Migration Schwerpunkt bei der Veranstaltungsreihe des 5. Eléonoretages
CELLE. Am 12. April ist Eléonoretag; am 12. April 1676 heiratete die Hugenottin Eléonore Desmier d’Olbreuse den zukünftigen Celler Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg. Eine Verbindung von historischer Bedeutung für Migration, Kultur und Politik, teils mit europäischer Dimension. So beginnt in Celle die Würdigung der Eléonore am 12. April mit der Eröffnung der Ausstellung „frauenORTE Niedersachsen“ in Rathaus. Es schließt sich in diesem Jahr eine Veranstaltungsreihe bis einschließlich November 2015 an.
Erstmals liegt die Federführung beim neu geschaffenen Kulturdezernat. Zuvor lag die Gestaltung bei den Gleichstellungsbeauftragten. Wie die Dezernentin Susanne McDowell bei der Programmvorstellung erläutert, hat die Hugenottin Eléonore d’Olbreuse von Celle aus so nachhaltig gewirkt, dass Celle ihretwegen in die Reihe der „frauenORTE in Niedersachsen“, eine Initiative des Landesfrauenrates, aufgenommen wurde. 25 historische Frauenpersönlichkeiten sind von der Initiative im Zeitraum 2008 bis 2014 gewürdigt worden. In dem erweiterten diesjährigen Programm werden unter dem Titel „Frauensache?“ Eléonore d’Obreuse und ihre Impulse für die Gegenwart beleuchtet. Es gehe darum, so die Kulturdezernentin, Eléonore mit ihren Verdiensten um die deutsche und europäische Geschichte herauszustellen.
In diesem Jahr wird dem Thema „Migration“ ein Schwerpunkt eingeräumt. Damals waren es die Hugenotten, die dank Eléonores in Celle Zuflucht fanden; stellvertretend für die Nationalitäten, die heutzutage hier ein neues Zuhause suchen, soll unter anderem ein Austausch mit Frauen kurdischer Herkunft stattfinden.
Das umfangreiche Programm bis Ende des Jahres wurde von einem Arbeitskreis ausgearbeitet, dem u. a. das Bomann-Museum, das Residenzmuseum, die evang. ref. Kirchengemeinde, die Volkshochschule und die deutsch-französische Gesellschaft angehören. Besondere Bedeutung kommt der reformierten Kirchengemeinde zu, in der die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten eine religiöse Heimat fanden. Rund 300 dieser Glaubensflüchtlinge fanden während der Regierungszeit Herzog Georg Wilhelms von Braunschweig-Lüneburg (1665-1705) in der Residenzstadt Celle Aufnahme. Sie hatten in der Frau des Celler Herzogs, Eléonore Desmier d’Olbreuse, eine namhafte Fürsprecherin.
Bei der Eröffnung der Veranstaltungsreihe am 12. April (11.30 Uhr) im Foyer des Neuen Rathauses wird Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende sprechen. Die Ausstellung, die bis zum 8. Mai im Rathaus zu sehen sein wird, stellt die ersten 25 frauenORTE Niedersachsens vor und lässt Frauengeschichte und Frauenkultur damit lebendig werden.
Am 19. April um 11.30 Uhr findet eine Führung durch die Dauerausstellung „Nicht von hier?….“ im Bomann-Museum statt. Die Ausstellung ist der Migration gewidmet. Es wird ein weiter Bogen geschlagen von den Flüchtlingen 1945 bis hin zu den Kurden in erster Generation. Ob nun Eléonore oder andere Flüchtlinge, es bedeute immer eine kulturelle Befruchtung was die Menschen mitbringen.
Am 6. Mai um 19.00 Uhr spricht die Vorsitzende des Kuratoriums frauenORTE Niedersachsen im Foyer des Neuen Rathauses über 1.000 Jahre Frauengeschichte in Niedersachsen.
Am 8. Juni findet um 15.00 Uhr ein Stadtrundgang in deutscher und kurdischer Sprache statt, der den Spuren der Eléonore folgt, die sich am Celler Hof für Religionsfreiheit und Toleranz eingesetzt hat.
Für den 13. September hat die Theatergruppe der Volkshochschule ein Eléonoren-Picknick im Französischen Garten organisiert und Spielszenen aus dem Leben der letzten Celler Herzogin einstudiert.
Am 1. Oktober wird die Leiterin des Residenzmuseums, Juliane Schmieglitz-Otten, zum Thema „Fürstliche Frauenpower – Frauen am Celler Welfenhof“ referieren.
Am 15. Oktober findet um 18.00 Uhr im Bomann-Museum ein Zeitzeugengespräch statt mit dem Titel „Fluchtgeschichten damals und heute“
Am 6. November um 19.00 Uhr liest Hermann Wiedenroth in Kunst&Bühne aus dem Tagebuch des Jean Migault. Susanne McDowell hat das Tagebuch dramaturgisch bearbeitet, so dass die Kriegs- und Verfolgungserfahrung der Hugenotten eindringlich nahegebracht wird. Es werden authentische Einblicke in das Kapitel der Fluchtbewegung vermittelt.
Der Eintritt zu den meisten Veranstaltungen ist frei – lediglich im Bomann-Museum ist Eintritt zu entrichten.
Redaktion
Celler Presse
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