Dienstag, 13. Oktober 2026

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Klein, aber fein – Weinfest in Heese

Der Weinmarkt in Celle liegt wenige Tage zurück, da folgt an diesem Wochenende schon das nächste Event, das „Wein“ im Titel trägt. Damit hat es sich aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten – das Weinfest im rund 50-Seelen-Dorf Heese besticht durch einen beschaulichen Rahmen im Garten eines alten Bauernhauses. Jahrhundertealte Eichen, Blumenbeete und absolute Ruhe umgeben die zahlreich erschienenen Gäste, die Platz nehmen an den Tischen mit weißen Decken.

Alles ist sorgfältig und liebevoll vorbereitet von den Gastgebern Hannah und Niels Wesemann, die tatkräftig unterstützt werden von ihren Familien. „Wir wollen zeigen, dass wir auch etwas zu bieten haben“, sagt Niels Wesemann, der sich über Sprüche wie „Auf dem Dorf ist nichts los“, ärgert. „Sie spornen mich doppelt an, etwas auf die Beine zu stellen.“ Er hat eine enge Verbindung zu Heese und dem ehemaligen Hof Kaiser, der seine Familie über Generationen begleitet hat. Nicht immer hat er hier gelebt, aber die Jahre der Abwesenheit haben ihm gezeigt: „Hier fühle ich mich wohler als in der Stadt, hier ist meine Heimat, hier liegen meine Wurzeln.“ Seine Frau stammt aus Langlingen. Ihre Eltern sind vor Ort und packen mit an, damit die Köstlichkeiten vom Grill und natürlich die Weine serviert werden können.

Das Wetter passt am Samstagnachmittag, es ist nicht zu heiß, die Gäste sitzen gesellig beieinander, das Bild, das sich dem Besucher bei diesem Weinfest bietet, könnte man ohne Übertreibung idyllisch nennen. Wem nach Geselligkeit zumute war, der begab sich in früheren Zeiten aus den kleinen Orten zwischen Eschede und Eldingen in die Gasthäuser in Endeholz und Bargfeld. „Sie sind dem allgemeinen Kneipensterben auf dem Land zum Opfer gefallen“, erzählt Niels Wesemann. Auch ein Aspekt, der mit hineinspielt in die Gründung des Heeser Weinfestes, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. „Wir füllen eine Lücke, die entstanden ist durch das Verschwinden der Dorfkneipen“, erläutert der Gastgeber, der als Wirtschaftsförderer in der Gemeinde Wietze tätig ist: „Standortmarketing interessiert mich allein aus beruflichen Gründen sehr.“

Aber auch für Historisches hat Niels Wesemann etwas über, und auch hier gibt es eine Verbindung zum Heeser Weinfest: „Wir möchten mit dem Fest erinnern an eine geschichtliche Besonderheit“, macht der junge Mann auf etwas aufmerksam, das ihm schon als Kind in Form der Sage vom Schatz in Heese zu Ohren kam, deren tatsächlicher historischer Kern der Folgende ist: Heese unterstand von 1365 an fast 500 Jahre lang nicht wie die anderen Dörfer der Umgegend der Amtsvogtei Beedenbostel, sondern der Stadt Celle. Um eine Stiftung an die Marienkirche zu Celle zu finanzieren, schenkte Herzog Wilhelm II von Braunschweig-Lüneburg das gesamte Dorf Heese der Kirche, in deren Eigentum es verblieb, bis es 1525 als Erbe an die Stadt Celle überging. Diese verwaltete fortan die Rechte und Pflichten im Dorf – insbesondere die niedere Gerichtsbarkeit. Jedes Jahr im Herbst, nach der Ernte, reisten die Bürgermeister und Ratsmitglieder aus Celle nach Heese, um dort Gericht zu halten. Die Bauern mussten dafür ein Gespann stellen, den Küchenwagen mit Speisen und Getränken aus Celle transportieren und teilweise selbst für die Verpflegung sorgen. Die Verfahren selbst behandelten zumeist alltägliche Angelegenheiten: unerlaubtes Fällen von Bäumen, Vernachlässigung der Hofwirtschaft, verspätete oder nicht geleistete Abgaben. Auch der Kalandbusch, ein Waldstück bei Heese, war regelmäßig Gegenstand des Ärgers: Die Bauern vernachlässigten die Pflege der Gräben und Zäune, sodass regelmäßig Strafen ausgesprochen wurden. Das Waldstück wurde zum Schauplatz der Sage, die sich aus der historischen Wahrheit entspann.

Erst im Jahr 1851 gab der Magistrat Celle die Hoheit über die Gerichtsbarkeit auf, Heese wurde wie die anderen umliegenden Ortschaften dem Amt Beedenbostel unterstellt.

Eine solche Sonderstellung war selten und ist heute weitgehend vergessen. „Genau daran möchten wir mit dem Heeser Weinfest erinnern“, sagt Niels Wesemann abschließend.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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