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Das unbekannte Celle: Fassaden nicht nur Dekor

Landkreis CELLE. „Die Altstadt von Celle ist bekannt als eine der am besten erhaltenen Fachwerkstädte Norddeutschlands,“ heißt es in dem Umschlagtext des Buches von Eckart Rüsch, Celles Stadtdenkmalpfleger. Das gerade von der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) herausgegebene Buch „Das unbekannte Celle – Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt“ wurde nun in einer Pressekonferenz vorgestellt. 

Stadtbaurat Matthias Hardinghaus dankte dem IGB für die Herausgabe: „Das Werk selbst dient vor allem als Analysefundus für eine zukünftige Entwicklung der Celler Altstadt, nicht nur bei der reinen Erhaltung, sondern bei seiner behutsamen Weiterentwicklung für zeitgenössischen Lebensmodelle. Das städtebauliche Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ wird uns dabei sehr helfen.“ In den nächsten Jahren seien richtige Abwägungsentscheidungen zu treffen. Es gehe um Bewahrung; die Altstadt jedoch dürfe nicht zum Museum entwickelt werden. 

Stefan Haar, Architekt und 2. Vorsitzender des IGB, war extra zur Präsentation des Werkes nach Celle gekommen. Anliegen sei es, die inhaltlichen Schwerpunkte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen; sie sollten nicht in der Region verbleiben und andere Städte anregen, Ähnliches zu machen. Im Vorfeld hatte sich bereits der Bundesvorsitzende der mitgliederstärksten Denkmalschutzorganisation in Deutschland, Dietrich Maschmeyer, zu dem Thema geäußert: „Ein Buch, das es wie dieses schafft, die vielen verborgenen Aspekte des überragenden Stadtdenkmals Celle in leicht fassbarer Weise darzustellen und kurzweilig zu beschreiben, ist genau das, worauf wir in Celle lange gewartet haben.“ Celle sei bisher wissenschaftlich schlechter erforscht als fast alle anderen vergleichbaren Städte und habe es wahrlich verdient, dass seine verborgenen Schätze ans Licht geholt werden. 

Celles bekannte Fassaden seien nicht Dekor „mit nichts dahinter“, sondern Teile von Häusern, bei denen in Hinterhöfen, in uralten Kellern, auf dunklen Dachböden und auch in mancher Wohnung noch viele Spuren aus mindestens 5 Jahrhunderten bewegter Celler Geschichte erhalten sind. Nach Meinung des Vereins seien sie es letztlich, die wesentlich zur Bedeutung von Celle als nationales Kulturdenkmal von europäischem Rang beitragen. 

Stefan Haar stellte fest, dass es in Celle gute Vorbereitungen für weitere Maßnahmen gebe, zumal es hier Unterlagen gebe, die es in anderen Städten nicht gibt, so dass sich eine weitere wissenschaftliche Durchleuchtung anbiete. So habe sich herausgestellt, dass Gebäude älter seien als das, was die Fassade zeige. Der Kern der Gebäude sei älter als die Fassade. Da werde es noch viel zu entdecken geben. 

„Ich hoffe, dass wir mit diesem Buch dazu beitragen können, Verständnis für einen ganzheitlichen Schutz dieses einmaligen Stadtdenkmals zu wecken, bei dem nicht allein die Fassaden verdienen, der Nachwelt erhalten zu bleiben“, so die IGB. Auf diese spannende Entdeckungsreise will die IGB möglichst viele Fans alter Häuser und Städte mitnehmen. Sie hat sich daher entschlossen, das Buch gleichzeitig in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren als Jahresgabe an ihre Mitglieder zu verteilen. 

Der Autor, Eckart Rüsch, hat als Stadtdenkmalpfleger, wie er erläutert, das Privileg, Einblick in Gebäude zu nehmen und Einzelheiten kennen zu lernen, die der Allgemeinheit so nicht jederzeit zugänglich sind. Er habe dabei Erkenntnisse gewonnen, die mit dem Buch öffentlich gemacht werden sollen. Es gehe nicht um eine Bestandsaufnahme; die Beobachtungen sollen neugierig machen, Interesse wecken: „Man sieht nur, was man weiß und kann nur bewahren und schützen, was man weiß.“ 

Das Buch (ISBN 978-3-98106-187-1) ist zum Preis von 13,00 € im Buchhandel erhältlich und direkt bei der Interessengemeinschaft Bauernhaus, Postfach 1244, 28859 Lilienthal. 

Redaktion
Celler Presse 






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