diejenigen, die in der Region leben und die Gedenkstätte bereits häufiger besucht haben, gab es neue Aspekte und Erkenntnisse.
Besonders eindrucksvoll war jedoch auch das Miteinander innerhalb der Gruppe. Es wurde aufeinander Rücksicht genommen, gewartet, bis eine Übersetzung in die jeweilige Herkunftssprache möglich war, und Begriffe wurden erklärt, die einzelnen Teilnehmenden zuvor nicht bekannt waren. So entstand neben der Auseinandersetzung mit der Geschichte ein Gemeinschaftsgefühl.
Der Besuch wirkt nach. Die Fragen nach Ausgrenzung, Menschenwürde, Erinnerung und dem Umgang mit Gewalt beschäftigen die Teilnehmenden weiterhin. Denn aus der Vergangenheit zu lernen bedeutet nicht nur, zurückzublicken – sondern die Gegenwart besser zu verstehen und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Marlies Petersen
Foto: Marlies Petersen
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