Sicher mobil im Hehlentor: Über Parteigrenzen hinweg Handlungsfähigkeit für das Gemeinwohl beweisen
Im Vorfeld der entscheidenden Sitzung zum Thema Verkehr am kommenden Donnerstag, den 4. Juni, richten Teile des Ortsrats Celle-Hehlentor sowie Celler Mobilitätsaktivisten einen dringenden, parteiübergreifenden Appell an Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, die Stadtbaurätin und den zuständigen Ausschuss. Ziel ist es, die rechtlich inakzeptable und gefährliche Verkehrssituation für Radfahrende an der Dörnbergstraße endlich im Sinne des Gemeinwohls zu lösen und die proklamierten städtischen Offensiven Realität werden zu lassen.
Aktuell herrscht an der Dörnbergstraße akuter Handlungsbedarf: Bürgerinnen und Bürger jeden Alters stimmen täglich „mit den Pedalen“ ab. Um den dortigen Nahversorger aus Richtung Norden – kommend von der Hauptroute 2 des Celler Radnetzwerkes – zu erreichen, sind Radfahrende gezwungen, entweder illegal entgegen der Einbahnstraße zu fahren oder auf die Gehwege auszuweichen. Diese andauernde Missachtung der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist kein böser Wille, sondern ein struktureller Mangel, der eine Zumutung für Autofahrende, Fußgänger und Radnutzende gleichermaßen darstellt. Als Verwaltung und Ausschuss liegt es in der Verantwortung und Entscheidungsbefugnis, hier Abhilfe zu schaffen.
Fachexpertise nutzen – Spielräume für Tempo 30 sind vorhanden
Dass rechtliche Spielräume für eine sichere Lösung existieren, verdeutlichte bereits die Fachveranstaltung mit dem Verkehrsexperten Prof. Dr. Pez am 17. Februar 2026 in der VHS Celle, an der auch städtische Mitarbeiter und die lokale Presse teilnahmen. Bezüglich der aktuellen Mitteilungsvorlage (AN/0065/26-001) entkräftet die Expertise das häufige Argument, eine Verkehrsberuhigung sei rechtlich nicht durchsetzbar.
Laut Prof. Pez kann im Bereich des Zebrastreifens an der Dörnbergstraße sehr wohl Tempo 30 angeordnet werden. Bestärkt wird dies durch Erkenntnisse der Polizei Celle, welche die Kreuzung Dörnbergstraße / Altenhäger Kirchweg offiziell als eine der statistisch gefährlichsten Kreuzungen Celles eingestuft hat. Unter Berücksichtigung des nötigen Lückenschlusses und des Schutzes der angrenzenden Kita „Tortenstück“ ist eine durchgehende Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 rechtlich sofort möglich und geboten, um im Ernstfall Verletzungen abzumildern und Überlebenschancen drastisch zu steigern.
Kreative Lösungen auch bei Beibehaltung von Tempo 50
Sollte die Verwaltung aus anderen Gründen zwingend an Tempo 50 festhalten wollen, zeigt die Fachexpertise zwei pragmatische, rechtssichere Alternativen auf, um den legalen Radverkehr zum Supermarkt zu gewährleisten:
- Lösung 1 (Echter Radstreifen): Anstelle eines bloßen Schutzstreifens wird ein vollwertiger Radweg bzw. Radstreifen mit durchgezogener Linie gegen die Einbahnstraße markiert. Dies ist laut StVO auch bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zulässig.
- Lösung 2 („Unechte“ Einbahnstraße): Im Zuge der städtischen Schilderwaldoffensive werden die Einbahnstraßenschilder demontiert. Die Einfahrt aus Richtung Norden wird lediglich für Kraftfahrzeuge untersagt. Durch einfache Zusatzhinweise an den Grundstücksausfahrten dürfen Fahrräder die Straße legal in beide Richtungen befahren – ein bewährtes Prinzip des fairen Teilens der Fahrbahn.
Vision für das Hehlentor: Großflächige Fahrradzone spart Kosten
Einen Schritt weiter geht die bereits am 2. März 2022 vom Ortsrat Hehlentor angeregte Vision einer großflächigen Fahrradzone mit der Regelung „Anlieger-Kfz frei“ und „Parken/Halten nur in markierten Bereichen“. Ein solches Modell ermöglicht ein faires, sicheres Teilen der Fahrbahn. Der Einkauf beim Bäcker, die Fahrt zum Allgemeinen Krankenhaus (AKH) oder das Bringen der Kinder zur Kita mit dem Auto oder SUV bleiben weiterhin vollumfänglich erlaubt.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Hunderte Verkehrszeichen könnten rückgebaut werden, was im Sinne der städtischen Schilderwaldoffensive erhebliche Kosten einspart. Die Polizei signalisierte bereits in der „AG fahr Rad“ eine hohe Akzeptanz solcher Zonenregelungen bei allen Verkehrsteilnehmern. Durch die Reduzierung von Piktogrammketten bliebe zudem Raum für dringend benötigte Ladezonen und geordnetes Parken. Das Quartier würde spürbar an Lebensqualität, Verkehrssicherheit und Lärmschutz gewinnen.
Ein Appell an die Handlungsfähigkeit der Demokratie
Während positive Veränderungen wie die neue Verkehrsführung an der Ecke Dörnbergstraße / Wittinger Straße, die das Heimradeln stadtauswärts bereits erheblich sicherer und erfreulicher macht, ausdrücklich begrüßt werden, fehlt nun der entscheidende Schritt für den Hinweg in die Altstadt.
Der Appell richtet sich daher an die Spitze der Stadt und die Ausschussmitglieder, ihre Ämter und Befugnisse mutig zu nutzen. „Niemand im Ausschuss oder in der Verwaltung möchte, dass Radfahrende zu illegalen oder unattraktiven Umwegen gezwungen sind“, heißt es aus dem Umfeld der Initiatoren. Gerade in Wahlkampfzeiten gilt es, über Parteigrenzen hinweg Vorbild zu sein, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, in denen sich alle politischen Kräfte wiederfinden können, und die Handlungsfähigkeit einer lebendigen, am Gemeinwohl orientierten Demokratie unter Beweis zu stellen. Die Fahrrad-, Schilderwald- und Schulwegoffensiven der Stadt Celle müssen jetzt mit Leben gefüllt werden.
PR
Foto: Celler Presse
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