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Große Versammlung gegen Häuserabriss in den Dörfern des Truppenübungsplatz – Zerstörung des Wünninghof hat begonnen.

OSTENHOLZ. Als vor einigen Tagen plötzlich ein Bagger vorm ortsbildprägenden Wünninghof im bewohnten Truppenübungsplatz-Dorf Ostenholz stand, war sofort die Aufregung groß bei Einwohnerinnen und Einwohnern, dem Freundeskreis Wünninghof, Friedensbewegten und Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern. „Wir befürchten, dass das stabile geschichtsträchtige Gebäude jetzt schnell abgerissen werden soll“, erklärte Arne Hilbich vor 100 Menschen, die sich in Ostenholz spontan einfanden.

Hilbich, der auch Vorsitzender der Initiative Biosphärengebiet ist, berichtete die Geschichte  des früher größten und bekanntesten Gasthofs der Lüneburger Heide. „Nach aufwändiger Sanierung Ende der 1980er Jahre tauchten schon Anfang der 1990er Abrisspläne auf. Trotz mehrfacher Aufforderungen verschiedener Organisationen, versagte  der Denkmalschutz“, erläuterte der Fallingbosteler. Und: „Der Bund lässt seine Immobilien verrotten. Das Problem ist der Neoliberalismus, der auch ehemalige Bundesbehörden zu Gewinnmaximierung zwingt. Und so ist für die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) Abriss wirtschaftlicher als Erhalt. “2019 hat der BImA-Chef Dr. Krupp aufgrund der Wünninghof-Dauerproteste versprochen, 30 Mio. € für die Gebäude im Gemeindefreien Bezirk zu investieren.“ Das von dem Geld nichts angekommen ist, bestätigten Ostenholzer Einwohner.

Unter großem Applaus forderte Arne Hilbich, die BImA abzuschaffen oder gründlich zu reformieren, denn die BImA sei tatsächlich nicht für Immobilien, sondern habe die Aufgabe der Immobilien als Ziel. In Ostenholz seien in den letzten Jahren schon rund 30 historische Gebäude abgerissen worden, weiß Seben Arjes, Vorsitzender der Einwohnervertretung. „Jetzt stehen wieder ein Drittel der verbliebenen Gebäude leer. Interessierte Mieter werden abgewiesen. Der Wünninghof ist nicht der letzte auf der Abrissliste“, ist sich Architektin Renate Netter sicher und will sich dem entgegenstellen.

 „Die Dörfer am Platzrand sollen entsiedelt werden, dem Militär noch mehr Übungsfläche verschaffen und die letzten Einwohner vertreiben“, ist immer wieder aus den Mündern von Ostenholzern zu hören. Indes habe die Kommunalpolitik versagt, die CDU hatte vor 2 Jahren den Rettungsvorschlag des Landrats im Kreisauschuss torpediert. 

Gewerkschaftssprecher Charly Braun berichtete, dass die Gewerkschaftstage von DGB und ver.di seit dem Wegfall vieler ziviler Arbeitsplätze des Truppenübungsplatz von der Bundesregierung die Finanzierung einer sozialen, ökologischen und nicht-militärischen Wirtschaftsstruktur verlangen. „Und den Einwohnern der Dörfer des sogenannten Gemeindefreien Bezirks auf dem Noch-Truppenübungsplatz dürfen nicht länger ganz normale kommunale Rechte vorenthalten werden. Sie brauchen z.B.  Bebauungsplanrechte, um Häuser zu erhalten und weiteren Ausbau militärischer Struktur zu verhindern.“

Mit starkem Applaus wurde die Forderung unterstützt: „Sofortiger Stopp der Abrissvorbereitungen! Ein Jahr Abrissmoratorium! BImA zurück an den Verhandlungstisch – mit realistischem Angebot!“ Auf die Frage aus dem Lautsprecher: „Was macht der Bagger vor dem Wünninghof?“ riefen alle: „Wegfahren! Wegfahren!“  Und tatsächlich entfernte sich der Bagger.

Allerdings war der Bagger am nächsten Morgen wieder da, mit einem originalen Fahrer der Abrissfirma. Und bevor der die Wände einschlagen konnte, musste er sich mit Landrat Manfred Ostermann, Einwohnern von Ostenholz, Friedensbewegten und Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern auseinandersetzen. Dass die Wut groß ist, daran besteht in Ostenholz kein Zweifel.

H. Bothe




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