Haushaltsbefragung in Müden und Poitzen geht in die zweite Runde – Braunschweiger Forschungsinstitut erforscht die Situation nach Eröffnung des Dorfladens „Tante Hanna“ in Müden

MÜDEN/Örtze. Mittlerweile ist knapp ein Jahr vergangen, seit mit „Tante Hanna“ wieder ein Dorfladen in Müden eröffnet hat. Der neue Laden geht auf die Initiative von Bürgern aus dem Ort zurück, die eine Genossenschaft gegründet haben, um den Laden zu betreiben. Das sind beste Voraussetzungen, damit die lokalen Verbraucher ihr Einkaufsverhalten ändern und nicht nur für die vergessene Milch dort zum Einkaufen hingehen. Denn Voraussetzung dafür, dass das Geschäft langfristig am Leben bleibt ist, dass möglichst viele Menschen ihren Haupteinkauf im neuen Laden erledigen.

Dieser Fall in Müden interessiert auch Wissenschaftler vom Thünen-Institut für Ländliche Räume aus Braunschweig, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Nahversorgung in kleinen Orten gesichert werden kann. Deshalb hatten sie die Bürgerinnen und Bürger von Müden und dem benachbarten Poitzen im April 2019, rund zwei Monate vor der Eröffnung von „Tante Hanna“, zu ihrem Einkaufsverhalten und ihren Erwartungen an den neuen Laden befragt. Mittlerweile, gut ein Jahr nach der Eröffnung, sollten alle Bewohner von Müden und Poitzen das neue Angebot kennengelernt haben. Außerdem können sich mittlerweile neue Einkaufsroutinen herausgebildet haben. Deshalb befragen die Braunschweiger Wissenschaftler jetzt ein zweites Mal alle Haushalte in den Orten. „Uns ist es wichtig, die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zum neuen Laden zu erfahren, ob sich das Einkaufsverhalten verändert hat und was dafür ausschlaggebend ist, dass einige das neue Angebot wahrnehmen und andere nicht“, sagt Matthias Seel, der am Thünen-Institut für die Befragung zuständig ist.

An der ersten Befragung hatten sich mehr als 40 Prozent aller Haushalte in den beiden Orten beteiligt. Vor der Eröffnung des Dorfladens „Tante Hanna“ kauften die meisten Bewohnerinnen und Bewohner Güter des täglichen Bedarfs bei Supermärkten (z. B. Edeka, REWE), Discountern (z. B. Lidl, Netto) und in Fachgeschäften (z. B. Drogeriemärkten) ein. Dabei verbanden fast alle Befragten (über 90 Prozent) ihren Einkauf – zumindest gelegentlich – mit dem Weg zur Arbeit, zum Arzt oder anderen Aktivtäten. Im April letzten Jahres gaben knapp 80 Prozent der Befragten an, immer oder fast immer mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren spielte bei der ersten Befragung eine geringe Rolle. Da ein Laden damals im Ort fehlte, sind diese Werte aber nicht weiter verwunderlich.

Interessant ist es nun herauszufinden, inwieweit sich die Einkaufsgewohnheiten und das Mobilitätsverhalten durch die Eröffnung des Dorfladens verändert haben. „Mit der Neueröffnung eines Dorfladens kann nicht zuletzt auch ein Gewinn von Lebensqualität einhergehen“, sagt Matthias Seel. Um ein möglichst exaktes Bild zeichnen zu können, ist es deshalb besonders wichtig, dass sich wieder möglichst viele Haushalte an der Befragung beteiligen. Die Fragebögen werden am 04. Juni zusammen mit dem Mitteilungsblatt „Der Knüppel“ in Müden und Poitzen verteilt. Die Wissenschaftler planen, die Ergebnisse der beiden Befragungen in der zweiten Jahreshälfte in Müden vorzustellen und mit den Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren – vorausgesetzt, die Covid-19-Lage lässt es bis dahin wieder zu.

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