Lehrermangel statt Schulformen: FDP Celle fordert Kurswechsel in der Bildungspolitik
Die aktuelle Diskussion über eine mögliche weitere Integrierte Gesamtschule (IGS) im Landkreis Celle greift aus Sicht der FDP Kreistagsfraktion deutlich zu kurz. Der eigentliche Engpass ist längst ein anderer: Es fehlen Lehrkräfte.
Während über weitere Schulgründungen diskutiert wird, fällt an vielen Schulen bereits heute Unterricht aus. Nach Angaben des VDR Verbandes Deutscher Realschullehrer liegt die Unterrichtsversorgung an einzelnen Schulen im Landkreis Celle inzwischen teilweise deutlich unter dem Landesdurchschnitt und in Einzelfällen sogar unter 70 Prozent. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte zwischen Schulformen abgeordnet werden, um die größten Versorgungslücken überhaupt noch schließen zu können.
Charles Sievers: „Ohne Lehrkräfte bleibt jede Schulgründung Theorie.“
„Selbstverständlich respektieren wir den Elternwillen. Eltern haben das Recht, sich die Schulform für ihre Kinder zu wünschen, die sie für richtig halten. Aber wir sollten zunächst die entscheidende Frage beantworten: Wer soll unsere Kinder überhaupt unterrichten? Es hilft niemandem, neue Schulformen zu schaffen, wenn wir bereits heute nicht genügend Lehrkräfte haben, um den Unterricht an den bestehenden Schulen sicherzustellen. Eine Schule lebt nicht von ihrem Namen, sondern von guten Lehrerinnen und Lehrern.“
Charles Sievers, schulpolitischer Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion, verweist darauf, dass inzwischen Lehrkräfte aus Oberschulen an Grundschulen abgeordnet werden müssen und teilweise sogar Gymnasiallehrkräfte eingesetzt werden, um Unterrichtsausfälle an anderen Schulen aufzufangen. „Wir erleben derzeit einen Verdrängungswettbewerb um Lehrkräfte. Das löst kein Problem – es verschiebt es lediglich.“
Jutta Krumbach: „Der Elternwille verdient Respekt – aber auch Ehrlichkeit.“
Fraktionsvorsitzende Jutta Krumbach stellt klar: „In der öffentlichen Berichterstattung ist der Eindruck entstanden, die FDP spreche sich für eine weitere IGS aus. Das entspricht nicht unserer Position.
Wir respektieren selbstverständlich den Elternwillen. Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit dazu, dass wir den Eltern keine Schulplätze versprechen dürfen, wenn wir nicht gleichzeitig beantworten können, woher die Lehrkräfte kommen sollen. Unser Ziel ist deshalb zuerst eine verlässliche Unterrichtsversorgung für alle Kinder – unabhängig von der Schulform.“
Steffen Lenzen: „Bildung ist auch Sozialpolitik.“
Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion, Steffen Lenzen, ergänzt: „Die größten Verlierer des Lehrermangels sind die Kinder. Unterrichtsausfälle treffen besonders diejenigen Familien, die zuhause weniger Unterstützungsmöglichkeiten haben. Gute Bildung ist deshalb immer auch Sozialpolitik. Unser Anspruch muss sein, jedem Kind dieselben Chancen zu ermöglichen – nicht durch immer neue Strukturdebatten, sondern durch ausreichend qualifizierte Lehrkräfte im Klassenzimmer.“
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Foto: Pexels /Pixabay
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