Zum Gedenken an Peter Deutschmann

ESCHEDE. Es ist ein grausames Verbrechen, was sich vor 16 Jahren in Eschede ereignete. Geblendet von Hass, Unwissenheit und Selbstüberschätzung, erschlugen zwei junge Männer im ideologischen Wahn Peter Deutschmann. Zum Gedenken an dieses Verbrechen – zum Gedenken an Peter Deutschmann – fand gestern die Feier in Eschede statt.

Zum 16. Todestag von Peter Deutschmann luden der „Arbeitskreis für Demokratie und Menschenrechte in Eschede“ und das „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ am 10. August ein. Marlies Petersen, stellvertretende Ortsbürgermeisterin der Gemeinde Eschede, erinnerte an die Tat und die Umstände. Petersen selbst kannte Herrn Deutschmann und die Familien der Täter. Sie schilderte in ihrer Rede die persönliche Betroffenheit der Menschen die von der Tat damals erfuhren.

Die ehemaligen Skinheads Marco S. und Johannes K. suchten am 8. August 1999 Peter Deutschmann in seiner Wohnung auf, schlugen und traten ihn, weil er deren Naziideologie kritisierte. Marco und Johannes wollten ihre Tat verschleiern und durchtrennten die Telefonleitung, um zu verhindern, dass er schnell Hilfe holen kann. Aufmerksame Nachbarn riefen schließlich den Rettungswagen und alarmierten die Polizei.

Trotz der schnellen Hilfe verstarb Peter Deutschmann zwei Tage später aufgrund seiner Verletzungen in der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH).

Die Täter wurden schnell von der Polizei gefasst und später zu Jugendstrafen verurteilt. Nicht nachzuvollziehen war, dass das Gericht den Totschlag nicht würdigte, da Deutschmann Vorerkrankungen hatte. Die Gedenken an Peter Deutschmann sind eine Mahnung an uns alle, dass die menschenverachtende Naziideologie auch heute noch Opfer hat.

Marlies Petersen betonte: „Das Gedenken an Peter Deutschmann ist eine Mahnung an uns alle, dass die menschenverachtende Naziideologie auch heute noch Opfer hervorbringt. Darauf aufmerksam zu machen, dass alle wachsam für Demokratie und Menschenrechte aktiv eintreten müssen, ist das Anliegen des Gedenkens. Die Geschichte der Täter ist auch eine Aufforderung, sich um die Kinder und Jugendlichen, die ausgegrenzt werden, frühzeitig zu kümmern. Denn die Gefahr besteht darin, dass die Faschisten ihnen Anerkennung geben, die sie von unserer Gesellschaft nicht erhalten.“

Hildegard Wiecker vom „Arbeitskreis für Demokratie und Menschenrechte in Eschede“, sang Lieder aus der Zeit in der Peter Deutschmann zu Lebzeiten als DJ im Club Freedom arbeitete. Zudem komponierte sie ein Lied zu Peter Deutschmanns Gedenken.

An dieser Stelle möchten wir auf folgende Programme des Landes Niedersachsen hinweisen:
„AussteigerhilfeRechts“
Seit 2001 bietet dieses Programm eine prozessorientierte Ausstiegsbegleitung. Die ideologische und soziale Distanzierung von der rechtsextrem orientierten Szene bei gleichzeitiger Reintegration der Aussteigenden in die Gesellschaft ist das Ziel.Um Ausstiegsprozesse bestmöglich gestalten und zum Erfolg führen zu können, werden in Rücksprache mit jedem und jeder Aussteigenden auf den Einzelfall abgestimmte Hilfepläne erstellt, die im Bedarfsfall auch die Kooperation mit weiteren Anbietern externer Dienstleistungen wie bspw. Maßnahmen zum Erwerb von Schul- oder Berufsausbildungsabschlüssen, die Suche nach Arbeitsplätzen, die Wohnungssuche, die Behandlung von Suchterkrankungen, die Entfernung von Tätowierungen, Soziale Trainingskurse und anderes mehr umfassen können. Zur Umsetzung der Betreuungsmaßnahmen stehen geeignete Fördermittel bereit.Seit das Aussteigerprogramm „AussteigerhilfeRechts“ ins Leben gerufen wurde, konnten mehr als die Hälfte aller aufgenommenen Betreuungen positiv abgeschlossen werden. Die „AussteigerhilfeRechts“ leistet damit einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Reintegration von ehemaligen Angehörigen der rechtsextrem orientierten Szene.„Aktion Neustart“
Es soll Personen den Ausstieg aus der Szene ermöglichen und nach Möglichkeit auch junge Menschen darüber aufzuklären, auf welchem verhängnisvollen Weg sie sich befinden. Zudem soll verhindert werden, dass junge Menschen in die Szene hineinwachsen. Daher sollen darüber hinaus insbesondere junge Menschen angesprochen werden, die in der Gefahr sind, in diese Szene hinein zu geraten, aber selbst noch kein ideologisch verfestigtes Weltbild haben.

Neben dieser aktiven Komponente beinhaltet das neue Aussteigerprogramm auch das Angebot, von sich aus telefonisch Kontakt aufzunehmen.
Diese Nummer lautet: 0172 – 4444 300. Wichtig ist: Alle Anrufer, aber auch diejenigen, die der Verfassungsschutz von sich aus anspricht, können sich darauf verlassen, dass sämtliche Kontakte streng vertraulich behandelt werden.

Eine enge Kooperation ist insbesondere mit der bereits bestehenden „AussteigerhilfeRechts” des MJ vereinbart. Dort sind erfahrene Sozialarbeiter tätig, die eine Begleitung ermöglichen, wie sie das MJ-Konzept auch bisher schon vorsieht.

Redaktion
Celler Presse

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