Samstag, 10. Oktober 2026

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Kurt Kammel ist neuer Hauptkönig in Klein Hehlen: „Der hilfsbereite Kronenjäger“ trifft ins Schwarze

„Frohe Pfingsten!“ – wer am Sonntag das Festzelt der Schützengesellschaft Klein Hehlen von 1880 betrat, konnte bei diesem Gruß im September durchaus kurz stutzen. Doch in Klein Hehlen hat er Tradition. Viele Jahre wurde das Schützenfest zu Pfingsten gefeiert. Obwohl der Termin bereits seit 2014 im September liegt, ist der alte Gruß geblieben. Und so hieß es auch an diesem Sonntag wieder „Frohe Pfingsten“, als sich Schützen, Gäste aus Politik und Vereinen sowie zahlreiche Klein Hehlener zum Festessen versammelten.

Am Ende des Nachmittags stand fest, wer die Gesellschaft durch das kommende Königsjahr führen wird: Kurt Kammel setzte mit einem 47,0-Teiler den besten entscheidenden Treffer und wurde zum Hauptkönig 2026 proklamiert. Sein Königsname passt zu dem Bild, das die Gesellschaft von ihm zeichnete: „Der hilfsbereite Kronenjäger“. Nur hauchdünn dahinter lag der neue Vizekönig Gero Knoop mit 48,9 Teiler.

Doch bis zur Proklamation war es ein langer Sonntag voller Reden, Ehrungen, Musik und vieler kleiner Geschichten aus dem Vereinsleben.

Zum Festessen marschierten zunächst die noch amtierenden Majestäten unter den Klängen des Spielmannszuges Klein Hehlen ins Festzelt ein. Angeführt wurden sie vom bisherigen Hauptkönig Robert Brettschneider, „der meisterliche Blitzstarter“. Durch das Programm führten der Erste Vorsitzende Christian Ceyp und sein Stellvertreter Kristof Stolze. Für die musikalische Begleitung während des Essens sorgte die Feuerwehrkapelle Oppershausen.

Unter den Gästen begrüßte Ceyp zahlreiche Vertreter aus Politik, Schützenwesen und Sport. Alexander Wille, CDU-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister der Stadt Celle, vertrat Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge. Gerade am Tag der Kommunalwahl führte am Thema Politik ohnehin kaum ein Weg vorbei.

Wille verband seine Grüße mit einem augenzwinkernden Appell an alle, die noch nicht gewählt hatten. Wer seine Stimme noch nicht abgegeben habe, könne noch zwei Bier trinken, müsse dann aber zunächst Feierabend machen, wählen gehen und anschließend wiederkommen. Ernster wurde er beim Blick auf die Bedeutung des Schützenwesens. Vereine wie die Schützengesellschaft Klein Hehlen stünden für Gemeinschaft, Tradition, Kameradschaft und kulturelle Identität. Zugleich verwies Wille auf Investitionen der Stadt in den Sport und dankte den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz.

Auch Karin Abenhausen, Ortsbürgermeisterin von Klein Hehlen, machte die Wahl zum Thema – und das in Reimform. Ausgehend vom Motto „Bei uns, da hast du keine Wahl“ spannte sie den Bogen von den vielen kleinen und großen Entscheidungen des Lebens bis zur Kommunalwahl. Wer sein Kreuz noch nicht gesetzt habe, solle dies nach dem Festessen „mit Bedacht“ tun.

Ihre deutlichste politische Botschaft hob sie sich für den Schluss auf. Unabhängig vom Ausgang der Wahl wünsche sie sich künftig „weniger Gräben und mehr Brücken“. Demokraten müssten zusammenrücken. Viele Menschen seien des politischen Gezänks müde; entscheidend sei, gemeinsam zum Wohl der Stadt zu arbeiten.

Auch Pastor Frank Tiss griff später das Zusammentreffen von Schützenfest und Wahlsonntag auf. Er erinnerte sich daran, wie er selbst schon als Kind bei Schützenfesten im Landkreis Gifhorn Musik gemacht und später geschossen habe. Die Anrede „Liebe Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder“ habe ihn damals zunächst irritiert. Später habe er darin jedoch genau das erkannt, was Vereine ausmache: Gemeinschaft, Verantwortung und Zusammenhalt.

Tiss berichtete zudem von seiner Zeit im Norden Brasiliens, wo an Wahltagen der Verkauf von Alkohol untersagt werde, um aufgeheizte Auseinandersetzungen zu vermeiden. Dass in Klein Hehlen ausgerechnet Schützenfest und Kommunalwahl zusammenfielen, sah er dagegen als passenden Anlass, über Demokratie zu sprechen. Freie Wahlen seien ein wesentliches Recht – demokratisches Zusammenleben müsse aber auch gelernt, geübt und gelebt werden. Gerade Vereine seien dafür wichtige Orte.

Ehrungen für jahrzehntelange Treue

Einen großen Raum nahm anschließend die Würdigung des Ehrenamtes ein. Mike Schönemann, Kreisvorsitzender des Kreisschützenverbandes Celle Stadt und Land, nahm gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Maren Gremmel zahlreiche Ehrungen vor.

Für 15-jährige Mitgliedschaft wurden Imke Ritzke, Michael Breithaupt und Nico Paul ausgezeichnet. Auf 25 Jahre im Deutschen Schützenbund blicken Helmut Schmitt, Hannes Stolze, Finn Stolze und Kristof Stolze zurück, auf 40 Jahre Markus Reichstein.

Besonders lang ist die Verbundenheit von Herma Selke sowie Hans-Heinrich Kruse und Siegfried Selke: Selke wurde für 50 Jahre, Kruse und Siegfried Selke für jeweils 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Herma Selke und der 95-jährige Siegfried Selke konnten ihre Auszeichnungen nicht persönlich entgegennehmen.

Eine besondere Ehrung erhielt zudem Marion Dettmer, die seit 2017 als Vereinsdamenleiterin tätig ist und sich unter anderem seit Jahren als Standaufsicht engagiert. Sie wurde mit der Verdienstnadel in Silber des Niedersächsischen Sportschützenverbandes ausgezeichnet.

Für einen besonders persönlichen Moment sorgte Hartmut Ensslen, der Hans-Heinrich Kruse noch einmal auf seine ganz eigene Weise würdigte. Kruse sei nicht nur seit Jahrzehnten dabei, sondern packe bis heute überall mit an – vom Umbau des Schützenhauses bis zum stundenlangen Einsatz während des laufenden Festes. Ensslen brachte die Haltung des Geehrten mit einem Satz auf den Punkt, den Kruse selbst geprägt habe: „Ich hab einfach Lust zum Schützenleben.“

Emotionaler Abschied für Michael Eggers

Einer der bewegendsten Momente des Festessens galt jedoch einem Mann, dessen Stimme seit Jahrzehnten untrennbar mit der Proklamation in Klein Hehlen verbunden ist. Kristof Stolze würdigte Michael Eggers, Ehrenschriftführer und Ehrengeneral der Gesellschaft.

Seit 1990 hatte Eggers – abgesehen von seinen eigenen Königsjahren und den Corona-Unterbrechungen – Jahr für Jahr die neuen Majestäten ausgerufen. Stolze bezeichnete ihn als „geheime Festplatte unserer Schützengesellschaft“ und als wandelndes Geschichtsbuch. Eggers wusste bei seinen Proklamationen nicht nur, wer welchen Treffer erzielt hatte. Er kannte Familiengeschichten, frühere Könige und Anekdoten, die Jahrzehnte zurückreichen.

Nach mehr als 35 Jahren sollte diese Proklamation nun seine letzte sein. Als Stolze ihm zum Abschied einen eigens vorbereiteten Pokal überreichte, war Eggers sichtlich bewegt. Auch seine Frau Silke wurde für die jahrelange Unterstützung im „Backoffice“ mit Blumen bedacht.

Wie Eggers an sein enormes historisches Wissen gekommen war, erklärte er später selbst. Vieles habe er älteren Schützen aufmerksam abgehört. Eine weitere wichtige Quelle seien die alten Protokolle der Gesellschaft gewesen. Sein Vater Dieter Eggers hatte die ursprünglich in Sütterlin verfassten Aufzeichnungen übertragen und damit zahlreiche Geschichten aus der Vereinsvergangenheit zugänglich gemacht.

Bevor Eggers ein letztes Mal zur Proklamation schritt, galt der Blick noch dem scheidenden Hauptkönig Robert Brettschneider. Dessen Königsrede hielt Norbert Schüpp, Oberster Hauptschaffer des Großen Schafferrates der fünf Vereinigten Celler Schützengesellschaften.

Schüpp zeichnete ein humorvolles Bild des „meisterlichen Blitzstarters“: ehrgeizig, perfektionistisch, zuverlässig und stets voller neuer Projekte. Brettschneider ist als Platzmeister des Celler Schützenfestes dafür bekannt, anzupacken und Probleme lieber sofort als später zu lösen. Wenn etwas nicht schnell genug vorangehe, könne aus dem freundlichen Elektromeister auch schon einmal ein Mann „unter Volllast“ werden. Trotzdem – oder gerade deshalb – sei auf ihn Verlass.

Eggers ruft ein letztes Mal die neuen Majestäten aus

Am Nachmittag kam dann der Moment, auf den das Festzelt gewartet hatte. Die bisherigen Majestäten traten noch einmal an, bevor Eggers zum letzten Mal die neuen Würdenträger der Schützengesellschaft ausrief.

Dabei zeigte sich noch einmal, warum seine Proklamationen über Jahrzehnte weit mehr als das Verlesen einer Ergebnisliste gewesen waren. Eggers erzählte, kommentierte und neckte. Selbst der Spielmannszug bekam sein Fett weg: Er habe eigentlich gedacht, dessen Repertoire zu kennen, sagte Eggers – seit diesem Tag wisse er aber, dass auch „YMCA“ dazugehöre.

Bei den Jüngsten wurde Fria Oehlmann mit 276 Teiler Zwergenkoboldkönigin, Johanna Kerlin erreichte mit 294 Teiler den Vizetitel. Finn-Jonah Welge wurde mit 191 Teiler Koboldkönig, Jakob Thies mit 251 Teiler Kobold-Vizekönig.

In der Jugend gelang gleich mehreren Nachwuchsschützen die Titelverteidigung. Mathea Heitsch gewann mit 28 von 30 möglichen Ringen zunächst den Jugendpokal und wurde mit 215,2 Teiler erneut Mädchenbeste. Finja Leonhardt-Fricke belegte mit 759,2 Teiler den zweiten Platz. Jason Salomon verteidigte mit 121,9 Teiler seinen Titel als Jugendkönig, Lion Hensel wurde mit 255,2 Teiler erneut Jugend-Vizekönig. Den dritten Platz belegte Milano Blühm mit 394,3 Teiler.

Besonders viel Spaß habe es in diesem Jahr beim Königsschießen der Damen gegeben, berichtete Eggers. Jeder Zehner habe für spitze Schreie, überraschte „Ups“-Rufe und reichlich Gelächter gesorgt.

Neue Damenkönigin ist Barbara Schmitz mit 120,3 Teiler. Als beim Schießen die Zehn angesagt worden sei, habe sie selbst zunächst widersprochen: „Nö, geht nicht“ – sie glaubte, einen weißen Bereich getroffen zu haben. Tatsächlich hatte sie den kleinen weißen Mittelpunkt erwischt und einen königlichen Treffer gesetzt. Ines Schülke wurde mit 127,3 Teiler Damen-Vizekönigin.

Auch Sven Zurawski bleibt seiner Würde treu. Wie bereits im Vorjahr schoss er 46 Ringe und wurde erneut Freihandkönig. Kristof Stolze erreichte 43 Ringe und wurde Freihand-Vizekönig. Mit 29 Ringen sicherte sich Stolze zudem den Wittig-Pokal.

Nur 1,9 Teiler entscheiden über den Hauptkönig

Bei den Schützen rückte schließlich die Entscheidung um die Königswürde näher. Wolfgang Pokall erreichte mit 125,2 Teiler Platz fünf, Kristof Stolze mit 121,8 Teiler Platz vier und Dominik Piehler mit 61,1 Teiler Platz drei. Eggers räumte ein, dass die Ergebnisse diesmal so dicht beieinandergelegen hätten, dass er erstmals seit langer Zeit die Reihenfolge der vorderen Plätze beim Schießen nicht richtig habe vorhersagen können.

Dann blieben nur noch zwei.

Gero Knoop wurde mit einem starken 48,9-Teiler neuer Vizekönig. Doch ein Treffer war noch um gerade einmal 1,9 Teiler besser.

Mit 47,0 Teiler fiel die Entscheidung zugunsten von Kurt Kammel.

Eggers musste bei dessen Vorstellung nicht lange nach einer passenden Beschreibung suchen. Kammel sei einer, der immer da sei, wenn etwas erledigt werden müsse. Einer, der helfe, anpacke und sich einbringe – notfalls auch noch spät am Abend, wenn andere eigentlich längst Feierabend machen wollten. Königserfahrung bringt Kammel ebenfalls reichlich mit.

So bekam der neue Hauptkönig schließlich einen Namen, der zu dieser Beschreibung kaum besser passen könnte:

Kurt Kammel, „Der hilfsbereite Kronenjäger“.

Damit endete nicht nur die Regentschaft des „meisterlichen Blitzstarters“ Robert Brettschneider. Mit dem neuen Hauptkönig begann für die Klein Hehlener Schützen ein neues Königsjahr – und mit Michael Eggers’ letzter Proklamation ging zugleich eine mehr als 35 Jahre währende Ära zu Ende.

Nach der Proklamation versammelten sich die neuen Majestäten zunächst zum traditionellen Königshausfoto. Anschließend ging es für die Schützengesellschaft noch einmal im Festumzug durch Klein Hehlen: Gemeinsam wurden die Königsscheiben beim Jugendkönig, bei der Damenkönigin und beim Hauptkönig angebracht. Danach kehrten die Schützen auf das Festgelände zurück, wo das Schützenfest am Abend mit der Königsparty und DJ Olli seinen Ausklang finden sollte.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse