Donnerstag, 14. Mai 2026

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Leserbrief: „Welche negativen Auswirkungen sind beim Bau einer Schienen-Neubautrasse für den Großraum Celle zu erwarten?“

Unser Leser Volker Thürk nimmt in einem Leserbrief zur Diskussion um die Neubautrasse Stellung: Hier ist seine Meinung im Wortlaut:

„Leider konnte man in den zurückliegenden Wochen zu dieser Thematik wenig hören und lesen. Die Auswirkungen sind aus heutiger Sicht dramatisch und sind für die angestrebte Verkehrswende kontraproduktiv, denn die Bürger erwarten mit Recht eine schnelle Verbesserung der betrieblichen Situation bei der Deutschen Bahn AG.

Celle würde dann vom Norden und Westen ohne einen optimalen Lärmschutz beim Eisenbahnverkehr sehr stark belastet

Ich werde versuchen, diese hier aufzuzeigen:

  • Vor einiger Zeit fand in Celle eine rege Diskussion im Rahmen des Natur-, bzw. Landschaftsschutzes über das Spaziergehen in der Aller-Aue statt, und jetzt nimmt sich die Bahn das Recht heraus, diese Aue durch eine zusätzliche Eisenbahnbrücke zu zerschneiden – ebenso wie die Wälder nördlich und südlich der Aller.
  • Der Streckenverlauf in Bergen soll durch eine Westumfahrung geführt werden und beeinträchtigt die Rampe des ehemaligen KZ’s direkt. Dies ist aus meiner Sicht, eine Unverschämtheit.
  • Weil auf der Strecke Celle – Lehrte mit einer deutlichen Überlast gefahren muss, würden die Schranken auf dieser Strecke kaum noch geöffnet werden können und unser Bahnhof dann zu einem Parkplatz für Güterzüge herab degradiert.
  • Die ICE-Verkehre würden wegen der Trennung des langsamen vom schnellen Verkehr nicht mehr in Celle halten und an der Stadt vorbeigeführt. Wo sind die versprochenen Verkehrshalte in Celle im Fernverkehr?
  • Auf der Neubaustrecke würden nachts auch Güterzüge fahren und diese werden dann über Celle ebenso wie die Güterverkehre aus Uelzen auf der Bestandsstrecke nach Lehrte gelenkt.

Hierzu ein Hinweis: Güterzüge müssen immer aus Richtung Norden kommend nach Lehrte fahren, weil die erforderlichen Gleislängen in Hannover Hbf nicht zur Verfügung stehen.

  • Für die gesamte Bestandsstrecke – wie auch Celle – besteht ohne Gleisausbau kein Anspruch auf optimalen Lärmschutz. Dies gilt ebenso für Dasselsbruch und Adelheidsdorf.
  • Der Bau einer Neubaustrecke bedeutete aber auch erhebliche Eingriffe in die Natur, Nutzung und Pflege von landwirtschaftlichen Flächen, Schutz der dort befindlichen Wohnbebauung durch Lärm (Entenfang und Boye).

Das NKV muss stimmen

Die Bahn begründet diesen Bau einer NBS mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von über

1. Ihre eigene Berechnung zur Bestandsstreckenausbauvariante – mit Höchstgeschwindigkeit durch die Städte und kompletter Viergleisigkeit – kommt nur auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,28 und würde nach Angaben der Deutschen Bahn das Kapazitätsproblem nicht lösen. – Wer erzeugt eigentlich die Überlast auf der ABS Hannover-Hamburg? Es ist eindeutig der Güterverkehr. Hierzu muss eine Lösung gefunden werden. Diese Lösung wurde 2015 zusammen mit der Deutschen Bahn in Celle erarbeitet und lautete, dass man die diese Verkehre auf dieser Strecke entzerren muss, indem man ihn auf die vorhandenen Strecken in Niedersachsen verteilt und diese Strecken wie zwischen Rotenburg und Verden zweigleisig ausgebaut. Es entstand das „Alpha-E“, ebenfalls mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von über 1.

Keine Planungsbeteiligung mit dem Land Niedersachsen

Das Land Niedersachsen hat im Landtag einen einstimmigen Beschluss hinsichtlich eines Ausbaus der Bestandsstrecken (Alpha-E) gefasst. Die Bahn ignoriert dies jedoch und hat unsere Landesregierung an ihrer Vorplanung nicht beteiligt. Ohne eine Raumverträglichkeitsprüfung will sie ihre Planung dem Bundestag zur Beschlussfassung vorlegen. Auch der „Köderbahnhof Bergen“ wurde von der Bahn ohne Zustimmung vom Land, das diesen unabhängig einer Wirtschaftlichkeit bezahlen soll und der Stadt Bergen geplant. Anscheinend ist der Bahn nicht bekannt, dass für den Regionalverkehr das betroffene Land zuständig ist.

Verkehrsminister Tonne hat kürzlich sehr deutlich erklärt, dass Niedersachsen eine eigene Verkehrsplanung für den ländlichen Raum plant und eine Neubaustrecke in ihr Konzept nicht passt.

Wird der Eigentümer (der Bund) hier einfach ignoriert???

Falls im Bundestag der Beschluss im Bundestag negativ verläuft, hat die Bahn angeblich keinen Plan B. Mit welcher Arroganz die Planungsabteilung der InfraGo ihre Vorstellungen umsetzen will und damit die Planungshoheit des Eigentümers in Frage stellt, ist unglaublich.

Verschiedene Zeitvorstellungen

Eine Verkehrswende soll so schnell wie möglich erreicht werden. Der Bau einer NBS wird nach Erfahrungswerten nicht vor 2050 nicht zur Verfügung stehen. Es gäbe erst Verbesserungen ab diesem Zeitpunkt.

Die Umsetzung des Projekts Alpha-E dagegen würde mit jedem kleinen Teilstück bereits für Entlastung sorgen und würde als Ganzes voraussichtlich 2035-2040 zur Verfügung stehen und die Kapazitäten ab der ersten Maßnahme etappenweise erhöhen und wir Celler Bürger könnten weiterhin die ICEs nutzen und alle anderen erwähnten Negativpunkte wären hinfällig.

Aus diesen hier genannten Gründen kann ich als Celler Bürger nur das Alpha-E  unterstützen. 

Volker Thürk Celle“

Foto: slightly_different / Pixabay

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