Freitag, 6. März 2026

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Engagement mit Weitblick – wie ein Celler Augenoptiker neue Perspektiven schafft

„Gutes Sehen darf kein Luxus sein“ – davon ist der Celler Augenoptikermeister Andreas Fiemel überzeugt. Beim letzten Info-Nachmittag des SoVD-Ortsverbandes Nienhagen berichtete er eindrucksvoll über sein Engagement in Uganda und machte deutlich, wie sehr gutes Sehen über Bildungs- und Lebenschancen entscheidet.

Fiemel begann mit 18 Jahren seine Ausbildung zum Augenoptiker – damals noch als klassische duale Ausbildung mit handwerklichem Schwerpunkt. Später machte er seinen Meister, sich selbstständig und ist inzwischen seit 28 Jahren in Celle tätig. Der Anstoß für sein Engagement in Uganda kam durch eine zufällige Begegnung: Als ein Kinderchor aus Uganda in Celle zu Gast war, kam er mit dem begleitenden Pastor ins Gespräch. Dieser erzählte, dass er als kurzsichtiger Junge nicht zur Schule gehen konnte, weil er keine Brille hatte. Diese Geschichte ließ Andreas Fiemel nicht mehr los.

Fehlsichtigkeiten sind in Uganda ähnlich verbreitet wie in Deutschland. Die Versorgungslage jedoch ist eine völlig andere. Zwar gibt es in der Hauptstadt Kampala einige wenige Optiker, deren Preise sind allerdings mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Damit bleiben Brillen für die Landbevölkerung unerschwinglich, denn das durchschnittliche Monatseinkommen liegt dort bei etwa 25 Euro. Viele Menschen bauen Matoke, essbare Kochbananen, an. Zunehmend stellen jedoch Bauern auf Kaffeeanbau um, da das Klima in Uganda hierfür ideal ist. Damit lassen sich durchschnittlich rund 100 Euro im Monat verdienen.

2014 reiste Andreas Fiemel erstmals nach Uganda, in die Region Rakai, wo der Kontakt über Pastor Fred zustande gekommen war. Schnell wurde ihm klar, wie groß der Bedarf ist. Gemeinsam mit einem befreundeten Optiker fuhr er in die Dörfer und führte Sehtests durch – teilweise mit Messbrillen direkt auf dem Feld sitzend. Da viele Menschen nicht lesen können, mussten die Testverfahren entsprechend angepasst werden. Die Grundidee war: vor Ort messen, in Deutschland individuell fertigen und bei der nächsten Reise die Brillen ausgeben. In den Jahren 2014 und 2015 konnten auf diese Weise rund 1.200 fehlsichtige Menschen mit passgenauen Brillen versorgt werden.

Mit der Zeit erreichten Andreas Fiemel und seine Kollegen immer mehr Anfragen aus Nachbardörfern und anderen Regionen. Daraus entstand der Gedanke der Hilfe zur Selbsthilfe und diese wurde 2016 umgesetzt. In Ssanje im Rakai-Distrikt wurde eine Optikerschule aufgebaut. Zweimal im Jahr reisen deutsche Augenoptiker für jeweils 14 Tage nach Uganda, unterrichten im Blocksystem und geben Hausaufgaben auf. Die Lernfortschritte werden per E-Mail überprüft. Nach etwa zweieinhalb bis drei Jahren erhielten die ersten Teilnehmer ihre Lizenz und arbeiten nun selbständig als Optiker. Der jüngste Auszubildende war 19 Jahre alt, der älteste 34. Bei der Auswahl wurde bewusst darauf geachtet, nicht den Erstgeborenen auszubilden, da dieser in der Regel den Hof erbt, sondern Zweit- oder Drittgeborene, die sich so eine eigene Existenz aufbauen können. Als Optiker können sie, wenn sie fleißig sind, ein Einkommen erzielen, das dem eines erfolgreichen Kaffeebauern entspricht. Finanziert wird das Projekt über ein Patensystem. Deutsche Optiker übernehmen die Kosten für einen Schüler für die gesamte Ausbildungszeit. Nach Abschluss werden sie von ihren Paten zusätzlich mit einem Ausstattungskoffer im Wert von rund 1.500 Euro ausgerüstet, der Messbrillen, Messgläser und Sehtafeln enthält.

Auch logistisch stellte das Projekt die Beteiligten vor Herausforderungen. In den Dörfern gibt es häufig nur einen Generator, eine verlässliche Stromversorgung fehlt. Um die Brillen fertigen zu können, wie u.a. Brillengläser schleifen, wurde daher zentral eine Werkstatt erbaut – für ein Gebiet von der Größe Niedersachsen. Ein Moped wurde angeschafft und ein Fahrer eingestellt. Dieser sammelt die angepassten Brillen bei den Optikern ein, bringt sie zur Fertigstellung und liefert sie anschließend wieder aus.

Inzwischen konnten in der ersten Ausbildungsrunde 25 Optiker erfolgreich in Arbeit gebracht werden. Das Projekt kommt auch bei den Kunden in Deutschland gut an; viele Kunden unterstützen es auch aktiv. Es wurde deutlich, dass Andreas Fiemel weit mehr als seinen Beruf ausübt. Für ihn ist gutes Sehen eine Frage der Gerechtigkeit – und für viele Menschen in Uganda der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und einem selbstbestimmten Leben. Darüber hinaus sammelt Fiemel weiterhin Brillengestelle und alte Brillen für Uganda. Diese können in seinem Geschäft in Celle oder beim SoVD-Ortsverband Nienhagen abgegeben werden.

Die über 80 Anwesenden waren sehr beeindruckt von dem Projekt und dem Engagement der Optiker und bedankten sich bei Augenoptikermeister Andreas Fiemel mit viel Beifall für den sehr interessanten Vortrag. Im Anschluss fand das traditionelle Grünkohl-Essen statt. Die Mitglieder und Gäste genossen den leckeren Grünkohl mit Bregenwurst, Kasseler und Bauchfleisch von der Fleischerei Ibsch aus Ovelgönne. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein mit vielen anregenden Gesprächen klang der informative und kulinarische Nachmittag aus.

PR
Fotos: Gisela Janßen

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