Dienstag, 8. September 2026

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Schmuck aus dem Erbe bei einem Geldankauf richtig schätzen lassen: Ein Leitfaden für Erben

Wenn ein Angehöriger von uns geht, bleiben neben den Erinnerungen oft auch Werte zurück. Schmuck aus dem Nachlass zählt zu den häufigsten Erbstücken, deren Wert Laien kaum abschätzen können. Ein alter Ring, eine Kette aus der Schmuckschatulle der Großmutter oder die Manschettenknöpfe des Großvaters können viel mehr wert sein, als es auf den ersten Blick scheint. Damit Erben beim Verkauf, der Verwahrung oder Umarbeitung eine Entscheidung treffen können, ist die richtige Schätzung die erste Voraussetzung.

Warum unbedingt professionell schätzen lassen?

Der Wert eines Schmuckstücks im emotionalen Sinne lässt sich nicht beziffern, der materielle hingegen sehr wohl. Viele Erben schätzen den Wert älterer Stücke nicht richtig ein, weil der Blick auf Substanz und Handwerk durch moderne Modeschmucktrends verwehrt wird. Antike Broschen, Trauringe aus den 1950er Jahren oder Anhänger mit Edelsteinen werden weit unter Wert verkauft, wenn eine fachkundige Prüfung nicht erfolgt.

Zur seriösen Bewertung bei einem Goldankauf in München oder anderen Städten gehören viele Kriterien, die ein Fachmann oder wenigstens ein zertifizierter Edelmetallprüfer zu beurteilen weiß. Dazu gehören die Art des Materials, Feingehalt, Gewicht, Verarbeitungsqualität, Herkunft, Alter und eventueller Sammler oder Designerwert. Bei Stücken mit Edelsteinen kommen die 4C dazu, Carat, Color, Clarity und Cut, die internationale Normen zur Diamantbewertung darstellen und vom Gemological Institute of America festgelegt wurden.

Punzen, Legierungen und andere Prüfmerkmale

Zentrales Erkennungszeichen eines jeden Goldschmuckstücks ist die Punze. Diese kleine Stempelung, die sich in der Regel auf der Innenseite eines Ringes oder am Verschluss einer Kette findet, gibt Auskunft über den Feingehalt des Materials. Bruchstücke, aus denen Stücken von Geringwertigkeit oder aus anderem Material gefertigt wurden. Bei Gold ist das Feingehalt übliche Wertstufen sind 333, 585, 750, 916, was der Goldgehalt in Tausendstel angibt. 585er Gold enthält also 58,5 Prozent reines Gold, der Rest sind Legierungsmetalle wie Kupfer, Silber oder Palladium. Neben der Prüfung der Punze kommen hier auch häufig Röntgenfluoreszenzanalysen zum Einsatz, ein zerstörungsfreies Verfahren, mit dem die genaue Zusammensetzung einer Legierung binnen Sekunden ermittelt wird. Die altehrwürdige Säureprüfung wird nach wie vor verwendet, gilt aber nicht nur als ungenauer, sondern ist bei Antiquitäten weniger geeignet, weil sie doch jede Legierung für immer verändert.

Bei Silber beträgt der übliche Feingehalt 800 oder 925. Sterlingsilber mit 925 ist die international übliche Qualität für hochwertigen Silberschmuck. Platin hat meist die Stempelung 950, Palladiumlegierungen sind mit 500 oder 950 gekennzeichnet.

Der Bewertungsprozess Schritt für Schritt

Zunächst wird jedes Stück einzeln gesichtet, gereinigt und auf Punzen untersucht. Dann wird gewogen, meist auf einer geeichten Feinwaage mit einer Genauigkeit von 0,01 Gramm. Bei Mehrteilern werden Edelsteine und andere Teile gesondert bewertet, weil der Materialwert hierdurch erheblich beeinflusst werden kann.

Nach der Analyse des Materials wird der Tagespreis herangezogen. Der Goldpreis wird zweimal täglich durch die London Bullion Market Association festgestellt und ist weltweit Maßstab. Auf diesen aktuellen Materialwert wird von seriösen Ankäufern eine nachvollziehbare Marge abgezogen. Ein schriftliches Angebot, in dem der Materialwert auch detailliert aufgeführt wird, sollte hier selbstverständlich sein.

Gerade bei wertvollen oder historischen Stücken ist es ratsam, sich ein unabhängiges Gutachten einzuholen, etwa durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Die Industrie und Handelskammer führt Verzeichnisse dieser Sachverständigen, die auch für Nachlassabwicklungen und steuerliche Zwecke akzeptierte Wertermittlungen erbauen.

Foto: Gemini