Das Ende der Geduld

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CELLE. Eigentlich sollte im Sozialausschuss nur eine neue Satzung für Obdachlosenunterkünfte verabschiedet werden. Die Stadt will sich damit die Möglichkeit schaffen, in Problemfällen wirksamer eingreifen zu können. Das wurde im Ausschuss kontrovers bis zu einem Konsens diskutiert. Die bis zur Bürgerfragestunde ausharrenden Anwohner aus der Nachbarschaft der Obdachlosenunterkünfte entzauberten jegliche Sozialromantik. 

„Die Satzung löst nicht alle Probleme,“ musste Stadtrat Stephan Kassel zugeben. Doch die Probleme, die er zu lösen erhoffte, stellte Andreas Hauptmeyer massiv in Frage. Wenn auch Hauptmeyer nicht das Rowdytum und die Lärmbelästigung rechtfertigte, wollte er jedoch Eingriffe in die Privatsphäre der Obdachlosen, Bevormundungen und Sanktionen abwehren. Kassel wies nachdrücklich darauf hin, dass es darum gehe, Menschen Unterkunft zu gewähren, weil sie selbst nicht in der Lage sind, aus wirtschaftlichen Gründen oder durch eigenes Verhalten, eine Wohnung zu beschaffen oder zu halten. Kassel: „Der beste Weg wäre, die Menschen zu bekehren, das klappt aber nicht.“ Und Fachdienstleiter Matthias Peter ergänzte, es handele sich um Generalklauseln für alle, um Frieden im Umfeld zu schaffen. 

Kassel betonte, dass es hier nicht um ein Mietverhältnis gehe, zumal auch keine Miete entrichtet werde. Außerdem werde niemand festgehalten. Es müsse für gewisse „Wohnunfähige“ eine Unterkunft gefunden werden – wie z. B. früher der Martahof – die keine unmittelbare Nähe zu anderen Anwohnern habe. Karsten Moritz (CDU) bemängelte, dass in der neuen – nun gestrafften – Satzung lediglich von Mitbewohnern die Rede ist, denen gegenüber Rücksicht genommen werden soll. Er beantragte den Zusatz „Anwohner und Außenbereich“. Mit diesem Zusatz ging dann die neue Satzung durch den Ausschuss. 

Es klang schon fast philosophisch, als Ausschussvorsitzender Gerhard Vasterling in seiner letzten Sitzung – er tritt nicht mehr zur Kommunalwahl an – an das soziale Gewissen appellierte: „Die Gesellschaft ist so gut wie sie mit ihren Schwächsten umgeht.“ 

Dafür brachten die anwesenden Bürger aus Vorwerk und anderen Celler Brennpunkten wenig Verständnis auf. Gerade in Vorwerk ist seit zwei Wochen die Hölle los, nachdem dort in einem beschaulichen Wohngebiet Obdachlose angesiedelt wurden. Seit zwei Wochen habe man kaum noch schlafen können. Bis drei Uhr nachts werde Krach gemacht. Manchmal kämen dort 10 bis 20 Personen zusammen, die in lautstarken Gelagen die Anwohner wach halten und obendrein noch anpöbeln. Außerdem laufe dort ein Hund frei herum, der die Anwohner angehe. Auf die Bitte, den Hund fernzuhalten, gab es die Retourkutsche: „Was willst du Ar…..?“ Einem Anwohner sei auch schon gedroht worden: „Ich bring dich um.“ Die herbeigerufene Polizei sei erst nach 45 Minuten eingetroffen. Sie habe wohl selbst Angst vor diesen Leuten, war die Vermutung des Bedrohten. Noch nie habe es auf dem Grundstück solch einen Terror gegeben. Zuvor wohnten dort Asylbewerber, mit denen alle gut auskamen, die Nachbarschaftshilfe leisteten, die aber auch das Grundstück in Ordnung hielten. Jetzt ist das Grundstück regelrecht verwahrlost und zugemüllt. Die Nerven der Anwohner liegen blank. Die Erwartung der Anwohner ist, dass in den nächsten drei Tagen Abhilfe geschaffen wird………. 

Fachdienstleiter Matthias Peters hat alles protokolliert, Dinge, die er aus eigener Anschauung teils schon selbst wahrnehmen konnte. Juliane Schrader (Grüne) hat in Aussicht gestellt, sich ebenfalls vor Ort ein Bild zu machen. Es scheint, als sei eine Lösung auf den Weg gebracht. 

Redaktion
Celler Presse 

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