Die Lage der Heeresfliegertruppe

WIETZENBRUCH. Im Großen Saal des Offiziersheims der Immelmann-Kaserne hielt am Dienstagabend der Brigadegeneral Alfons Mais einen Vortrag zur Lage der Heeresfliegertruppe. Allgemeine Informationen zur Bundeswehrstruktur, die Auswirkungen auf die regionalen Standorte und die modernen Hubschrauber bildeten den Kern seines Vortrags. Im Anschluss hatten die Besucher nebst anwesenden Bundeswehrsoldaten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu Diskutieren.

Norbert Sprenger, 1. Vorsitzender der “Gemeinschaft der Heeresflieger Celle – Faßberg” (GdH) und Leiter der Celler Sektion der “Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V.” (GfW), begrüßte zu Beginn die Besucher im Großen Saal des Offiziersheims der Immelmann-Kaserne. Die GfW und GdH verfolgen mit Interesse das Geschehen der Bundeswehr und vor allem der Heeresflieger. Sprenger freute sich sehr über den Besuch des Brigadegenerals Mais für diese Informations- und Kennenlernveranstaltung.

Brigadegeneral Dipl. Kfm. Alfons Mais ist der General der Heeresfliegertruppe und Kommandeur Heeresfliegerwaffenschule mit Sitz in Bückeburg. „Ich bin gern in Celle“, begann Mais seinen Vortrag. Er habe in seiner Laufbahn schon zwei Mal in Celle gewohnt. Drei Jahre in Westercelle und zwei Jahre in Groß Hehlen; auch sein Sohn wurde im Allgemeinen Krankenhaus in Celle geboren, ergänzt Mais. Der Brigadegeneral beleuchtete in seiner Präsentation die aktuelle Lage, die Struktur, den Sachstand KHT / NH90, ISAF und wagte einen Ausblick auf die kommenden Jahre.

Mit dem Titel “Die Heeresfliegertruppe im Heer 2011 – Herausforderung und Chance” machte Mais in seinem Vortrag deutlich, dass die deutsche Hubschrauberausbildung international anerkannt sei. Die neue Bundeswehrstruktur fordere Veränderungen, die nunmehr über Jahre vorbereitet wurden. Erst nach und nach werde man diese auch in der Tat umgesetzt sehen können.

Mit der schrittweisen Einführung der Hubschrauber Tiger und NH90 wird sich grundlegend etwas ändern. Zuerst gab es bei der Beschaffung der Geräte Lieferschwierigkeiten, dann gingen die ersten Hubschrauber gleich in den Einsatz. Denn dort wurden die neuen Systeme unbedingt gebraucht, um unter anderem die Rettungskette mit nationalen Kräften schließen zu können. In Deutschland warteten die Ausbildungsstandorte händeringend auf weitere Neuauslieferungen. Man wolle so die Soldaten besser am Gerät ausbilden und auch die neue Ausbildungsstruktur einnehmen.

Eine einjährige Hubschraubergrundausbildung mit Theorie und dem Erlernen gewisser Grundmanöver ist die Basis der Ausbildung. Im Anschluss soll es sich in zwei Arme gliedern: Tiger-Ausbildung (u.a. Le Cannet) und NH90-Ausbildung (Bückeburg). Da jedoch der Einsatz Vorrang hatte, konnte diese Gliederung nicht funktionieren. Die Soldaten mussten auf bestehende Geräte, wie die BO105, ausweichen und kamen nach Celle. Von den bestellten 40 Tigern sind mittlerweile 30 und von den 90 bestellten NH90 sind 80 ausgeliefert. Die dafür vorgesehenen Standorte sind schon ausreichend bestückt. Noch in der ersten Jahreshälfte folgen noch weitere für den Standort Faßberg und anschließend bekommt Bückeburg weitere Hubschrauber. Die neuen Ausbildungsmuster (Tiger/NH90) beginnen im April 2014, was das „Provisorium“ über Celle mittelfristig überflüssig macht.

Die Zahl der Auszubildenden stand in der Diskussion auch zur Debatte. Hier scheint eine Differenz zwischen Bedarf und Ausbildung zu bestehen, rechne man die gleichbleibenden Ausbildungszahlen bis 2020 hoch. Ein Überschuss könnte die neuen Hubschrauberführer vor essentielle Fragen stellen. Brigadegeneral Mais siehe die Problematik und habe diese im Auge. Notfalls müsse „auf die Bremse“ bei der Ausbildung getreten werden.

Die Lehrgruppen A (Achim) und B (Bückeburg) bleiben auch nach der neuen Struktur bestehen. In Celle wird es dann das Ausbildungsübungszentrum – Luftgestützter Einsatz geben. Planerisch musste man sich fragen, was soll überhaupt in Celle ausgebildet werden. Nunmehr befinden sich Simulatoren in der Beschaffung, denn nach der neuen Struktur läuft die Ausbildung auf der BO105 in Celle Ende 2016 aus.

Mais lobte die neu angeschafften Hubschrauber mit den Worten: „Es ist ein Gewinn für die Truppe“. Der Tiger zeige bereits im Einsatz bessere Leistungswerte in der Sensorik, der Geschwindigkeit und der Flugdauer als erwartet. Die Kritik aus dem Publikum bezüglich der Bewaffnung wies Mais zurück. Man müsse „vom Einsatz her denken“, so Mais. Verschiedene Systeme können einsatzspezifisch angedacht und getestet werden. Bewähren sie sich, kann sich auch etwas in der Truppe ändern. So auch bei den Waffensystemen des Tigers. Die vom Gast favorisierte französische Kanone sei auch nicht praktikabel für den Tiger. Diese schwenkbare Bordkanone findet vorn keinen Platz, da andere wichtige Technik dort verbaut wurde. Auch die Franzosen nutzen die augenscheinlich um 180 Grad schwenkbare Kanone nur um jeweils 15 Grad, da die Gesamtstruktur des Hubschraubers schon gefährdet ist. Man plane aber an den Seiten insgesamt vier Plätze zu schaffen, um den Waffenmix zu erhöhen. Der Einsatz in Afghanistan zeige allerdings sehr deutlich, dass der Hubschrauber eher eine abschreckende Wirkung hat. Die in Kämpfe verwickelten Bodentruppen rufen diese Luftunterstützung. Die hochgerüsteten fliegenden Waffensysteme sind den Terroristen am Boden weitaus überlegen und diese suchen in der Regel das Weite oder mischen sich unter die Zivilisten.

Anders sieht es bei der NH90 aus. Der Transporthubschrauber kann als fliegende Intensivstation verwendet werden. Im Einsatz schließt er mit dieser Rettungstechnik eine wichtige Lücke, die vorher nicht von nationalen Kräften geschlossen werden konnte.

Aufgrund zahlreicher Einsatzerfahrungen und praktischen Tests werden Neuerungen in den Bau der neuen Systeme mit einbezogen. Es handelt sich bei den neuen und ausgelieferten Hubschraubern und denn sogenannten FOC–Status, mit verschiedenen Updates, u.a. auch die Erweiterung einer Winde beim NH90.

Einen direkten und sicheren Ausblick nach 2016 für den Standort Celle konnte und wollte Brigadegeneral Mais auf Anfrage von Dr. Wulf Haack nicht wagen. Die neue Struktur stehe, man könne aber nie sagen, wie sich die politische Lage oder die Sicherheitslage entwickle.

Redaktion
Celler Presse

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