„Die Kinder müssen so stark sein, dass sie sich in der Welt behaupten können“

CELLE. Das niedersächsische Projekt „Starkids“ endete nach dreijähriger Laufzeit am Freitag an der Kath. Kindertagesstätte St. Ludwig. Man wollte die Kinder sensibilisieren und süchtiges Verhalten erst gar nicht entstehen lassen. Im Boot waren bei dem Projekt auch die Erzieher/innen und Eltern der Kinder, die die Kinder trainieren und fördern.

Das vor drei Jahren ins Leben gerufene Projekt der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen hatte unter dem Namen „Starkids“ („Stark“ und „Kids“) die Suchtprävention in Kindertagesstätten im Blick. Teilnehmende Kindertagesstätten hatten in der dreijährigen Projektlaufzeit einige Themen vor sich, die letztendlich die Lebenskompetenzstärkung der Kinder zum Ziel hatte.

Die Arbeitskreise beschäftigten sich im Laufe des Projekts unter anderem mit folgenden Themen.

  • Genuss und Lebenslust
  • Emotionale Kompetenz
  • Elternkooperation
  • Konfliktfähigkeit
  • Geschlechtersensibilität und die Rolle von ErzieherInnen
  • Kinder aus suchtbelasteten Familien
  • § 8a SGB VIII: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
  • Passives Konsumieren – Aktive Selbstgestaltung
  • Frustrationstoleranz, Bedürfnisaufschub, Grenzen setzen
  • Miteinander Stark

Einige dieser wichtigen Inhalte, wurden zudem in Einzelprojekten direkt mit den Kindern umgesetzt.
So auch die „Streit Regeln“. Hier haben die Kinder Konfliktlösungen erarbeitet und bildlich dargestellt. Da wurde aus: „Ich möchte Ich will nicht“, „und wenn wir können“ nach einer gemeinsamen Verhandlung ein „erst einmal“.

Pater Andreas Tenerowicz von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Ludwig begrüßte als Träger der Kindertagesstätte das Projekt „Starkids“ und die dreijährige Teilnahme der Kita. Die Kath. Kindertagesstätte St. Ludwig sei bei diesem Projekt sogar so erfolgreich, dass sie dafür ausgezeichnet werde.

Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende übermittelte zunächst einen Gruß von der Stadt und der Verwaltung aus und gratulierte zugleich der Kindertagesstätte. Beim Thema Suchtprävention müsse man bei den Kindern anfangen, damit sie lernen stark zu sein und sich nicht allen Genüssen hingeben. Die Kinder müssen auch nein sagen können, damit ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird und sie die Angriffe der verschiedenen Süchte abwehren können. Doch es geht bei den Süchten auch um Emotionen und die Frage: Wie gehe ich damit um? Mende kritisierte den zunehmenden Fernsehkonsum der Kinder. Sie haben keine reale Person vor sich und verlieren die Fähigkeit Emotionen richtig zu erkennen. Der heutige Drogenkonsum ist in der Gesellschaft erschreckend normal geworden. Das darf aber nicht das Ziel sein, so der Oberbürgermeister. „Die Kinder müssen so stark sein, dass sie sich in der Welt behaupten können“, fuhr Mende weiter fort. Die ersten Erfolge sind bei den Kindern der Kindertagesstätte St. Ludwig zu erkennen und die Stadt steht hinter ihnen.

Ingeborg Holterhoff-Schulte von der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen hatte mit ihrem Team das Projekt vor drei Jahren ausgedacht. Der Ansatz war: die Sucht verhindern und vorbeugen, dazu musste man jedoch schon in den Kindergärten anfangen. Die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen stellte sich die Frage: „Was kann unsere Kinder schützen“. Man wollte die Kinder stärken und sie selbstbewusster machen. Als wichtigen Anker bei der Sache sieht Holterhoff-Schulte fürsorgliche Eltern und Erzieher, die auch ein nein des Kindes akzeptieren. Sie müssten die Kinder kompetent begleiten aber auch beim Medienkonsum der Kinder nicht allein lassen. Bei dem Projekt wurden nicht nur die Kinder auf das spätere Leben vorbereitet, im ersten Schritt standen die Erzieher/innen im Fokus. Sie mussten das Handwerkszeug und Methoden zu diesem Thema der Suchtprävention im Rahmen der frühkindlichen Bildung erlernen. Letztendlich sensibilisiere man die Kinder, sie sollen die Gefahren erkennen können und wissen, was sie dann dagegen tun können. 2011 startet das Projekt mit 15 Kitas in 5 niedersächsischen Regionen. Leider habe die Landesstelle aus Hannover einige Kitas im Laufe der dreijährigen Projektlaufzeit verloren. Dies lag jedoch nicht am Engagement oder dem Thema, berichtet Holterhoff-Schulte. Die Arbeitsbelastung in vielen Kindertagesstätten ist extrem hoch. Eine Zusatzbelastung durch dieses Projekt hatte einige Kitas dazu bewogen, das Projekt vorzeitig einzustellen. Die Kath. Kindertagesstätte St. Ludwig habe von Beginn an das Projekt aktiv mitgestaltet und bis zum Ende die Ziele erfolgreich umgesetzt, lobte Holterhoff-Schulte.

Simone Braun von der Suchtprävention des Fachdienstes Jugendarbeit der Stadt Celle zeigt sich vom Projekt auch nach dem Abschuss weiterhin überzeugt. In Celle starten zunächst zwei Kitas, eine sprang nach einiger Zeit vorzeitig ab. Doch das Thema der Suchtprävention ist wichtig und wird von den Kindern als auch von den Eltern positiv aufgenommen. Braun strebt einen Austausch zwischen den städtischen Kitas an, der viele Fragen klärt und bereits jetzt auf großes Interesse stößt.

Die Leiterin der Kindertagesstätte Sabine Schade war 2011 zunächst über das Thema erstaunt. Was haben Kinder mit Süchten zu tun, stellte sich Schade die Frage. Doch der dahinterstehende Grundgedanke, die Persönlichkeit der Kinder zu stärken gefiel ihr. Die dreijährige Projektkaufzeit war auch für die Kath. Kindertagesstätte St. Ludwig eine Herausforderung, doch man habe sehr viel gelernt. Ein regelmäßiger informeller Austausch und von der Stadt individuell geschnürte Fortbildungspakete haben viel gebracht. Der Begriff „Sucht“ wird oft nur einseitig betrachtet. Rauchen, Drogen oder Alkohol verbinden viele damit. Doch in der frühkindlichen Erziehung blickt man auf die grundsätzlichen Wurzeln einer Sucht. Zum Beispiel hatte die Kindertagesstätte St. Ludwig bereits zum dritten Mal eine spielzeugfreie Zeit eingeführt. Einige Kinder hatten zunächst ein Problem, wussten nicht mit sich und anderen anzufangen. Doch Schade berichtet über die Erfolge dieser Zeit. Schnell wurden die kreativen Kräfte der Kinder geweckt und sie haben sich aktiv eingebracht. Sabine Schade empfand die Aktion „Genuss und Lebenslust“ in der Weihnachtszeit besonders gut. Die Kinder haben die Kita geschmückt, und es roch nach Selbstgebackenem. Schließlich wird bei der ganzen Sache das Auge auch für die kleinen Dinge geschult. Doch endet das Projekt wirklich, fragt Schade. Schließlich läuft es durch die Thematisierung und die Schulung der Erzieher/innen ja weiter, schließt Schade.

Redaktion
Celler Presse

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