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Theologe Andreas Flick informiert über den ezidischen Glauben beim Frauenfrühstück des SoVD Ortsverbandes Nienhagen

Schon lange gehören religiöse und kulturelle Vielfalt in Deutschland und im Kreis Celle zur Alltäglichkeit. Der konfliktfreie Umgang innerhalb der Gesellschaft ist jedoch immer noch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt viele Vorurteile, denn viele wissen einfach sehr wenig über andere Religionen. Deshalb ist es wichtig, die Geschichte, Philosophie, Bräuche, Zeremonien, Gebete und Bekenntnisse der verschiedenen Religionen kennenlernen.

Der evangelische Theologe und Jesiden-Experte Andreas Flick aus Celle war auf Einladung von Carmen Kahle, Frauensprecherin des SoVD Ortsverbandes Nienhagen, zu Gast beim letzten Frauenfrühstück, um über den jesidischen Glauben informieren.

Über 30 Frauen des SoVD Ortsverbandes Nienhagen und Gäste genossen zuerst in gemütlicher Runde an den hübsch gedeckten Tischen das reichhaltige und leckere Frühstück. Danach gab Andreas Flick einen kurzen Überblick über den Glauben der Jesiden. Die Eziden bezeichnen sich selbst als „Ezidi“ (Plural: „Eziden“), wobei in der deutschen Öffentlichkeit jedoch oft die Schreibweisen Jeziden, Jesiden oder Yeziden benutzt werden. Sie sind eine eigenständige und monotheistische Religionsgemeinschaft, deren Wurzeln dem eigenen Verständnis nach mehr als 4000 Jahre zurückreichen. Nachweisbar sind die Eziden erst seit dem 11./12. Jahrhundert. Als Ezide kann man nur geboren werden. Es ist unmöglich, zum Ezidentum zu konvertieren. Es ist ihnen verboten, den Namen des Bösen, den des Teufels, auch nur auszusprechen, da dies bereits die Allmächtigkeit Gottes anzweifeln würde. Der Wirkungsort und Grabstätte des Reformers und Heiligen Scheich Adi in Lalisch bei Mosul im Nordirak ist die wichtigste und heiligsten Pilgerstätte für die Eziden. Einmal in Leben jedes Eziden sollte dieser Ort besucht werden, ähnlich wie der Ort Mekka im Islam.

Weltweit gibt es rund eine Million Mitglieder dieser Gemeinschaft, berichtete Andreas Flick. Ihre traditionellen Siedlungsgebiete sind auf den Irak, Syrien, die Türkei und den Iran aufgeteilt. Innerhalb dieser Länder leben sie überwiegend in Regionen, in denen Kurden die größte Bevölkerungsgruppe stellen, so etwa im Südosten der Türkei, dem Norden Syriens und des Iraks und dem Nordwesten des Irans. Die Gemeinschaft der Eziden fand besonders durch die tragischen Ereignisse – den Völkermord durch die Terrororganisation des sogenannten „Islamischen Staates“ – im August 2014 Erwähnung in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit, erklärte Andreas Flick. Über die Hälfte der Mitglieder der Glaubensgemeinschaft wurden in die Flucht getrieben. Heutzutage leben in Deutschland weit über 80.000 Eziden. Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat sich Niedersachsen in den letzten Jahren zu einem Zentrum ezidischen Lebens entwickelt. Rund 10.000 Eziden leben in der Stadt und im Landkreis Celle. Sie kamen in den 1960er Jahren zunächst als Gastarbeiter, aber später vor allem auf der Flucht vor der Militärdiktatur in der Türkei und des „IS“. Mittlerweile ist in Celle die größte jesidische Gemeinde Deutschlands mit einem Kulturzentrum in Westercelle und die zweitgrößte der Welt.

Bei den Eziden besteht – wie in Indien – ein Kastenwesen, zu der ein Mitglied von seiner Geburt an bis zu seinem Tod gehört; auch eine Heirat untereinander ist nicht gestattet, so Andreas Flick. Er gab zudem einen Überblick über die Feste der Eziden im Lebenslauf und im Jahresverlauf. Die Stellung der Frauen im Ezidentum, das patriarchale Rollenverständnis, Aberglaube und Ehrenmord wurden von ihm auch noch kurz angesprochen, bevor der interessante und informative Vormittag zu Ende ging.

Gemeinsam gefrühstückt wird wieder am 16. Mai 2024. An diesem Vormittag wird Eva Küppers über die Arbeit der Celler Demenz Initiative berichten und darüber informieren, welches Angebot es für dementiell veränderte Menschen und ihre Angehörige gibt. Alle Frauen des SoVD Ortsverbandes Nienhagen und Gäste sind herzlich eingeladen.

PR

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