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ALTENCELLE. Noch ist es nur ein Förderantrag an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. 193.714 EURO sollen von 2011 bis 2014 bewilligt werden, um in Altencelle dem alten Celle „Tsellis“ auf die Spur zu kommen. Eine Entscheidung wird im Februar 2011 erwartet, und dann könnte es im April/Mai 2011 losgehen. 

Das von den Antragstellern Professor Dr. Karl-Heinz Willroth aus Göttingen und Dr. Jan Joost Assendorp, Lüneburg, initiierte Forschungsvorhaben sieht vor, die bisher bekannten Fundplätze in Altencelle präzise zu datieren und ein sicheres Fundament für die Erforschung der Siedlungsentwicklung zu bilden. Neben einer Neubewertung der bisherigen Dokumentationen und Funde sind hierfür gezielte Prospektionen und Ausgrabungen notwendig. 

Mit der wissenschaftlichen Projektdurchführung ist Dr. Cornelia Lohwasser betraut worden. Sie hat im März 2010 ihre Promotionsprüfung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erfolgreich abgeschlossen. Seit mehreren Semestern ist sie dort als Dozentin tätig; sie gewann fundierte Praxiserfahrungen während zahlreicher Ausgrabungen im In- und Ausland. Lohwasser hat sich am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters intensiv mit Funden und Befunden des frühen und späten Mittelalters auseinandergesetzt. 

Prädestiniert für das Vorhaben in Altencelle, hat sie nun zusammen mit Jan Joost Assendorp das Projekt in einer Pressekonferenz vorgestellt. Wenn es im nächsten Jahr in Altencelle an der Haustür klingelt, kann es durchaus Cornelia Lohwasser sein oder ein anderer archäologischer Mitarbeiter. Vorgesehen ist die Befragung von Grundstückseigentümern, ob denen in ihrem Garten forschungsrelevante Fundstücke aufgefallen sind. Folgender Fragestellung will man auf den Grund gehen: 

Wo genau lag die Vorgängersiedlung des heutigen Celle und wie groß war sie?
Kann eine typische Gehöft- oder Parzellenstruktur ausgemacht werden?
In welcher chronologischen Abfolge stehen die drei Burganlagen zueinander?
Lassen sich Handelsbeziehungen zu bestimmten Orten archäologisch nachweisen?
Gibt es weiterführende Hinweise zum Alter der beiden Kirchen und zur Lage der 1293 abgebrannten St. Peterskirche? 

Im Bereich des heutigen Altencelle drängen sich mehrere archäologisch bedeutende Fundstellen des frühen und späten Mittelalters auf engstem Raum. Immer wieder fanden archäologische Untersuchungen statt, deren Dauer von oft mehreren Monaten, Größe und Anzahl in einem krassen Missverhältnis zu ihrer Veröffentlichung steht. Bisher war es weder aus historischer noch aus archäologischer Sicht möglich, die Fundstellen in eine sichere chronologische Abfolge zu stellen und den Siedlungsgang schlüssig zu erhellen. Über eine Strecke von nur 2,5 Kilometer liegen mindestens drei Burganlagen: der Burgwall bei Burg, die Nienburg und die so ganannte Brunonenburg. Des Weiteren sind bereits im 11. Jahrhundert zwei Kirchen belegt, die nicht erhaltene St. Peterskirche und die heute noch bestehende Gertrudenkirche. 

Vorgesehen sind ab Mai 2011 fünf Grabungskampagnen zu je zwei Monaten. Man geht davon aus, dass lediglich oberflächennah gegraben werden muss. Für den notwendigen Humusabtrag hat die Stadt Celle zugesagt, kostenlos einen Bagger samt Fahrer zur Verfügung zu stellen. Stadtbaurat Matthias Hardinghaus ist zuversichtlich. Er sieht in dem Projekt eine Basis für noch größere Dinge, die dann mit der Deutschen Forschungsgesellschaft angegangen werden müssten. Zunächst aber muss für den Anstoß der vorliegende Forschungsantrag positiv beschieden werden. 

Redaktion
Celler Presse 






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