Donnerstag, 8. Oktober 2026

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„Auch Götter lieben Blitz und Donner“ – 10. Böllertreffen in Hohne

Was ist denn da los im Hohner Feldmoor? Wären Spaziergänger zufällig am Samstagmittag vorbeigekommen, hätten sie sich diese Frage wohl gestellt. Da stehen doch tatsächlich kleine Kanonen auf einer Wiese und in regelmäßigen Abständen wird es ohrenbetäubend laut, dann steigt Rauch auf. Nur wer zuschaut, sieht auch die kleine Explosion, die fototechnisch schwer einzufangen ist, so schnell ist sie wieder vorbei. Ein Herr, der seiner Kleidung nach zu urteilen, der Vergangenheit entsprungen ist, kann Auskunft geben.

„Wir pflegen hier ein sehr altes Brauchtum, das Böllerschießen“, erklärt Mathias Kube, der Böllerreferent des Niedersächsischen Sportschützenverbandes Hannover (NSSV). Gleichzeitig ist er Mitglied der Hohner Schützengilde, die im Jahr 1708 gegründet wurde. Das Böllern ist eine Sparte des Schützenwesens, das in Niedersachsen weit weniger verbreitet ist als in Bayern. Im Landkreis Celle gibt es lediglich 68 Böllerschützen, verteilt auf einige Vereine wie Lachendorf, Altencelle, Habighorst und Hohne. Alle sind im Kreisschützenverband Celle organisiert.

„Im Jahr 2008 feierte unsere Schützengilde ihr 300-jähriges Jubiläum, wir hatten Besuch aus Bayern. Diese böllerten“, berichtet Kube. Die Hohner ließen sich inspirieren und riefen im Jahr 2015 einen Böllertag ins Leben, um das auch in Celle nicht unbekannte Brauchtum zu beleben und zu bewahren. Weitere Treffen folgten, die Ausrichtervereine und -orte wechselten. In diesem Jahr ist Hohne wieder an der Reihe. Rund 50 aktive Schützen finden sich über den Nachmittag verteilt auf dem abgelegenen Gelände ein. Von Kanonen im Mini-Format bis zu solchen, die man aus Filmen kennt, finden sich alle Größen der mit Schwarzpulver betriebenen antiken Waffen. „Alles Nachbauten“, erläutert Mathias Kube, der seinen neu eingetroffenen Böllerschützenbruder Marinus Zerbst vom Schützenverein Lachendorf begrüßt. Dieser trägt typische Utensilien bei sich, eine Tasche und einen Sprengstoffschein. „Dieser ist Pflicht und kostet 1.000 Euro. Böllern ist ein teures Hobby“, berichtet Zerbst, bevor er im Rahmen des sogenannten Einböllerns neben Mathias Kube Aufstellung nimmt und beide gleichzeitig ihre Schaftböller-Waffen abfeuern. Auf dem Programm stehen im Laufe des Nachmittags das schnelle Reihenfeuer, bei dem der nächste Schütze seinen Böller sofort nach dem Schuss des Vorgängers abfeuert. Dieses steht im Gegensatz zum langsamen Reihenfeuer, das Pausen zwischen den Schüssen vorsieht, und zum gemeinsamen Salut, bei dem alle Böllerschützen gleichzeitig schießen. „Alle auf einen Schlag, das ist sehr schwierig“, erläutert Kube. Auch für den Laien nachvollziehbar, doch dem unbedarften Besucher stellen sich an diesem Nachmittag einfachere Fragen:

Was wirkt hier am intensivsten? Der laute Knall, die kurze Explosion oder die enorme Rauchentwicklung? Und was macht für Mathias Kube und Marinus Zerbst den Reiz an diesem ungewöhnlichen Hobby aus: „Es macht einfach nur Spaß“, antwortet der Landesböllerreferent. Und sein Böllerschützenbruder sagt: „Auch Götter lieben Blitz und Donner.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht