Freitag, 17. Juli 2026

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SC Vorwerk setzt auf Gemeinschaft: Warum hier jedes Kind mitspielen darf

Wenn an einem Werktagnachmittag auf dem Sportgelände des SC Vorwerk trainiert wird, herrscht reger Betrieb. Kinder und Jugendliche stehen auf dem Fußballplatz, in der Halle laufen weitere Sportangebote, Eltern kommen vorbei und Ehrenamtliche organisieren Training und Vereinsleben. Für den SC Vorwerk ist das längst mehr als nur Sport. Der Verein versteht sich als Treffpunkt für den Stadtteil und als Ort, an dem Gemeinschaft und Teilhabe im Mittelpunkt stehen.

Rund 750 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Damit ist der SC Vorwerk einer der größeren Stadtteilvereine in Celle. Gleichzeitig sieht sich der Verein mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wie viele andere Sportvereine: Die Gewinnung von Trainern und Betreuern wird schwieriger, Kinder haben durch Ganztagsschulen und andere Freizeitangebote weniger Zeit, und die Anforderungen an Vereine steigen stetig.

Vom Stadtteilverein zum Treffpunkt für Generationen

Vorsitzender Wolfgang Wilhelms ist seit vielen Jahren eng mit dem Verein verbunden. Beruflich zog es ihn einst nach Vorwerk, wo er über den Edeka-Markt tätig war. Mittlerweile führt er den Verein seit über 30 Jahren und blickt auf eine Entwicklung zurück, die sich verändert hat.

Wir hatten vor Jahren einmal das tausendste Mitglied geehrt“, erinnert sich Wilhelms. Heute liege die Mitgliederzahl bei rund 751. Dennoch sei der Verein weiterhin breit aufgestellt und vor allem im Jugendbereich sehr aktiv.

Für Wilhelms ist der Verein weit mehr als ein Ort für sportliche Aktivitäten. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, die das Dorf- und Stadtteilleben prägen. Dazu gehören das Osterfeuer, das Maibaumfest, ein Laternenumzug mit mehreren hundert Kindern sowie der traditionelle Kinder- und Familiennachmittag nach den Sommerferien.

„Den machen wir seit mehr als 50 Jahren“, berichtet Wilhelms. Zwischen 150 und 200 Kinder seien regelmäßig dabei. Jedes Kind erhalte einen Preis, hinzu kämen Eltern, Großeltern und Freunde. Entsprechend voll werde es auf dem Vereinsgelände.

Auch für ältere Menschen gibt es Angebote. Thomas Zink organisiert unter anderem Seniorennachmittage, die mehrmals im Jahr stattfinden und regelmäßig zahlreiche Besucher anziehen.

„Wir wollen alle Kinder mitnehmen“

Besonders stolz ist der Verein auf seine Jugendarbeit. Fußball-Jugendleiter Benjamin Welge spricht von mehr als 300 Kindern und Jugendlichen.

Die jüngsten Mitglieder beginnen bereits im Mutter-Kind-Turnen. Im Fußball startet das Training ab etwa vier bis fünf Jahren. Nach oben gibt es kaum Grenzen. Einige Mitglieder seien sogar noch im Alter von über 90 Jahren sportlich aktiv.

Dabei verfolgt der Verein bewusst einen anderen Ansatz als mancher leistungsorientierte Klub.

Thomas Zink, der seit über 40 Jahren als Trainer und Betreuer aktiv ist und seit rund 30 Jahren Vorstandsarbeit leistet, beschreibt die Philosophie so: „Wir möchten die Kinder beschäftigen und ihnen Sport ermöglichen. Wir holen nicht nur die Besten zusammen und lassen den Rest außen vor.“

Auf den Trainingsplätzen seien deshalb häufig unterschiedliche Leistungsstände zu sehen. Das gehöre bewusst zum Konzept. Ziel sei es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ein sportliches Zuhause zu bieten.

Zink sieht darin auch einen sozialen Auftrag. Besonders erfreulich sei es, ehemalige Jugendspieler Jahre später wiederzutreffen.

„Ein Erfolg ist für mich, wenn jemand, der vielleicht auf einer schiefen Bahn war, seinen Weg gefunden hat und später sagt: Das war eine schöne Zeit im Verein“, erklärt er.

Ehrenamt als Rückgrat des Vereins

Die Verantwortlichen machen keinen Hehl daraus, dass der Verein stark vom Ehrenamt lebt.

„Trainer und Betreuer zu finden, ist unsere größte Herausforderung“, sagt Wolfgang Wilhelms.

Benjamin Welge ergänzt, dass Interessierte nicht zwingend mit einem Trainerschein beginnen müssten. Wer sich engagieren wolle, werde unterstützt und könne entsprechende Fortbildungen später absolvieren.

Gleichzeitig richtet Welge einen ausdrücklichen Dank an die Familien der Ehrenamtlichen.

„Die Partnerinnen und Partner der Trainer sind ein wichtiges Rückgrat“, sagt er. Wer zwei- oder dreimal pro Woche auf dem Platz stehe und am Wochenende Spiele begleite, investiere viel Zeit. Das funktioniere nur mit Unterstützung im privaten Umfeld.

Moderne Jugendarbeit fordert neue Infrastruktur

Im Fußball verändert sich derzeit vieles. Der Deutsche Fußball-Bund setzt zunehmend auf neue Spielformen für Kinder.

Statt klassischer Spiele auf Großfeldern kommen bei den jüngeren Jahrgängen immer häufiger kleinere Spielfelder mit vier Toren zum Einsatz. Ziel sei es, dass alle Kinder häufiger am Ball sind und mehr Spielaktionen erleben.

Für Vereine bedeutet das jedoch zusätzliche Arbeit und Kosten.

„Früher brauchten wir zwei Tore. Heute brauchen wir für einen Spieltag teilweise 16 bis 20 Tore“, erläutert Welge.

Auch die Organisation werde aufwendiger. Unterschiedliche Altersklassen benötigen verschiedene Ballgrößen, Feldgrößen und Spielsysteme. Jedes Jahr müsse die gesamte Infrastruktur neu geplant werden.

Thomas Zink sieht die Entwicklung grundsätzlich positiv. Die neue Trainingsphilosophie ermögliche mehr Ballkontakte und fördere die Entwicklung der Kinder. Gleichzeitig wünsche er sich mehr Unterstützung für die Basisarbeit der Vereine.

Talente schaffen den Sprung nach oben

Trotz des breiten Ansatzes bleiben sportliche Erfolge nicht aus.

Immer wieder schaffen Jugendliche aus Vorwerk den Sprung in höhere Spielklassen oder werden von Leistungszentren entdeckt. Teilweise beobachten Scouts von Vereinen wie dem VfL Wolfsburg oder dem FC Bayern München Nachwuchsspieler auf regionalen Turnieren und Sichtungsveranstaltungen.

Ein ehemaliger Vorwerker Spieler wechselte nach entsprechender Sichtung erst im letzten Jahr zum VfL Wolfsburg.

Für den Verein sind solche Entwicklungen zwar erfreulich, sie bringen aber auch Herausforderungen mit sich. Gerade talentierte Jugendliche verlassen den Verein später häufig für höherklassige Mannschaften oder ziehen zum Studium in andere Städte.

Mädchenfußball gewinnt an Bedeutung

Große Freude bereitet den Verantwortlichen die Entwicklung im Mädchenfußball.

Gemeinsam mit Vereinen aus Garßen, Groß Hehlen und Scheuen bildet der SC Vorwerk eine Spielgemeinschaft. Unter dem Namen JSG Celler Heide sind inzwischen Mädchen- und Frauenmannschaften aktiv.

Die Verantwortlichen sehen darin einen wichtigen Schritt, um auch jungen Fußballerinnen langfristige Perspektiven im Vereinssport zu bieten.

Viele Sportarten unter einem Dach

Fußball ist zwar die größte Sparte, doch das Angebot des SC Vorwerk reicht weit darüber hinaus.

Zum Verein gehören unter anderem Volleyball, Badminton, Tennis, Tischtennis, Dart, Nordic Walking, Trampolinsport, Schießen, Sportabzeichen-Angebote sowie zahlreiche Gymnastik- und Gesundheitskurse von Kinderturnen über Zumba und Stretching bis hin zur Seniorengymnastik.

Besonders gefragt ist laut Verein derzeit die Trampolinsparte. Die Nachfrage sei so groß, dass bereits Wartelisten geführt werden müssten.

Blick in die Zukunft

Neben dem geplanten Kunstrasenplatz stehen weitere Projekte auf der Wunschliste des Vereins. Wilhelms spricht von einem Sanierungsbedarf bei Gebäuden und Umkleidekabinen. Teilweise seien sogar zusätzliche Räume notwendig.

Dennoch überwiegt bei den Verantwortlichen der Optimismus.

Die Mischung aus Sport, Gemeinschaft und ehrenamtlichem Engagement sei seit Jahrzehnten das Fundament des Vereins. Dass viele ehemalige Mitglieder auch Jahre später zu Festen und Veranstaltungen zurückkehren, wertet man in Vorwerk als Bestätigung.

„Die Menschen fühlen sich hier wohl“, sagt Thomas Zink. „Und das ist am Ende vielleicht wichtiger als jede Tabelle.“

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

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