Info-Nachmittag des SoVD-Ortsverbandes Nienhagen: Sabine Kellner vom SoVD Beratungszentrum Celle gibt Einblicke in ihre Beratungsarbeit
Viele Menschen wissen oft gar nicht, welche Rechte sie haben – Broschüren, Flyer, Internetseiten oder Hotlines sind nicht immer für jeden verständlich und können eine persönliche sozialrechtliche Beratung nur schwer ersetzen. Genau hier setzt der SoVD an: Eine rechtzeitige und individuelle Beratung kann entscheidend sein, um die eigenen Ansprüche durchzusetzen. Beim letzten Info-Nachmittag des SoVD Ortsverbandes Nienhagen war Sabine Kellner, die Geschäftsstellenleiterin des Beratungszentrums Celle zu Gast. Gerne war sie der Einladung gefolgt, um einen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Über 90 Mitglieder und Gäste waren gekommen, um sich über aktuelle sozialrechtliche Themen zu informieren.



Im SoVD-Beratungszentrum in Celle werden Mitglieder in allen sozialrechtlichen Fragen – insbesondere zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Grundsicherung oder Sozialhilfe beraten und bei Anträgen, Widersprüchen und Klagen vor Sozialgerichten unterstützt. Der SoVD-Kreisverband Celle zählt mit über 11.100 Mitgliedern zu den größten in Niedersachsen. Sabine Kellner blickt auf jahrzehntelange Erfahrung zurück: Bereits seit dem 1. April 1989 ist die 60-Jährige, die mit einem Augenzwinkern von sich als „doppelte Oma“ sprach, für den SoVD tätig, seit 1999 leitet sie die Geschäftsstelle in Celle. Unterstützt wird sie seit einem Jahr vom Juristen Schneider in der Beratung. Am Empfang arbeiten Frau Daniel und Frau Maamo in Teilzeit.
Eindrucksvoll und in sehr sympathischer Weise erzählte Sabine Kellner von ihrer Arbeit. Wie anspruchsvoll die tägliche Arbeit ist, zeigte sie offen in ihrem Vortrag auf. Termine seien stark gefragt, Wartezeiten von zwei bis drei Monaten keine Seltenheit. Dennoch habe man bislang noch nie eine Frist für einen Widerspruch versäumt, erklärte Kellner. Die direkte telefonische Erreichbarkeit erfolgt über das Mitgliederservicetelefon. Trotzdem bleibt für Kellner eines besonders wichtig: der persönliche Kontakt. Sie bezeichnet sich selbst als „noch etwas altmodisch“, denn viele Anliegen ließen sich im direkten Gespräch besser klären. Gleichzeitig geht auch der SoVD mit der Zeit: Über eine App können Mitglieder inzwischen Termine buchen und Verfahren digital begleiten. Wer diesen Weg nutzt, erhält bei bestimmten Verfahren sogar einen Preisnachlass.
Ein großes Thema in ihrer täglichen Arbeit ist die Schwerbehinderung, so Kellner. Dabei machte sie deutlich, dass Behinderungen nicht immer sichtbar sind. Gerade unsichtbare Einschränkungen würden in der Gesellschaft oft unterschätzt. Zugleich beobachte sie, dass inzwischen auch viele Kinder und Jugendliche betroffen seien. Großen Raum nahm zudem das Thema Rente ein. Kellner betonte, wie wichtig es sei, bereits in jüngeren Jahren eine Rentenkontenklärung vorzunehmen. Zum Beratungsangebot gehören unter anderem Altersrente, Erwerbsminderungsrente und Hinterbliebenenrente. Auch Reha-Anträge würden besonders bei älteren Menschen häufig zunächst abgelehnt. Doch Kellner machte Mut, nicht vorschnell aufzugeben: Etwa jeder zweite Widerspruch habe Erfolg.
Besonders eindringlich sprach die Referentin über das Thema Pflege. Viele Menschen fühlten sich mit Anträgen, Leistungen und Einstufungen überfordert. Dabei gebe es bereits ab Pflegegrad 1 wichtige Hilfen im Alltag. So stehen monatlich 131 Euro für anerkannte Unterstützungsangebote zur Verfügung, die über zugelassene Anbieter mit der Pflegekasse abgerechnet werden können. Pflegebedürftigkeit, so betonte Kellner, sei keine Frage des Alters. Sie könne jeden Menschen jederzeit treffen. Neben körperlichen Erkrankungen nähmen vor allem psychische Leiden seit Jahren zu. Arbeitsdruck, Zeitmangel, familiäre Belastungen, Zukunftssorgen und gesellschaftliche Krisen hinterließen Spuren. Depressionen, Angst- und Panikstörungen oder andere seelische Erkrankungen könnten ebenfalls zur Pflegebedürftigkeit führen – auch bei jüngeren Menschen, Berufstätigen oder sogar Kindern und Jugendlichen. Gerade deshalb warb sie für mehr Verständnis und Rücksichtnahme.
Zum Schluss informierte Kellner noch über die sogenannte Pflegebox. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad können darüber monatlich Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe,Desinfektionsmittel oder Masken im Wert von bis zu 42 Euro erhalten.
Ihr Fazit zum Ende des Vortrages: Sozialberatung macht Spaß, ist aber nicht immer einfach. Sabine Kellner beantwortete am Ende noch viele Fragen, später auch noch in Einzelgesprächen. Viele der anwesenden Mitglieder und Gäste konnten etwas von dem Gehörten für sich mitnehmen. Im Anschluss an den Vortrag lud der SoVD Ortsverband Nienhagen zum traditionellen Spanferkelessen ein – serviert von Michael Ibsch von der Fleischerei Ibsch aus Hambühren und Helfern aus den Reihen des SoVD Ortsverbandes. Die Mitglieder und Gäste genossen das leckere Spanferkel und die Beilagen. In geselliger Runde klang der informative und kulinarische Nachmittag aus.
PR
Fotos: Annette Kesselhut
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