Neubau Finanzamt trotzt dem Winter

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CELLE. „Was lange währt, wird endlich gut,“ ist wohl die zutreffendste Beschreibung für die 8,425 Millionen EURO teure Baumaßnahme im Areal Im Werder. Die geplante Nutzfläche beträgt ca. 3.135 qm. Hinzu kommt der Umbau des vorhandenen Gebäudes Im Werder 15 mit ca. 875 qm, das bereits seit einiger Zeit vom Finanzamt genutzt wird. Nun wird es durch einen Verbindungstrakt an den Neubau angeschlossen.

Als der Grundstein im Juni 2009 gelegt wurde, war noch der damalige Vorsteher des Celler Finanzamtes, Gerd Graf, im Amt. Er hatte seinerzeit mit langem Atem seine Raumanforderungen für eine moderne und ökonomisch sinnvolle Arbeitsorganisation plausibel machen und durchsetzten können. Seine Nachfolgerin, Barbara Sumpf, seit August 2009 im Amt, konstatiert: „Der Neubau war dringend notwendig, um gleiche Arbeitsbedingungen für die Bediensteten zu schaffen. Außerdem haben wir auf eine behindertengerechte Gestaltung Wert gelegt.“

Verpackt in 20 cm kaschierte Isolierwolle muss nun der Bau überwintern, bis an der Fassade weiter gearbeitet werden kann. Das Gerüst um den U-förmigen Bau signalisiert jederzeitige Bereitschaft für die Fortsetzung der Arbeiten. Richard Bitter, Leiter des Staatlichen Baumanagements Osnabrück-Emsland, ist zuversichtlich: „Der Baufortschritt liegt im Terminplan, die derzeitigen Witterungsbedingungen sind zwar beschwerlich, haben aber keinen Einfluss auf das Baugeschehen, da der Baukörper geschlossen ist und im Inneren weiter gearbeitet werden kann.“

Noch kann man nicht erahnen, welche Funktionen die einzelnen Gebäudebereiche übernehmen werden. Vorgesehen ist als Neuerung die Einrichtung einer Infothek für Arbeitnehmer, die dort direkt ihre Steuerprobleme vortragen können; ebenfalls können dort Fragen zur Kfz-Steuer abgeklärt werden. Neu wird auch sein, dass für die Bediensteten für „Notfälle“ ein Eltern-/Kind-Zimmer zur Verfügung steht. Im Spätherbst 2010 werde der Neubau fertiggestellt sein, so Richard Bitter.

Das alte Gebäude des Celler Finanzamtes in der Sägemühlenstraße hat dann ausgedient – insgesamt werden 5 Gebäude mit einer Nutzfläche von ca. 3.600 qm in mittelbarer Nachbarschaft genutzt, u.a. das alte Gesundheitsamt. Das brachte teils erhebliche organisatorische Probleme mit sich, z.B. sei der Aktentransport von einem Gebäude zum anderen sehr mühselig, so Barbara Sumpf. Bei den Bediensteten überwiege die Vorfreude auf das moderne Arbeitsumfeld. Allerdings wird auch dort eine Klimaanlage nicht vorhanden sein. Aber auch Wehmut spiele mit; denn die jetzige Nähe zur Celler Innenstadt werde als Vorteil empfunden. Die nächste große Herausforderung wird sein, den Umzug für die 240 Bediensteten zu organisieren. Dann gilt es auch, sich weitgehend von dem alten Mobiliar zu verabschieden. Neues Gebäude – neue Büromöbel: Eine zwangsläufige Entscheidung. Barbara Sumpf schaut sich amüsiert in ihrem Büro um. Ihr Büro im neuen Gebäude wird wohl etwas kleiner ausfallen, ihrer jetzigen schon fast musealen Büroausstattung trauert sie nicht nach. Historischer Eingang zum Hauptgebäude A

Das Schicksal des Hauptgebäudes – 1872 bis 1874 vom Preußischen Staat gebaut mit Bautechniken und Materialien norddeutscher Backsteingotik, um machtvoll Traditionsverbundenheit zu demonstrieren – ist ungewiß. Einst als Militärlazarett genutzt, ab 1921 als Versorgungsamt und schließlich ab 1932 als Finanzamt. Im Sommer 2010 soll über die Möglichkeiten der Nachnutzung eine Projektarbeit von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim starten. Bleibt abzuwarten, ob sich für das Gebäude mit historischer Bedeutung eine neuzeitliche Verwendung findet.

Redaktion
Celler Presse
WasCellebewegt.de





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