Jugendtheater Halle 19 am Freitag eröffnet: Es mussten „dicke Bretter“ gebohrt werden

CELLE. Das war eine schwungvolle Eröffnung mit allen Elementen, die ein Jugendtheater anziehend macht: Musik, Show, Theater. Im Beisein der Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann, der Landtagsabgeordneten Thomas Adasch und Maximilian Schmidt, sowie zahlreichen Vertretern aus Kommunalpolitik fiel der Startschuss am Freitag. Neben Wort- und Musikbeiträgen, stand das Theaterstück „Nellie Goodbye“ im Mittelpunkt.

Thomas Knoke, Vorsitzender des Trägervereins des Schlosstheaters, eröffnete dann auch vielsagend: „Wir bekommen langsam Routine darin, neue Spielstätten zu eröffnen.“ So war die Halle in dem Veranstaltungszentrum CD-Kaserne zuvor für drei Jahre Ausweichspielstätte für das Schlosstheater, das modernisiert und saniert wurde. Die weitere Nutzung der Halle wurde von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende ins Spiel gebracht. Anfangs wurde daran gezweifelt, die Kosten für eine dauerhafte Nutzung „stemmen“ zu können. In Vorbereitung auf die neue Intendanz wurde ausgelotet, was baulich nötig ist und nach Finanzquellen geforscht. Dabei sei man auf nicht verbrauchte Restmittel bei der europäischen Regionalförderung gestoßen, und weiterhin habe man auch die Niedersachsenstiftung für das Vorhaben begeistern können. Der enge finanzielle Rahmen war letztlich bei der Umsetzung eine große Herausforderung. Das sei ein Beispiel dafür, so Knoke, was Eigeninitiative, Optimismus, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, „dicke Bretter zu bohren“, Unmögliches möglich zu machen. „Das Schlosstheater Celle hat nicht nur aus diesem Grunde Anlass, dafür dankbar zu sein, was es für eine Theaterleitung hat“, sagte der Vereinsvorsitzende mit Blick auf den neuen Intendanten Andreas Döring. Der Dank gelte auch allen anderen Mitarbeitern, die das, was die Leitung ausheckt, nicht nur mitmacht, sondern auch mit großem Engagement unterstützen. Mit dem Förderantrag ist das Schlosstheater die Verpflichtung eingegangen, diese Spielstätte nachhaltig zu betreiben , das bedeute mindestens 15 Jahre. Es wurde geprüft, ob die Folgekosten für diesen Zeitraum getragen werden können. Auch ein Theater müsse solide wirtschaften. Nur so könne man der Verpflichtung gegenüber den Geldgebern und den Beschäftigten nachkommen. Allerdings sei ein Theater keine Verwaltungsbehörde und kein Wirtschaftsunternehmen, sondern ein kulturelle Einrichtung.: „Gegenstand ist die Kunst und im künstlerischen Raum haben wir es mit nicht planbaren höchst subjektiven Gefühlen zu tun“, stellte Knoke fest. Den Geldgebern sei man dankbar, dass sie die erheblichen Risiken einzugehen bereit sind.

Intendant Andreas Döring und Architekt Frank Simon rekapitulierten auf unterhaltsame Weise, wie sie die Ausgestaltung der Halle 19 angegangen sind. So erinnert sich Frank Simon, dass der Intendant nach den Schilderungen, wie denn seine Vorstellungen dazu seien, dieser anfügte: „Es darf aber nichts kosten.“ Letzten Endes musste die Halle aber ausreichend wärmeisoliert werden und beheizbar sein. Da die Dachkonstruktion, ein Abhängen der Decke nicht ermöglichte, wurde der Raum als „Kiste“ gestaltet. Es wurde ein Bühnenboden eingebaut, der Brandschutz geklärt. Wie Andreas Döring erläuterte, wird die Halle bereits seit vier Wochen als Probenraum genutzt, und am 22. Januar ist Premiere mit „Im Westen nichts Neues“. Um mit dem Jugendtheater aber schon vor Fertigstellung der Halle 19 „in Gang“ zu kommen, habe man sich schon im letzten Jahr auf das Projekt „Jugendtheater on Tour“ konzentriert. Es habe bereits Vorstellungen in Hannover, Lehrte und Burgdorf gegeben. „Aber vielleicht kommt Celle auch bald dazu“, kommentierte der Intendant diesen Sachverhalt augenzwinkernd.

Die Grußworte vom Land Niedersachsen sprach Detlef Lehmbruck vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Referat für Theater und Musik. Er beglückwünschte Andreas Döring ausdrücklich zu seinem Vorhaben des Jugendtheaters: „Sie haben alle Beteiligten mit Ihrem Vorhaben begeistert.“ Landrat Klaus Wiswe wies darauf hin, dass für das Schlosstheater die größte freiwillige Geldausgabe des Landkreises geleistet werde. Das müsse den Gemeinden des Landkreises vermittelt werden. Das falle umso leichter, wenn man sehe, mit welchem Engagement die gute Arbeit am Theater geleistet werde. So begrüßte Wiswe das Bestreben des Theaters, auch „in die Fläche“ zu gehen und in den Schulen zu spielen und das nicht nur in der Stadt. In die gleiche Kerbe schlug Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende, zumal auch die Stadt in gleicher Weise das Theater unterstütze.

Um einen Vorstellungsbeginn – anstatt durch eine Klingel – anzukündigen hatte sich Andreas Döring einen besonderen Gag einfallen lassen. Er ließ sich von Landrat Wiswe und OB Mende einen der Sätze „Bitte die Plätze einnehmen“ und „Jetzt geht’s gleich los“ auf den Tonträger sprechen. So mussten sich die Repräsentanten von Stadt und Landkreis einigen, wer nun was sagt, das war offensichtlich keine leichte Entscheidung. Die Theaterbesucher werden sich in Zukunft an die Aufforderung von OB Mende: „Bitte die Plätze einnehmen“ und das Startsignal von Landrat Wiswe: „Jetzt geht’s los“ gewöhnen müssen. Die Nagelprobe kam kurz danach zu Beginn des Stückes „Nellie Goodbye“, das zur Eröffnung der Halle 19 an diesem Ort Premiere feierte. An den anderen Spielstätten ist es ja schon mehrfach gelaufen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler Michèle Breu, Morgane Ferru, Lukas von der Lühe, Josephine Raschke und Philip Leenders überzeugten abermals in dem zeitgemäßen aber auch tragischen Stück. Als Zuschauer war man sehr schnell von der Handlung eingenommen. Wurde das gespielt oder waren die jungen Leute einfach nur sie selbst? Die Zuschauer honorierten die Leistung mit lang anhaltendem Applaus, der auch die musikalischen Darbietungen im Rahmen des Stückes betraf; Billy Ray Schlag hat mit seinen Songkompositionen den Nerv der Zeit getroffen.

So hat dann auch beim anschließenden Bandcontest die Theaterband „Viphi Brixxx and the Synicaps“ aus dem Stück Nellie Goodbye gewonnen. Die Zuschauer haben über den Sieg entschieden, die Lautstärke des Applauses wurde jeweils gemessen. Zuvor jedoch wurden die musikalischen Darbietungen von einer Fachjury bestehend aus Tiana Kruškić, Kai Thomsen und Volker Schlag kommentiert – DSDS ließ grüßen. Die Gewinner-Band hat ihren ersten Platz jedoch abgegeben – an die Band „New SoulGeneration“. Als Anerkennung bekommt diese Band die Möglichkeit am Schlosstheater in einer Produktion aufzutreten.

Die Eröffnungswerkschau HALLE 19 stand am Samstag ab 18 Uhr unter dem Motto
“DIREKT NAH ANDERS“.
Präsentiert wurden Ausschnitte aus aktuellen Produktionen des Jungen Theaters Celle. Mit dabei waren Szenen aus den Produktionen des Jungen Theaters Celle „Nellie Goodbye“, „Pettersson und Findus“, „Nathans Kinder“ und „Woyzeck“ sowie aus den Inszenierungen „Faust, die ganze Tragödie“. Außerdem gab es einen exklusiven Vorab-Einblick in eine Szene von „Im Westen nichts Neues“. Diese Inszenierung feiert erst am 22. Januar in der HALLE 19 ihre Premiere.

Künstler des Schlosstheaters, darunter Ensemblemitglieder sowie Aline Bosselmann (neue Theaterpädagogin am Schlosstheater), Petra Schiller (Dramaturgin), Andreas Döring (Intendant), Adnan Taha (Hausregisseur des Jungen Theaters) und zwei Teilnehmer des Theater-Jugendclubs, führten das Publikum mit Moderationen und Gesprächssequenzen durch den Abend.

Tiana Kruškić, The Voice of Germany-Finalistin und Billy Ray Schlag, Musiker und Komponist (u. a. Komponist der Musik in der Celler „Faust“-Inszenierung sowie der Songs aus „Nellie Goodbye“) bereicherten den Abend musikalisch. Außerdem studierten sie mit dem Publikum kurzerhand einen Chorgesang für eine Szene aus „Faust“ ein, die anschließend gemeinschaftlich (Schauspieler + Publikumsbeteiligung) aufgeführt wurde.

Überhaupt hatte das Publikum während der Werkschau so einige Gelegenheiten, sich in den verschiedenen szenischen Darbietungen zu beteiligen: als Faust-Darsteller oder technische Unterstützung an der Nebelmaschine für die „Faust“-Szene, als lebendiger Spiegel, für Tierstimmen auf dem Bauernhof von „Pettersson und Findus“ oder als Tambourmajor in „Woyzeck“.

PR/Redaktion
Celler Presse

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